War was?

:: Die Woche :: 25.01. - 31.01.2008

Abrücken von Koch – Italienisches Schlamassel - Kenia kurz vor dem Bürgerkrieg – Französische Société Générale Bank und der Zocker - Nach dem Streik ist vor dem Streit

Bei der Hessenwahl erhielt Roland Koch eine "brutalstmögliche Quittung" für seine Anti-Ausländer-Wahlrethorik. Dass diese Nummer nicht mehr zieht, haben jetzt die Wähler gezeigt und darauf können wir „richtig stolz sein." Nach dem Wahldebakel für die CDU rücken sogar seine Parteikollegen von ihm ab. Koch hat etwas von einer heißen Kartoffeln bekommen - man schiebt ihn hin und her. Hessen winkt ab und Berlin will ihn auch nicht. Manche in der CDU wagten gar einen offenen Brief, in der sie sich von Ausländerfeindlichkeit, die „zu schnelllebigen Wahlkampfthema degradiert“ wird, deutlich distanzierten - um dann schnellstmöglich wieder abzuwiegeln, damit sei doch gar nicht an Koch gemeint. Hier wurde doch nicht etwa zurückgepfiffen..? Für den Zickzackkurs im "politischen Gemischtwarenladen" CDU hagelt es nun querbeet Schelte.


Doch „quo vadis“ heisst es nun nicht nur für Koch, sondern vorrangig für das Land Hessen. Das wird ein mühsames Ringen um die Frage wer mit wem regieren wird. SPD und CDU im Patt und zu keiner Hochzeit bereit, sondieren nun ob die Ampel geht oder eher Jamaika. Und weil die Linkspartei nun im hessischen und niedersächsischen Landtag mitmischt, diskutieren wir erneut, ob wir nun nicht alle ein bisschen linker geworden sind. Dass auch Niedersachsen gewählt hatte, ging fast unter.


Mamma Mia! Es herrscht mal wieder schönstes Chaos in Italien: Die Mitte-Links-Regierung unter Ministerpräsident Prodi trat zurück, Oppositionsführer Berlusconi macht Druck und Staatspräsident Napolitano sperrt sich gegen Neuwahlen. Mitte-Rechts-Chef Berlusconi träumt schon vom Wahlsieg und droht mit einem Marsch auf Rom, wenn es nicht Neuwahlen gibt. Napolitano setzt lieber auf eine Übergangsregierung unter Franco Marini, der gleich mal wieder das Wahlrecht reformieren und für stabilere Verhältnisse sorgen soll. Wenn es denn nur nicht schon mehrmals versucht worden wäre. Die Leute versprechen sich davon wenig und von den Eskapaden der Politiker sind sie zunehmend angewidert.


Zuerst sah es in Kenia nach Unruhen wegen der umstrittene Wiederwahl des Präsidenten Mwai Kibaki im Dezember aus. Doch anscheinend steckt Tieferes dahinter. Alte Konflikte zwischen den beiden Stämmen der Luo und der Kikuyu brechen hier wieder auf, aber auch der Kalenjin und anderer Volksgruppen. Letztendlich geht es um die ungleiche Verteilung von Land und Wohlstand. Angeheizt durch die Ermordung zweier Oppositionspolitiker eskaliert die Gewalt nun. Die blutigen Stammeskämpfe forderten bereits Hunderte von Toten. Die UN warnt vor einer Katastrophe. Kofi Annan vermittelt und hofft auf eine schnelle Lösung.


Ein Milliardenskandal bei der Société Générale Bank in Paris und 'ne Menge offener Fragen. Die französische Großbank ist mit einem Verlust von 5 Mrd Euro schwer angeschlagen und nun Übernahmegerüchten ausgesetzt. Es war wie im Film: Der Investmentbanker Jérome Kerviel hat mit seinen 31 Jahren mal eben 48 Mrd Euro jongliert und das ging nun gehörig in die Hosen. Und keiner in der Bank will es gemerkt haben? Wohl doch. Ein Paradebeispiel für Gier? Wohl nicht – Kerviel hat keinen Cent für sich abgezweigt. Und schon wird er in manchen Kreisen als Popstar gefeiert oder als Bauernopfer bedauert. Wahrscheinlich ist es nur ein Fall von Realitätsverlust und übersteigertem Ehrgeiz. Und die Bank wurde ein Kandidat für den weißen Ritter – man ist in Paris für ein freundliches Kaufangebot zu haben. Sarkozy will darüber wachen, dass die Bank nicht "irgendeinem Räuber" in die Hände fällt.


Zehnmonatiges Ringen und Streiks über Streiks haben ein Ende. Könnte man meinen. Der Tarifvertrag zwischen Lokführern und Bahn AG steht, Mehdorn nörgelt zwar, aber wir können wieder unbeschwert Bahn fahren. Jetzt isses aber auch gut. Doch hoffentlich heisst es nicht, zu früh gefreut. Noch fehlen Unterschriften. Und die ihre will die Deutsche Bahn erst leisten, wenn sich die drei Bahn-Gewerkschaften auf einen Kooperationsvertrag einigen. Denn u.a.  zanken sich nun GDL, Transnet und GDBA, zu wem denn nun die 2.800 Rangierlokführer gehören.