War was?

:: Die Woche :: 22.02. - 28.02.2010

Empfange nie ungebetene Gäste - War es das? - Die Königskobra aus dem Kurfürstenstädtchen - Gut gerutscht ist schon gewonnen

Aung San Suu Kyi bleibt in Arrest. Die burmesische Oppositionspolitikerin und Lichtgestalt der demokratischen Kräfte Burmas wird wohl auf nunmehr unbestimmte Zeit durch den schon 14 Jahre andauernden Hausarrest ihrer Freiheit beraubt werden. Denn das Oberste Gericht in Burma hat die Berufung gegen die Verlängerung des Arrestes abgelehnt und sieht es als erwiesen an, dass Frau Aung San Suu Kyi durch den ungebetenen und unangemeldeten Besuch eines US-Bürgers gegen ihre Arrest-Auflagen verstoßen hat. Nun könnte man seinen gesammelten Frust auf eben diesen US-Bürger bzw. seine Hybris, seine US-amerikanische Naivität, seinen selbstsüchtigen Liberalismus abladen. Man könnte mit ein wenig Geschick die systemischen Unzulänglichkeiten des amerikanischen Way-of-Life mit den Heilsträumen der Testosteron gesteuerten Hollywoodhelden verknüpfen und - naja, ganz einfach, die Amerikaner sind Schuld. Man könnte sich aber auch verwundert die Augen reiben angesichts der Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft, vornehmlich der westlichen Demokratien bzw. ihrer Repräsentanten. War es noch ein Einfaches, ein weltumspannendes Netz der Rettungsschirme und -anker für die eigentlich pathologischen Finanzjongleure aufzubauen, so sind im konkreten Fall eines mit ganz offensichtlichem Unrecht verurteilten Menschen den Damen und Herren Politikern die vor Angstschweiß triefenden Hände gebunden. China ist Schuld, die machen nicht mit. Aber das Unternehmen "Roter Drachen" verspricht doch ungeheure Wirtschaftschancen für den gebeutelten Mittelstand. Da muss Frau Aung San Suu Kyi halt noch ein wenig aushalten. Die Lebenserwartung der Menschen steigt doch eh von Jahr zu Jahr. Und was heute alles möglich ist - bei der ganzen Medizintechnik. Auch ein Joint Venture mit dem "Roten Drachen".

 

In einer sehr persönlichen und um Authentizität ringenden Erklärung verabschiedete sich Frau Käßmann sowohl vom Amt der Vorsitzenden der EKD als auch von ihrem Bischofssitz in Niedersachsen. Jetzt ist sie nur noch Pfarrerin in ihrer niedersächsischen Gemeinde - und mehr nicht. War das gerechtfertigt? War es das vielleicht für immer, für Frau Käßmann? Zuallerst läßt sich festhalten: es ist niemand zu Schaden gekommen. Hätte Frau Käßmann sich oder andere in ihrem Leben oder gesundheitlichen Unversehrtheit gefährdet, dann würden wir über die Strafsache Käßmann reden. Und das sei an dieser Stelle auch vermerkt: es waren nur Sekunden, Millimeter, die berüchtigt-berühmten Zufälle. Insofern erscheint es nicht nur konsequent sondern auch gerechtfertigt, dass Frau Käßmann alle Ämter fallen ließ. Doch für immer? Frau Käßmann ist in das Amt der Vorsitzenden des EKD nicht als Quotenfrau gewählt worden, weil die Statuten der evangelischen Kirche es vorschreiben, das ab und an eine Frau das Sagen haben sollte. Sie stand für einen Neubeginn innerhalb der evangelische Kirche. Und so sprechen einerseits ihr bisheriges Wirken und andererseits der Zuspruch ihrer WeggefährtInnen gegen das Verschwinden Frau Käßmanns aus der Öffentlichkeit. Ein anderes Momentum lässt sie ebenfalls im Gedächtnis der Öffentlichkeit unauslöschbar: Konsequenzen aus persönlichem Versagen zu ziehen bedarf nicht nur einer gehörigen Portion Mut sondern zuerst einmal die Einsicht, dies zu tun. Wünschen wir ihr und uns, dass der Eindruck einer integeren Persönlichkeit in Zukunft ungebrochen sein wird. Als Aufforderung und Mahnung an die bis zur Unkenntlichkeit inkonsequente Politiker-Elite unseres Landes.

