War was?

:: Die Woche :: 24.10. - 30.10.2008

Haste ma ne Mark - Frauen an der Macht - Männer an den Wickeltisch - Rumble in the jungle

Wer hätte das gedacht: die Hände derjenigen, die durch den verfeinerten Umgang mit spitzem Bleistift und grazilen Sektgläsern ein eher behütetes Dasein in den Hosentaschen aus feinem italienischem Zwirn verbringen konnten, öffnen sich nun doch mühltellergroß bei der Ausgabe der Rettungsgeldpakete. Nicht bei allen im gleichen Umfang. Und spruchreif wird es erst am Freitag abend sein. Angesichts der vielen Hände aus den verschiedensten Richtungen drängt sich dem erstaunten Betrachter die Frage auf, ob nicht ein neues Geschäftsmodell dahinter zu vermuten ist. Die ausdifferenzierten Herangehensweisen - z.B. durch strikte Ablehnung jeden Hilfeangebots ("Die Deutsche Bank benötigt kein Kapital vom Staat.") auf der einen Seite und die umfangreiche Beteiligung an den klammsten Geldnehmern auf der anderen Seite oder die komplette Umstellung des Kerngeschäfts vom Autobauer zum Aktienbroker - verstärken diesen Eindruck. Wohin uns das führen wird? Nun, wenn MissTilly es weiss, sind Sie die Ersten, die es erfahren werden. Bis dahin sei Ihnen zum Ersten der Film von Erwin Wagenhofer empfohlen: "Let's make money."

 

Krisen sind immer die Chance für das Andere. Das war zu sehen bei Angela Merkel (nachdem der geborstene Fels in der Brandung der Landnahme bei der CDU Tür und Tor geöffnet hatte, stand sie als das einfache Mädchen vom Deich zu rechter Zeit an rechter Stelle). Ebenso bei Tzipi Livni, die einen Ministerpräsidenten beerbt, dessen politische Hinterlassenschaft dem berühmten Prozellanladen nach dem Besuch eines Dickhäuters gleicht. Inwieweit dies auf Ilse Aigner zutreffen wird, wird sich zeigen. Jung und ehrgeizig, unideologisch und kompromissfähig wird sie beschrieben. Mit wenig fachlicher Erfahrung im Ressort Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Egal. Wir hoffen das Beste.

 

Na, das ging ja runter wie Öl, Frau von der Leyen. 4 mal mehr Männer trauen sich ihre Erziehungs- und Betreuungsverantwortung wahrzunehmen - wegen des Elterngeldes. So steht es auch im Elterngeldbericht 2008, den das Bundesministerium für Familie am Mittwoch in Veröffentlichung gab. Der eine oder andere Schönheitsfehler in der Interpretation der dargebrachten Statistiken soll hier aber nicht unerwähnt bleiben. Leider waren zwei Drittel der Männer, die das Elterngeld in Anspruch genommen hatten bzw. beantragt haben, mit einem oder zwei Monaten zufrieden. Und im Gegensatz dazu nahmen 87 % der Frauen das Elterngeld für ganze 12 Monate. Das ist, mit Verlaub, im europäischen Vergleich der Besten der Besten der Besten eher mau. Versucht man, Gründe für dieses Ungleichgewicht zu erhalten, dann wird nur allzu häufig das liebe Geld als Ursache genannt. Liest man nun den Arbeitsbericht "Erfolgsfaktor Familie", dann wird tatsächlich gerechnet und bilanziert, wie erfolgreich Familien- unterstützung für Unternehmen sein können. Standortfaktor, Personalmarketing, betriebswirtschaftliche Rendite. Alles prima. Stellt sich nur die Frage, wieso das Familienministerium nicht gleich mit dem Wirtschaftministerium in ein Superministerium integriert wird. (Zynisch ließe sich auch sagen, dass der Produktionsfaktor Familie durch gezielte Forschung in der Medizin stärker den betrieblichen Bedürfnissen angepasst werden sollte.)

 

Kongo ist auf der Flucht. Kongo wird vergewaltigt. Kongo brennt. Kongo blutet aus. Kongo ist Afrika. Rumble in the jungle - das ist schon gar nicht mehr wahr.