War was?

:: Die Woche :: 22.01. - 28.01.2010

Ach, schuld ist die Erziehung - Free Style vs. Verteidigung der Demokratie - Auf den Osten ist Verlass, auf den Süden kommt es an - Ideal kindlicher Früherziehung: die Mutter hoch 2

Kennen Sie das? Ihrem Partner geschieht ein Missgeschick ("Ach verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt!"), eine/r muss schuld sein ("Hättest DU nicht sagen können, wie heiß das ist!") - und Sie fühlen sich tatsächlich schuldig? Sind Sie eine Frau, dann liegt es an Ihrer Erziehung. Sind Sie ein Mann, dann gehören Sie eher den älteren Semestern an. Denn Frauen entwickeln von Beginn an schneller und intensiver Schuldgefühle als Männer. Während Männer erst im reiferen Alter dazu neigen, ihr eigenes Tun schuldbewusst zu hinterfragen, tendieren Frauen mit zunehmendem Alter dazu, sich über ihre Schuldgefühle zu ärgern. So jedenfalls werten die Forscher der Universität in San Sebastian eine Studie, in der sie 360 Männer und Frauen zu ihren Schuldgefühlen in verschiedensten Situationen befragten. Interessant ist die Erkenntnis der Forscher, dass Frauen sich nicht zu schuldbewusst verhalten und Männer dagegen sehr viel später und bei weitem nicht so intensiv Schuldgefühle entwickeln können. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Erziehung des Jungen zu einem harten Kerl bzw. des Mädchens zu gesteigerter Empathie. Das Aufweichen der Geschlechterollen sollte also schon mit der kindlichen Früherziehung beginnen. Vielleicht ist es aber auch wesentlicher, den Staat und die Gesellschaft dies stützen oder vielmehr bestimmen zu lassen. Auch wenn es sehr spekulativ ist: Aber in Skandinavien wäre die Studie wohl anders ausgefallen.

 

Anders ausgefallen wäre wohl auch das Bemühen des französischen Parlaments, im Namen der Demokratie die Kleiderordnung für Frauen ein für alle Mal zu regulieren, ginge es nicht um die vermaledeite Burka. Über die Burka wurde genügend geschrieben - es steht außer Frage, dass dieses Kleidungsstück in unserer Zeit ein Symbol des radikalen, gewalttätigen und frauenfeindlichen Islams ist. Jedoch für 2000 Burka tragende Frauen in Frankreich ein Gesetz zu verabschieden, das eben dieses Tragen verbietet - da wurde wohl nicht nur mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Nicht die schiere Zahl von 2000 möglichen Radikalen (und ihrer Multiplikationswirkung) macht hier das demokratische Gemeinwesen unglaubwürdig. Es ist das Unvermögen, einer kleinen Gruppe, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, z.B. das Tragen der Burka als überflüssig, ja geradezu lächerlich zu empfinden. Mag sein, dass die Damen und Herren Politiker von ihrem hohen Volksvertreter-Ross hinabsteigen müssten, sich dem sozialen und kulturellen Frieden, also einer quasi ausgeglichenen Gesellschaft zu widmen. Aber eines scheint dann gewiss: Der nächste Wahlsieg wird ihnen nicht zu nehmen sein. Das wär' doch mal ein erstrebenswertes Ziel.

 

Jetzt ist es bewiesen: Der Osten ist fleißig - und macht mehr Kinder. Auch wenn der Strom oder die Wärme NICHT ausfallen. Leider steigt der Anteil am Bruttosozialprodukt im Osten nicht adäquat zur Geburtenrate (dem steht wohl die ungebrochen hohe Arbeitslosigkeit entgegen) - und leider reichen die Steigerungen der Geburtenrate im Osten nicht aus, um den allgemeinen Bevölkerungsrückgang, mindestens im Trend, zu stoppen. Schlussfolgerung? Wir brauchen mehr Zuwanderung. Wieso wir mehr Zuwanderung brauchen? Weil die deutsche Bevölkerung aufgrund des selbstverständlichen Luxus' eines dauerhaften Friedens und dem nicht so selbstverständlichen Luxus eines Gesundheitswesens von enormer Qualität und Breite älter und älter wird. Auch wenn das Alter der Arbeitsfähigkeit per Gesetz künstlich hochgehalten wird - der Anteil der Bevölkerung, die die Früchte ihrer Arbeit nur noch genießen möchte, wird größer und größer. Deutschland braucht also Zuwanderung von jungen, zuversichtlichen Menschen mit Hunger auf Herausforderungen und der Anspruchslosigkeit selbstloser Idealisten. Vielleicht ist es dann doch einfacher, Bedingungen zu schaffen, in denen das Kindermachen ebenso einfach ist wie die dann folgende Kinderbetreuung.

 

Apropos Kinderbetreuung: Der Studien sind da viele und sie zusammenzufassen, generiert im idealen Falle eine neue Studie - in diesem Fall eine Studie zum Zusammenhang von Kinderbetreuung und Geschlecht und Anzahl der Erziehenden. Fazit: Zwei Frauen sind besser als alle anderen Konstellationen. Diese Aussage bezieht sich natürlich auf den heutigen Wissenstand. Bedenkt man das derzeit dominierende Rollenmodell von Frau und Mann, verwundert es nicht, dass die Männer das schwächere Glied in der Kinderbetreuung darstellen. Wer nicht vor Ort ist, kann auch nichts besorgen. Unter diesem Aspekt sind die Bemühungen der Bundesregierungen der letzten beiden Legislaturperioden und auch der jetzigen Bundesfamilienministerin als erste Schritte durchaus zu begrüßen. Schade nur, dass für diese ersten Schritte mehr als acht Jahre vonnöten waren.