 

Wie würden Sie  reagieren, wenn Ihnen zugetragen wird, dass Ihr Spitzname bei den Kollegen Königskobra lautet? Eine Möglichkeit wäre, seinem Name alle Ehre zu machen und alle mißliebigen Konkurrenten bzw. Gegenspieler mit Biß in die Flucht zu schlagen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, der ganzen Angelegenheit gekonnt aus dem Wege zu gleiten, quasi auf leisen Sohlen das Weite zu suchen. Ebenso und durchaus adäquat käme in Frage, diesem Spitzname inne- oder unterliegenden Vorwürfe elegant an sich abperlen zu lassen. So oder ähnlich könnte es Frau Hauser gemacht haben, die bei ihrem Wechsel aus der sächsischen Landeshauptstadt in das Bundesinnenministerium zwar, bezogen auf die Karriere, einen Sprung nach oben gemacht hat. Aber wie heißt es so schön im Beamtendeutsch: Frau Hauser ist wohl eher nach oben gefallen. Es wird kolportiert, dass die Bezüge der neuen Abteilungsleiterin für die Integration von Ausländern im BMI dem sächsischen Staatshaushalt unangenehme Löcher verursachten. Nach der Landtagswahl 2009 war nämlich für Frau Hauser nur noch bezahlter Urlaub als tagesfüllende Arbeitsaufgabe im Angebot. Jetzt ist sie also in Berlin. Mit Herrn de Maiziére hatte sie schon in Dresden das Vergnügen - bleiben nur noch die Vorwürfe des Amtsmißbrauchs im Raume stehen. Denn im bundespolitischen Berlin ist vollkommen egal, ob die einmal gemachte Vorwürfe beim ersten Mal gut abperlten. Daraus lässt sich spielend eine neue Schlammschlacht inszenieren. Und Obacht, Herr de Maiziére - Sie stehen ganz in der Nähe von Frau Hauser.

 

Pechi war nicht mit dabei. Dass im Moment des Erfolges der erfolgreichsten deutschen und eigentlich noch aktiven Eisschnellläuferin nicht gedacht wird, liegt in der Natur der Sache. Frau Pechstein ist gesperrt, weil irgendwie nicht alles koscher war bei ihr und ihren Blutwerten. Sei's drum, Claudi hat eine würdige Nachfolgerin in Stephanie Beckert gefunden. Doch halt. Sollte man angesichts des Pechsteinsschen Dilemmas Frau Beckert zur Nachfolgerin küren? Welchen unglaublichen Schaden die dopenden und somit betrügenden SportlerInnen ihren speziellen Disziplinen, aber auch dem Sport im Ganzen zugefügt haben, lässt sich an den 3 Hundertstel Sekunden erkennen, mit denen die Eisschnelllaufdamen im Team noch Gold in Vancouver gewonnen haben. Diese unglaubliche Anspannung, die sich trotz geschätzter 6000 oder 7000 km zwischen Deutschland und Kanada an den Fernsehapparaten vermittelte, und der Jubel, der sich im Ergebnis des Rennens entlud ... Doch, waren die 3 Hundertstel auch ein Ergebnis betrügerischer Beschleunigung durch leistungsfördernde Mittel, welche nur jetzt, heute, nicht nachgewiesen werden können? Was bleibt? Erstmal nur ein schaler Beigeschmack. Man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben. Vielleicht ist dann wieder alles anders - und auch besser.