War was?

:: Die Woche :: 22.08. - 28.08.2009

Lecker Opel - Hoffe, gut gespeist zu haben - Frau ist mehr: Teil 1 - Ted ist tot

Scheint Opel so lecker zu sein, dass General Motors nun doch nicht von der deutschen Speise lassen kann? Das Hick-Hack um die Herauslösung der deutschen Tochter aus dem amerikanischen Mutterkonzern hält die Belegschaften in Atem und die "Rettung Opels" als Wahlkampfthema frisch. Aber wieso hat das Wirtschaftsministerium den Braten nicht längst schon gerochen? War nicht Herr zu Guttenberg im schönen New York und hatte eben dort, neben prestigeträchtigem Sightseeing für den deutschen Fernsehzuschauer, auch einige klärende Gespräche mit der Konzernleitung bei GM? Ja, ja der Wahlkampf bzw. die Gunst der Wählerschaft hat wohl einigen Schaltstellen der Bundesregierung die Sicht auf die mögliche Dynamik der Ereignisse und die vorhandenen Optionen im Problemfall Opel verschleiert. Damit ist nicht das Pendeln zwischen diesem oder jenem Bieter gemeint, wie es jüngst Herr Oettinger demonstrierte, gepaart mit der Fachgewalt der vier Grundrechenarten. Gemeint ist die Option, Opel in die Geschichte eingehen zu lassen und an den betroffenen Standorten strukturelle Veränderungen anzustoßen, die die Gemeinden  und Städte aus der Abhängigkeit des industriellen und ökologischen Dinosauriers Autoproduktion lösen würden. Wahrscheinlich wäre dann Opel nicht mehr so lecker für GM - aber diese Suppe müsste nicht der deutsche und europäische Steuerzahler auslöffeln.

 

Affären versüßen das alltägliche Leben, vor allem derjenigen, die genüsslich zuschauen dürfen. Wo es bei Frau Schmidt der Dienstwagen war, der bei jeder und allen Gelegenheiten dabei sein sollte, war es bei Frau Merkel das mutmaßliche Geburtstagsdinner für den tatkräftigen und umtriebigen Herrn Ackermann. Und zu guter Letzt noch Herr zu Guttenberg, dem Dienstwagen und Abendessen schnöder Mammon sind und der es stattdessen mit Hilfe vom Outer Space versucht. Das hat sogar Geld gespart. Die Frage ist nur: Wo lag die Trennung von Sach- und Fachverstand auf der einen Seite und politischer Einflussnahme auf der anderen?

 

Frauen gibt es rein zahlenmäßig mehr in Deutschland. Dies gilt zwar nur aufgrund der Überzahl der über 70-jährigen, aber: Wenn Frauen wollen, können sie jede Wahl entscheiden. Das sei hier einfach mal so in den Raum gestellt. Nur: Für wenn sollen (S)ie sich entscheiden? Für die Statistiker(innen) unter uns hier kurz und grob eine quantitative Analyse der Wahlprogramme zum Thema Frau:

Die Piratenpartei: Das Wort Frau (oder Piratin) taucht da leider nicht auf. Ebenso steht es um die Worte Gleichberechtigung, Gleichstellung oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Damit erübrigt sich leider auch jede quantitative Analyse.

Die Bündnis 90/Die Grünen: Vorweg - quantitativ sind die Grünen der ausgemachte Spitzenreiter. Frau wird 104-mal verwendet, Gleichberechtigung 9-mal, Gleichstellung 18-mal, Vereinbarkeit von Beruf und Familie 5-mal. Angesichts eines Wahlprogramms mit 113 Seiten wird genaues Nachlesen zu Tage fördern, ob sich Quantitäten nur potenziert haben.

Der Linken scheint das weibliche Geschlecht wichtig zu sein: Frau wird 72-mal verwendet, Gleichberechtigung 4-mal, Gleichstellung 16-mal, Vereinbarkeit von Beruf und Familie 3-mal. Und das bei einem Wahlprogramm von 37 Seiten.

Die SPD bemüht sich um die Quote: Frau wird 38-mal verwendet, Gleichberechtigung 3-mal, Gleichstellung 11-mal, Vereinbarkeit von Beruf und Familie 3-mal. Mit 94 Seiten Wahlprogramm liesse sich vielleicht positiv analysieren, dass aus der Sicht der SPD alle Randgruppen repräsentativ im Wahlprogramm vertreten sind.

Man(n) ist geneigt, auszurufen: Trotz Kanzlerin. Trotz Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die CDU/CSU verwendet das Wort Frau 30-mal, Gleichberechtigung 2-mal, Gleichstellung 1-mal, Vereinbarkeit von Beruf und Familie 3-mal in 94 Seiten Wahlprogramm.

Die FDP als reine Männersache abzutun - dem versucht das 77-seitige Wahlprogramm zu widersprechen: Frau wird immerhin 14-mal verwendet, Gleichberechtigung 1-mal, Gleichstellung 2- mal, Vereinbarkeit von Beruf (und Dienst) und Familie 2-mal. Na ja. Ob die Worte eher als Platzhalter oder als Meilensteine Verwendung finden, zeigt unsere qualitative Analyse in der nächsten Woche.

Fazit: Die Wahlprogramme lassen, rein quantitativ, vermuten, dass Frauen mit ihren spezifischen Rechten, Anliegen und Bedürfnissen neben der schieren Masse langen Atem und verständnisvolle Gelassenheit ob der männerdominierten Bundespolitik aufbringen dürfen. Im nächsten war-was schauen wir uns die Sache mal inhaltlich an.

 

Eine Dynastie hat ihren letzten prominenten Vertreter verloren: Edward "Ted" Kennedy starb zu Beginn dieser Woche an den Folgen eines Krebsleidens. Nun, was Edward Kennedy bekannt gemacht hatte, war die unverschuldete Teilhabe an politischem Ruhm und einer euphorischen Erwartungshaltung, die der Familiendynastie der Kennedys seit dem tragischen Tod John F. Kennedys zuteil wurde. Was ihn aber berühmt machte und im politischen Gedächtnis auf besondere Weise Spuren hinterlassen hat, war sein Bekenntnis und Engagement für die neue Politik bzw. die neue Generation an PolitikmacherInnen, wie sie durch Barack Obama verkörpert wird. Edward Kennedy den Wahlsieg Obamas zuzuschreiben, wäre der Ehre wohl zu viel. Wie aber Kennedy nüchtern und scheinbar vollkommen rational Obama den Vorzug vor Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gab - das hat symbolisch bis in die letzte spinnennetzverhangene Ecke der USA gestrahlt. Es war plötzlich allen ganz klar, auch hier in Europa: Wir wollen etwas Neues. Dazu brauchen wir Obama. Fertig. Dass Kennedy damit das politische Erbe der Politikerdynastien testamenstreif machte, war natürlich nicht nur ein Sprung über den eigenen Schatten, sondern längst überfällig. Dass dieser Sprung Ted Kennedy gelungen war, ist aber einzig sein Verdienst.