War was?

:: Die Woche :: 24.04. - 30.04.2009

Lass krachen, Silvio - Schluss mit lustvoll - Willkommen im Club - Fassen wir zusammen: Alles ist weniger.

Während wir in Deutschland häufig, mal gequält, mal süffisant, über das stete Einerlei des politischen Geschäfts berichten, gönnt uns Silvio Berlusconi in dieser Woche ein Potpourri von Entäußerungen, Entscheidungen und Ereignissen, dass der Herzschlag ob der Gegensätzlichkeiten bis in die Ohrenspitzen zu pulsieren scheint und der Griff zum blutdrucksenkenden Mittel neue Anwendung erfährt.

Zum Beispiel am 25. April, dem Nationalfeiertag der Befreiung. Traditionell ein Bürotag für Berlusconi (Papiere halt - die Steuer, Gerichtsbeschlüsse, Regierungsarbeit, all das). Dieses Mal, oh Wunder, versuchte Silvio sich als Obama und sandte ein Zeichen der Versöhnung. Er ließ verlauten: Wir sind alle gleich und alle Kämpfer für die Freiheit - egal,ob kinderkochende Kommunisten oder gute Faschisten. Aus dieser Ecke herauszurudern, braucht's dann wieder eine gewisse Zeit. Oder eine grandiose Entgleisung, die dem Klavierspieler einen Tag darauf gelang. Ein Erdbeben wäre doch ein wunderbarer Anlass für einen Neubeginn. Kurz gesagt "Alles neu". Und am besten mit Hilfe des allbekannten schwedischen Möbelhauses mit den vier Buchstaben. Die hätten doch so preiswerte Möbel. Zugegebenermaßen Berlusconi will seinen Worten auch Taten folgen lassen. Der Staat soll einen Teil der Einrichtungskosten übernehmen. Danke, Silvio B.. Nein danke, sagte Berlusconis Frau, als sie vom Plan ihres Mannes erfuhr, dem muffigen Brüssel ein wenig italienisches Tutti-Frutti zu spendieren. Silvio setze die Glaubwürdigkeit von Frauen in verantwortungsvollen Positionen in Misskredit, wenn das einzige qualifizierende Kriterium ihre (freizügig sichtbare) Oberweite sei. Nach einer seifigen Entgegnung Berlusconis Mitte der Woche gab sich dieser dann der argumentativen Stärke seiner Frau und seiner Parteikollegen geschlagen und zog die Kandidatinnen zum großen Teil zurück.

 

In einer ähnlich anmutenden Auseinandersetzung haben sich die kenianischen Frauen aus dem aktiven Geschlechtsleben mit ihren Männern zurückgezogen. Die Männer sollen endlich jenen Weg gehen, der im Interesse aller in Kenia lebenden Menschen ist: den Weg der Versöhnung. Denn es kriselt so sehr in der Regierungskoalition, dass Gewaltausbrüche befürchtet werden. Bemerkenswert ist weniger die Tatsache der sexuellen Enthaltsamkeit an sich, sondern die Begründung, die dahinter steht. Sex kenne keine politische Partei, keine besondere Ethnie, Sex gibt es für viel und gar kein Geld. Sex ist der erste gemeinsame Nenner der Kenianer und Kenianerinnen. Deswegen sind auch nicht nur die Ehefrauen, Nebenfrauen, Liebhaberinnen oder Lebensgefährtinnen aufgerufen, die fleischliche Lust unbefriedigt zu lassen. Auch die Prostituierten des Landes sollen ihre Hosen und Kleider geschlossen halten. Make peace, not war. Otherwise it's "no sex".

 

Erfrischende Ideen sind zumeist Inspiration und Neuanfang von etwas Bedeutendem oder Großem. Manche Ideen dagegen scheinen die Zeit zurückzudrehen. So geschehen bei der Gründung des Frauenstudienganges für Informatik und Wirtschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. 40 Frauen - und nur Frauen - will der Studiengang ab dem Wintersemester 2009/2010 die Möglichkeit bieten, in "angenehmer Studienatmosphäre" eine "praxisnahe und topp-aktuelle Ausbildung" zu genießen, um "exzellente Berufschancen" zu realisieren. So weit, so schick. Aber wozu das Ganze? Die Bemühungen um studierende Mütter - sollen die nur in  diesem Studiengang gelten? Und wie steht es um die studierenden Väter bzw. Eltern in den anderen Studiengängen? Wird es als nächstes ein Mädchenwohnheim geben für die Studentinnen der Frauenstudiengänge? Für all jene, die eher im geschlechterübergreifenden Studium eine Chance erkennen, hinsichtlich ihrer Berufschancen aber im Zweifel sind, sei die Femtec empfohlen.

 

Fassen wir die letzten Wochen und Monate zusammen: Alles wird weniger. Weniger Krieg (danke, Obama), weniger Wirtschaftskrise (danke, lieber Steuerzahler), weniger Umweltschmutz (danke, Erderwärmung), weniger Vertrauen (danke, Politik), weniger Rente (danke, Demografie), weniger Arbeit (danke, liebe Finanzwirtschaft). Sogar der Dax, der Dow Jones, der Erdölpreis und der Goldpreis sinken. Fehlt irgend- etwas? Das ist bestimmt auch weniger geworden.