War was?

:: Die Woche :: 24.07. - 30.07.2009

Sauber eingelocht im Sommerloch - Sarkozy fällt in Ohnmacht - Die SPD findet sich nicht mehr - Kinderlosigkeit

Wenn gewichtige Nachrichten eine Auszeit nehmen und die Tage müde oder gemächlich durchs Stundenglas rieseln, dann lugt das Sommerloch spitzbübisch um die Ecke und stellt sich dem ahnungslosen Prominenten als Falle in den Weg. Weil die illustre Schar der Journalisten dem Sommerloch mal sehnsüchtig, mal gierig und auch mal genervt über die Schulter schaut, wer wann und wie versenkt wird in des Sommers Loch, kommt es zu einer Situation ähnlich dem Highnoon auf dem Marktplatz kleiner, wilder Städte. Wer zuckt zuerst? Wer hat seine journalistischen Reflexe nicht im Griff und beginnt, stöhnend ob der Warterei, zu reflektieren? Dr. Kai Gniffke war es. Mit ein, zwei Schuss beklagte er die Einfalt der Tage im Sommer. Die Wiederkehr des Gleichen. Und landete zum Ende bei der Kieler Laienspielschar. Was Herr Gniffke nicht ahnte: Er fiel selbst hinein ins Sommerloch. Hat sich quasi der Meute zum Fraß vorgeworfen. Erst kam Herr Deppendorf (7.Blogeintrag) und späterhin der ganze Rest. Eigentlich möchte man Herrn Gniffke zurufen: Chapeau!  einfach: Respekt! Nur war es tatsächlich kühle Kalkulation?

 

Auch der Weiße Ritter, bekannt unter dem bürgerlichen Namen Nicolas Sarkozy, gab uns im Laufe der Woche Rätsel auf. Gedachte er wirklich auf so respektlos dilettantische Art und Weise ins Sommerloch fallen zu können - mit einer (der inoffiziellen Angabe zufolge) vasovagalen Synkope, auch bekannt als Boygroup-Syndrom? Wenn er mit seinem kräftezehrenden Fitnessprogramm die holde Carla Bruni beeindrucken wollte, dann ging das leider komplett daneben. Fand sich der schwächelnde Nicolas zuerst buchstäblich auf dem Boden der Tatsachen wieder, musste er danach noch hinnehmen, von der schönen Carla aus dem Spital abgeholt zu werden. Etwas weniger Spektakuläres hatte es auch getan - z.B. Frankreich streicht sein Atomwaffenprogramm. Die Grande Nation zeigt Größe und läutet den Anfang von einem langersehnten Ende ein. Nur als Beispiel. Ihnen fällt Besseres ein? Schreiben Sie an: redaktion[at]misstilly.de oder hinterlassen Sie einen Kommentar. Wir werden die Welt oder Frankreich verändernden Vorschläge sammeln und geeignet auf MissTilly.de plakatieren.

 

Wer schon am Plakatieren ist, nennt sich Sozialdemokratische Partei Deutschlands. An dieser Stelle sei deutlich und unmissverständlich darauf hingewiesen, dass das "S" in SPD nun nicht mehr für Schmidt steht, mitnichten für Ulla Schmidt. Frank-Walter Steinmeier, SPD-Kanzler-Kandidat, hat sein Kompetenzteam zusammengestellt und der versammelten Presse vorgestellt. Früher hieß so etwas Schattenkabinett - aber bei den derzeitig verheerenden Umfrage-Werten müsste Herr Steinmeier die gleichen Fragen ertragen, wie sonst nur die FDP mit ihrem sonst ebenfalls aussichtslosen Kanzlerkandidaten. Wie gesagt, Ulla Schmidt durfte wieder in ihren Sommerurlaub zurückreisen oder wie die SPD- Führung hofft sonstwo hin, nur nicht zurück in die Bundespolitik. Dort soll sich die geballte Kompetenz der SPD-Bundespartei als würdiger Herausforderer der CDU erweisen. Die Quote stimmt (10 Frauen und 8 Männer), junges Blut ist auch dabei (35 Jahre ist die Sozialministerin aus MekPom) - aber irgendwas fehlt. Ist es der Mangel an Zuversicht an der Basis der Partei, etwas zu reißen bei der kommenden Bundestagswahl? Sind es die konfektionierten Wahlkampfthemen, mit denen sich das Kompetenzteam im Wahlkampf profilieren will? Die SPD scheint immer mehr zu einer Partei zu werden, die alle kennen und keiner mehr wählt.

 

Alarm, Alarm. Die Kinder bleiben aus. Als hoffentlich irgendwann bald werdender Großvater versteht der Autor dieser Zeilen die Verlautbarungen des Statistischen Bundesamtes als Weckruf nur zu gut. Vor allem Frauen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss tauchen in der Statistik überdurchschnittlich häufig als kinderlos auf. Frauen also, deren Karriereplanung offenbar ein oder zwei Kinder nicht zulässt. Da Frauen, biologisch gesehen, auf das Kindergebären festgelegt sind, tauchen Männer in den Statistiken über Kinderlosigkeit nur ausgesprochen marginal auf. Da ist mal die Rede von verheirateten und ledigen Frauen und deren Anteil an der Geburtenrate. Oder von der Vorstellung von Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit, die Frauen speziell in Deutschland pflegen. Nur, für die Lust am Kinder machen, Kinder bekommen und Kinder aufziehen sollten beide Geschlechter gewonnen werden. Die Voraussetzungen sind in  unserer Gesellschaft diesbezüglich noch etwas mangelhaft. Denn weder sind die Betreuungsangebote der Städte und Kommunen ausreichend finanziert noch finden die Kinder und ihre Eltern und ihre Großeltern in unserer Gesellschaft den ihnen zustehenden Platz. Solange die mächtigen und prominenten Frauen und Männer nur in ihren beruflichen, sportlichen oder politischen Erfolgen wahrgenommen werden, solange Mutterschaft und Vaterschaft als Auszeit vom pulsierenden Leben wahrgenommen wird, so lange werden Kinder in der Karriereplanung von Frauen wie Männern eine eher untergeordnete Rolle spielen.