War was?

:: Die Woche :: 23.05. - 29.05.2008

Verschüttete Milch – Verstrickte Telekom – Entlarvter Gysi? – Gefährdete Fussball-WM - Vermasselter Eurovisions-Contest

Milchüberschuß, sinkende Einnahmen, Existenzängste – die deutschen Milchbauern sehen ihre letzte Chance in einem Lieferboykott. Doch ob ihnen das hilft im verzweifelten Ringen um höhere Milchpreise? Entscheidend ist hier, wer langfristig am längeren Hebel sitzt. Und das sind momentan die großen Molkereien und die großen Supermarktketten, allen voran Aldi. Deshalb scheint die bäuerliche Hoffnung auf höhere Milchpreise wohl eher eine „Milchlädchenrechnung“. Da nützt es auch wenig, wenn die Bauern ihre Milch wegschütten – das mag das Bewusstein der Bürger für das Problem schärfen, das mag auch kurzfristig eine Verknappung der Milch und somit steigende Milchpreise bewirken. Was passiert und wer davon profitiert, wenn 2015 die Milchquoten abgeschafft werden, ist auch noch offen.


War er oder war er nicht? Ob Gysi als IM der Stasi unterwegs war, wurde ja schon immer wieder aufs Neue diskutiert. Dieses Mal aber sind die Indizien belastender denn je. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler ist fest davon überzeugt, während Gysi ebenso fest an seiner Unschuldsbehauptung festhält. Es kam zur „aktuellen Stunde“ im Bundestag und alle sind so schlau wie zuvor. Die Aktenlage ist erdrückend, überführt ist er aber nicht. Dass Gysi erneut unbeschadet aus der Sache hervorgeht, ist ihm zuzutrauen. Wer Gysi aus dem Bundestag raushaben will, sollte ihm vermutlich besser die Wähler abwerben.


An ihrer Spitzelaffäre wird die Telekom noch lange knabbern zu haben. Der Imageschaden und Vertrauensverlust ist riesig. Der Skandal: Seit 2000 wurden Verbindungsdaten geprüft und ein Maulwurf in eine Wirtschaftsredaktion eingeschleust, um undichten Informanten aus den eigenen Telekom-Reihen auf die Spur zu kommen. Alle streiten ab, keiner will den Auftrag dafür gegeben haben Derweil bemüht sich Vorstandschef Obermann mit warmen Worten um Schadensbegrenzung – ihre Daten seien sicher, erzählt er den Kunden. Nun ist erstmal die Staatsanwaltschaft beschäftigt, auch mit Ermittlungen gegen Ex-Vorstand Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel. Der Vorwurf: missbräuchliche Verwendung von Daten und Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses. Und Deutschland blickt ratlos auf eine neue Kultur des Datenmissbrauchs.


In Südafrika haben fremdenfeindliche Ausschreitungen über 50 Todesopfer gefordert, weshalb nun die Sorge wächst, ob das Land die richtige Wahl als Austragungsland für die Fussball-WM 2010 war. Überlegungen, die WM zu verlegen, machen die Runde. Die Fifa zeigt sich „betroffen und besorgt“. Joseph Blatter beteuert, dennoch die WM in Südafrika stattfinden zu lassen. Fast schon makaber muten dagegen die Bemerkungen von Andrè Pruis an, der sich auf die Herausforderung freut. Dem Vizepolizeichef von Südafrika kommt die jüngste Gewaltwelle gelegen: „Es ist der Traum eines jeden Polizisten, die WM zu haben. Da bekomme ich nämlich alle Spielzeuge, die ich mir wünsche.“ Und versichert deshalb, die Lage zur WM wäre im Griff.


No Angels – no points. Fast. Hätten nicht Bulgarien (12 Punkte) und die Schweiz (2 Punkte) Mitleid gehabt. Die änderten allerdings auch nichts daran, dass das Resultat der Deutschen beim Eurovision Song Contest schlichtweg katastrophal war. Doch wen interessiert das noch wirklich? Alle diejenigen, die schon lange nichts mehr auf den Grand Prix der Schlager geben, sahen sich erneut bestätigt, dass es sich um eine „bedeutungslose Veranstaltung ohne künstlerische Relevanz“ handelt. Man kriegt schon lange keine großen Namen, sprich: bekannte Künstler mehr dazu, mitzumachen. Vielleicht weil manche die Teilnahme am Euro-Wettsingen schon als „rufschädigend“ empfinden? Zuschauer gibt es auch immer weniger. „Disappear“ sangen die No Angels in Belgrad – und der Titel war Programm.