War was?

:: Die Woche :: 25.09. - 01.10.2009

Schwarz-gelb ist die Haselnuss - Zum Rot-werden - I feel good - Mann nervt Frau

Das war doch mal eine Bundestagswahl: Die wohl bekannte Farbenlehre weicht mehr und mehr dem Farbkreis eines Johann Wolfgang Goethe. Und die selbst ernannten Volksparteien durften lernen, dass die Mitte der Gesellschaft ebenso viel oder besser ebenso wenig Platz in Anspruch nehmen kann wie der "Rest" links und rechts daneben. Die "kleinen" Parteien haben nicht mehr nur ein gewichtiges Wort mitzureden - sie reden zunehmend ungefragt und dann auch noch ohne Erlaubnis. Zwar sieht souverän anders aus, zumal Herr Westerwelle als Sieger der Wahl doch allen Grund hatte, schröder-like die lafontaineschen Sticheleien an sich abperlen zu lassen - aber egal. Der liebe Mann ist seit knapp 11 Jahren in der Opposition noch ein wenig ungelenk in seiner herrlich staatsmännischen Posse, äh Pose. Und schließlich hat Frau Merkel den freiheitlich liberalen Stier gleich bei seinen empfindlichen Hörnern gepackt, um das eine oder andere Wahlversprechen durch medienwirksames Schütteln ins Wanken zu bringen. Da sei es den Helden für Deutschland und unser Land verziehen, dass sie die Freude über das erzielte Wahlergebnis zum Taumeln bringt. Andere dagegen stehen fest auf dem Boden der Tatsachen - denn entweder haben sie diesen nicht verlassen (können). Oder sie sind auf demselben angekommen.

 

Apropos angekommen - vorausgesagt wurde es an dieser Stelle schon des öfteren. Herr Gabriel wird neuer Kanzlerkandidat der SPD. Denn nach dem Kandidaten für den Parteivorsitz sollte diese Kandidatur nur noch eine Frage medialer Fitness werden - und was steht einem kommenden Kanzlerkandidaten besser an als 4 Jahre Opposition und Wahlkampf ab der ersten Stunde, garniert mit einer relativ erfolgreichen Episode als Umweltminister. Ganz so ballastfrei werden die 4 Jahre natürlich an Siggi nicht vorübergehen - bedenken Sie nur den nörgelnden Wowi. Der wird zwar nächstes Jahr 60, aber wie wir seit Udo Jürgens wissen, fängt erst mit 66 Jahren die Party richtig an. Oder denken wir an den schwindelnden Chrischi. Wie gut oder schlecht vermittelbar der Wahlslogan "Wir machen alles anders - alles bleibt, wie es ist" ist, wird sich erst in den nächsten 2 Jahren zeigen - so lange sollten wir dem Modell der "großen" Koalition in Thüringen geben. Und nicht zuletzt - unser Thilo, der Zeigefinger. (Sein Spitzname rührt von seiner unangenehmen Eigenheit, in jede Wunde seinen Zeigefinger stecken zu müssen - und wenn es keine Wunde gibt, dann bohrt er halt, bis das Blut spritzt.) Positiv könnten wir auch formulieren: Uns' Siggi findet sich in der entschlüsselten und auf die modernen Zeiten übertragenen Heldensaga "Wie der Stahl gehärtet wurde" wieder - und wird ein würdiger Gegner für unsere Angie.

 

Uns geht's gut. Uns geht's gut. Sagen Sie es bitte jetzt noch 8 x und wenn es nicht geholfen hat, dann fangen Sie einfach wieder von vorn an. Das macht Spaß - und es hilft Ihnen zu glauben, was die Institute, Wirtschaftsverbände, Banken und Konzerne in den letzten Wochen und Monaten ständig predigen. Die Wirtschaftskrise ist überwunden, die große Depression bleibt uns erspart. Und die Ironie des Schicksals möchte es, dass das Ersparte, unser Erspartes, vom reißenden Strom staatlicher Zuwendungen und Bürgschaften mitgerissen wurde und wird. Die Staatsverschuldung hat astronomische Höhen angenommen - alles eine Frage der richtigen Interpretation. Der Finanzsektor und auch die Weltwirtschaft sprechen von einer moderaten Konjunktur. Vor allem die aufstrebenden Schwellenländer bringen die Börsen der Welt zum Schwingen. Ein Wermutstropfen bleibt - die positiven Effekte der in Tritt gekommenen Weltkonjunktur wird sich erst später in der Senkung der Arbeitslosenzahlen niederschlagen. Na ja, macht nichts. Schließlich geht es den Führungskräften endlich wieder besser.

 

Da hat doch offenbar jemand mal die richtigen Fragen gestellt: Was nervt Frau am Mann am meisten? Die Favoriten des Autors sind: Nummer 4 - Mann ist unordentlich und Nummer 7 - Mann hängt an hässlichen Kleidungstücken. Dagegen ist die Nummer 1 vollkommen übertrieben und bar jeglicher Geschlechtergerechtigkeit. Der Mann ist nicht wehleidig - der Mann ist anlehnungssbedürftig und mitteilsam. Denn welche Frau möchte schon ihren Mann im Sessel sitzen sehen und ein Ego-Aufbau-Programm für denselben gestalten, nur weil Mann eine Sinnkrise erlebt, wenn ihn der Schnupfen plagt? Realistisch gesehen, macht es durchaus Sinn, wenn Frau mehr über Mann wissen würde und natürlich vice versa. Ob allerdings Ratgeber á la Sky und Mirja Du Mont Leuchttürme im Dunkel der Geschlechterkommunikation sind: Wer weiß es? Möglicherweise ist Frau und Mann tatsächlich näher an jedem Klischee, dass uns geläufig ist.