War was?

:: Die Woche :: 25.09. - 02.10.2008

FKK (Finanzkrisenkaos) - Hosen runter (Bayernwahl) - Alternativer Nobelpreis für ein heißes Eisen - Frauen gegen Polygamie „light“ im Iran

Es ist soweit: Das Finanzkrisenchaos hat uns erreicht. Dabei schien man, wie oft in letzter Zeit, am Bodensatz erschütternder Nachrichten längst angekommen. Man stelle sich vor: Die Börsenmakler der Welt, die Spekulanten und Hasardeure der Geldmeere wandten ihr grimmiges Gesicht dem schneidenden Wind ernüchternder Prognosen entgegen – und dann dies: Das US-Repräsentantenhaus stimmt gegen einen von allen politischen Schwergewichten der US-Elite gut geredeten Rettungsplan von 700 Mrd. Dollar Volumen. Und fährt danach auch noch in den längst fälligen Kurzurlaub. Der Letzte macht das Licht aus. Und es wird noch besser: Die Hände der Europäer fummeln mittlerweile ebenso nervös am Tuch des Pokertisches wie zuvor die der Amerikaner, die gerade ihr Blatt geschmissen haben. Nachdem die Zahl der zu rettenden Banken bzw. Finanzinstitute nicht mehr an einer Hand abgezählt werden kann, spricht Nicolas von der Tafelrunde offen über einen europäischen Rettungsplan nach amerikanischem Vorbild. Wie sagte schon Gerhard Polt: „Eine Wirtschaft, die nicht geschmiert ist, die läuft doch heiß!“ Das heißt: Wenn wir die Wirtschaft jetzt nicht pudern, baden wir noch alle im Geld, weil „Ohne Geld wär die Armut gar nicht denkbar ...“

 

Immer wenn der FC Bayern München seine Auswärtsspiele in der Bundesliga absolviert, wird er mit dem hämisch gemeinten Sprechchor der gegnerischen Fangemeinde empfangen: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ Das soll Spaß machen und der Körperertüchtigung dienen. Na ja. Diese Sache ist jetzt definitiv Geschichte. Denn die Bayern haben gewählt. Und die Lederhosen sind nicht nur runter. Dieselben erscheinen als besonderer Jux am Fahnenzipfel auf der Zugspitze und im eisigen Wind der Realität zu wehen. Erst der Huber, Erwin. Niederbayer, übrigens. Dann der Beckstein, Günther. Franke, natürlich. Weg. Einfach so. Und der Doppel-Horst soll es richten. Guter Mann für viele Gelegenheiten. Ein Oberbayer obendrein. Einer mit Lebenserfahrung und allem Drum und Dran. Der wird auch auf die Nase fallen. Denn die Bayern haben die CSU abgewählt. Und solange die CSU für den kernigen Spruch von Gerhard Polt steht: „Wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten“, ist es egal, wer das Zepter in die Hand nehmen will.

 

Sexuelle Gewalt gegen Frauen als gezielt eingesetzte Kriegsstrategie ist immer noch ein Tabu – ein Thema, bei dem so oft die Augen verschlossen werden. Monika Hauser tut alles, damit sich das ändert und hat dafür den Alternativen Nobelpreis erhalten. Sie setzt sich seit 1992 ein und hilft missbrauchten traumatisierten Frauen, die in Kriegs- und Krisengebieten wie Bosnien, Afghanistan, Kongo systematisch vergewaltigt wurden und werden – und  Raum für ihre Erfahrungen, Betreuung und ärztliche Hilfe brauchen. „Ich möchte Alternativen schaffen in einer Welt, in der Männer Kriege entfachen, Milliarden versenken und mit dem Leben von Frauen und Kindern spielen“, sagt Monika Hauser, die übrigens Hilfsgelder der Caritas nicht annahm, weil die katholische Kirche Abtreibungen selbst nach Vergewaltigungen kategorisch ablehnt. Wer sich zutraut, von systematischer Vergewaltigung zu lesen, sei „As If I Am Not There“ von Slavenka Drakulic ans Herz gelegt. Starke Nerven sind Voraussetzung.

Fast hätte das neue „Gesetz zum Schutz der Familie“ im Iran manche Errungenschaft, die Frauen sich in der Vergangenheit hart erkämpften, wieder zunichte gemacht. Kurz sah es im Iran so aus, als gäbe es grünes Licht für Vielweiberei ohne jede Hürde. Doch die Proteste der Frauen wurden erhört und haben die Möglichkeit der Männer, mehrere Frauen zu haben, ohne die Zustimmung der ersten Frau einzuholen, ins Land der Träume verbannt. Polygamie ist dennoch iranischen Männern weiterhin erlaubt – bis zu vier Frauen dürfen's sein. Ohnehin ist die Arbeit der iranischen Menschenrechtsaktivistinnen noch lange nicht am Ziel. Die Frauenrechte im Iran haben eine abwechslungsvolle Entwicklung hinter sich, in der sich Rückschläge und Fortschritte gegenseitig ablösen. Vielleicht lässt das die Frauen dort besonders hartnäckig um ihre Rechte kämpfen. Wir werden sicher mehr hören.