War was?

:: Die Woche :: 21.12. - 28.12.2007

Benazir Bhutto wurde ermordet – Mindestlöhne, Managergehälter und eine Gerechtigkeitsdebatte beschäftigen Deutschland – Kinderpornografie und ihre bundesweiten Spuren – Zum Fest wurde um die Weihnachtsbotschaft gerungen – und der Islam schickte Grüße - Im neuen Jahr wird alles anders!?

In Pakistan galt sie vielen als die große Hoffnungsträgerin. Nun ist Benazir Bhutto tot. Die Politikerin wurde bei einem Anschlag ermordet. Die Gewalttat stürzt Pakistan in eine tiefe politische Krise und führt weltweit zu großer Betroffenheit. Benazir Bhutto hätte gute Chancen gehabt, am 8. Januar 2008 zur Ministerpräsidentin des Landes gewählt zu werden: 1988 war sie als erste Frau eines muslimischen Landes überhaupt in Pakistan in die Regierungsverantwortung geholt, verlor diese aber zwischenzeitlich immer wieder, zuletzt wegen Korruptionsvorwürfen. Doch weder diese noch ihre lange Abwesenheit im Exil, konnten Bhuttos Popularität schaden. Nach Ansicht vieler trat die Politikerin für Stabilität und eine zunehmende Demokratisierung des Landes ein. „Es ist die Tat derjenigen, die die Auflösung Pakistans betreiben“, so kommentierte ein Parteisprecher denn auch den Mord, „sie war das Symbol der Einheit.“

 

Was ist sozial gerecht? Das ist die eigentliche Frage hinter der Debatte um die Managergehälter und Mindestlöhne. Also: Brauchen wir Offenlegungen und Höchstgrenzen in den Spitzenbezügen? Und in möglichst vielen Branchen eine Absicherung vor dem freien Einkommensfall nach unten? Immer mehr Menschen blicken beunruhigt auf das soziale Gefälle in Deutschland und die Kluft zwischen Arm und Reich. Zumindest die SPD zeigt sich darüber erfreut und bestens gewillt, die Zeichen der Zeit hier nicht zu verkennen. Die CDU dagegen kämpft noch mit aufkommenden Profilierungsengpässen und wohl auch so mancher Feiertagslaune, die da aus der Patsche helfen sollte: „Die Menschen freuen sich auf Weihnachten“, erklärte etwa CDU-Generalsekretär Roland Profalla, „und nicht auf branchenspezifische Mindestlöhne.“ Diesen Kommentar zu toppen vermochte dann nur noch Kardinal Karl Lehmann. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz plädierte dafür, den „Wert der Barmherzigkeit“ in der laufenden sozialen Debatte wieder zu entdecken – auf dass nicht nur „kalte Gerechtigkeit“ uns regiere. Na dann gute Nacht, liebe Politik im 21. Jahrhundert.

 

Kinderschutz statt Datenschutz? In dem bisher größten Fall von Kinderpornografie in Deutschland ermitteln die Behörden derzeit gegen rund 12.000 Verdächtige. Der Streit um Datenschutz bekommt vor diesem Hintergrund neuen Aufwind. Ursprünglich war es Ursula von der Leyen, die forderte, man dürfe nicht zu zimperlich im Umgang mit Persönlichkeitsrechten sein, wenn es darum gehe, Vernachlässigung und Gewalt etwa durch Eltern und in der Familie zu verhindern. Ging es hier noch um einen transparenteren Informationsfluss zwischen Kinderärzten, Jugendämtern und Sozialarbeitern, scheint nun die Frage auch ein Fall für das Ressort Schäubles: Gibt der Skandal um Kinderpornos im Netz all jenen Recht, die schon lange mehr Rechte für Ermittler im Datenverkehr unserer Tage fordern? Auch bei der Aufdeckung der vorliegenden Verbrechen sei man ohne die Mittel ausgekommen, die Schäuble und das BKA so sehr herbeisehnen, wenden kritische Stimmen hier ab.

 

Kein Weihnachtsfest ohne frohe Botschaft! Auch dieses Jahr rangen Politiker und Kirchenvertreter mit der Stallgeschichte und dem Krippenbild. Im Mittelpunkt der meisten Ansprachen standen dabei auch hier das Wohl der Kinder und die Mahnung, sich dafür stärker zu engagieren. Aber nur wenige wagten inmitten der weich auf Stroh gebetteten Worte so direkt zu werden wie etwa Margot Käßmann. Die niedersächsische Landesbischöfin erinnerte daran, dass heute jedes siebte Kind auf Sozialhilfe angewiesen sei, und bemerkte: Käme das Jesuskind heute auf die Welt und mit seinen Eltern nach Deutschland – es hätte es keine Chance auf Bleiberecht. Für die größere Überraschung sorgten da vermutlich nur noch die Weihnachtsgrüße, mit denen 138 islamische Gelehrte der Christenheit in diesem Jahr ein frohes Fest wünschten – erstmals in der Geschichte und im Bemühen, den Dialog zwischen den Religionen zu befördern.

 

Und das neue Jahr? Während über die Fernsehbildschirme gerade Jahresrückblicke aller Art flimmern, haben zumindest einige sich die Mühe gemacht, nach vorne zu blicken. Was das Jahr 2008 mit sich bringt, erfahren Sie hier. Und natürlich: Nicht alles wird anders – aber manches besser.