War was?

:: Die Woche :: 23.10. - 29.10.2009

Blutige Kampagne in Kabul - Merkel 2.0 – Den Haag geht die Geduld aus - Kantiges fürs Musterländle – Ein Leben ohne McDonald & Co.

Die Anschläge in Kabul so kurz vor der Stichwahl sollten ein klares Signal setzen, wer hier herrscht – nämlich Angst und Schrecken. Weswegen vermutlich auch weniger Afghanen denn je zur Urne gehen werden. Und damit also  genau das passiert, was die Taliban wollten. Die Staatengemeinschaft steht betroffen da, macht einen ratlosen Eindruck und schaut orientierungssuchend nach den USA. Doch dort ringt Obama noch mit sich und seiner Einstellung zum Krieg am Hindukusch. Gar manche US-Offiziere wissen selbst nicht mehr, „warum und mit welchem Ziel“ man dort kämpfe. Und so lange  Obama sich noch Zeit lässt, Klarheit über den Kurs zu schaffen, wachsen die Zweifel in Europa. So kann der afghanischen Bevölkerung nicht geholfen werden.

 

Der deutsche Bundestag kommt in Rekordzeit zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und tags darauf tritt das neue Kabinett an. Hoffen wir mal, dass das „So wahr mir Gott helfe“ der neuen Minister und Ministerinnen angesichts der Krisenzeiten kein Stoßgebet gen Himmel war. Die Stimmung jedenfalls war prächtig. Obwohl es ein wenig holperte, als die Kanzlerin gewählt wurde. Allerdings nimmt Merkel die Abweichler und den Makelstart gelassen. Vielleicht war ja noch nichts von Aufbruchstimmung zu spüren. Aber dafür haben wir schließlich nicht nur erneut eine Frau als Kanzlerin, sondern einen schwulen Außenminister und einen Gesundheitsminister vietnamesischer Abstammung. So viel Modernität hätte uns Deutschen wohl kaum einer zugetraut und wird so manchen Stammtischbruder zutiefst erschüttern. Da können wir gleich so richtig stolz auf „die Köchin und ihre Kellner“ sein.


Karadzic versucht es wie einst schon Milosevic mit einer Verzögerungsstrategie. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag markiert er, einer der größten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, den Ankläger und setzt damit die Glaubwürdigkeit des UNO-Tribunals aufs Spiel. Weder darf das Gericht sich von ihm auf der Nase herumtanzen lassen, noch darf es den Anschein erwecken, unfair und unvoreingenommen zu handeln. Doch es gibt erste Anzeichen, dass man die Blockadehaltung Karadzics  hinzunehmen nicht gewillt ist. Damit würde doch noch der Weg zu Gerechtigkeit für die Opfer des Bosnienkriegs geebnet werden.


Im Ländle steht alles auf Grün für Stefan Mappus. Der Mann fürs Grobe hat Oettinger los und darf nun wohl auf den freien Ministerpräsidenten-Stuhl. Bullig, kantig, erzkonservativ – so polarisierte Mappus schon immer. Doch all diese Eigenschaften sind in Baden-Württemberg nicht zum Nachteil. Wahrscheinlich schwelt dort sogar die Hoffnung, mit ihm eine „politische Symbiose aus Franz-Josef Strauß und Friedrich Merz“ zu bekommen, die die badisch-schwäbische Welt im Bund stärker vertreten vermag als sein glückloser und ungeliebter Vorgänger, der nun nach Brüssel abgeschoben wurde. "Mappi-Schnappi, das kleine Krokodil" kann zubeißen. Das hat auch schon Merkel zu spüren bekommen, als dieser die CDU-Politik offen kritisierte. Dass nun ausgerechnet die Kanzlerin ihm durch das Wegloben Oettingers auf den EU-Kommissarsposten zur Steigbügelgehilfin wurde, ist vermutlich ein ausgebuffter Schachzug. Wenn man Kritiker nicht mundtot kriegt, muss man sie auf die eigene Seite ziehen.


Erst verabschiedete sich BurgerKing von der Insel, dann McDonald - Island wird zur fastfoodketten-freien Zone, weil die dort aufwändig importierten Rohstoffe zu teuer werden. Doch Vorsicht für all jene, die sich jetzt freudig die Hände reiben. Erstens ist die gute alte Currywurst auch nicht mehr das, was sie mal war. Und zweitens werden die US-Bulettenbrater das leicht verschmerzen, sind sie doch die Gewinnler der Wirtschaftskrise. Jetzt wird mehr denn je gegessen, wo es sich billig isst.