War was?

:: Die Woche :: 26.02. - 04.03.2007

Chinesisches Börsengewitter macht den Westen nervös. Aufmarsch in Russland. Christian Klar vermasselt sich seine Haftlockerung. Autonomenschlacht in Kopenhagen und Hamburg. Kein Baby auf Krankenschein für Unverheiratete. Nicht glücklich mit dem Airbus-Deal. Die Telekom schwächelt. Bleibt zu Hause, fordern Klimaschützer. Jan Ullrichs Abschied.

Von: Bärbel Kerber, Foto: Joshua Lurie-Terrell @ stock.xchng

vom 05.03.07

Die Börsenkurse in China rutschen in den Keller. Weil die dortigen Kurse als künstlich aufgeblasen gelten, wartete alles auf die längst fällige Kurskorrektur nach unten. Jetzt ist es passiert und der Donnerhall war weltweit an allen Börsen bis nach Europa und USA zu spüren. Ein kleiner Vorgeschmack, wie stark die Finanzmärkte Asiens uns bereits beeinflussen? Ja und Nein: Manche Experten sagen, die Anleger im Westen warteten nach einer langen Hochphase einfach nur auf ein Verkaufssignal und nahmen Chinas Kurseinbruch als Ausrede.


Putin stoppt den „Marsch der Dissidenten“. Einige tausend Leute sind in einer von der Opposition organisierten Demonstration in St.Petersburg auf die Strasse gegangen und forderten „Russland ohne Putin“ und „Wir wollen Wahlen“. Die Großdemo in Russland wurde nach Putin-Manier gewaltsam aufgelöst. Beobachter der Szene werten die für russische Verhältnisse hohe Anzahl an Demonstranten als Zeichen für eine erstarktes Bewußtsein der Bürger, dass sie etwas ändern können.


Christian Klar riskiert ein dicke Lippe im Grußwort an die marxistische Rosa-Luxemburg-Tagung und bringt sich damit sehr wahrscheinlich um seine Hafterleichterung oder eine Begnadigung. Weil der Ex-RAFler von der Vollendung der „Niederlage der Pläne des Kapitals“ redet, ruft es nun noch lauter denn je durch die Republik „keine Gande ohne Reue“. Doch nicht alle sind empört. Antje Vollmer von den Grünen findet jetzt erst recht müsse man die - und zwar alle - Ex-RAF-Terroristen freilassen und einen Schlußstrich unter das Thema zu setzen. Jetzt geht es drunter und drüber und dann gibt es erstmal ein neues, zweites Gutachten.


Da haben die Autonomen mal wieder einen Grund gefunden, ordentlich Rabatz zu machen: In Kopenhagen gibt es Randale, weil ein lange Jahre besetztes Jugendhaus geräumt wird. In halb Europa – so z.B. auch in Hamburg - gibt es zusätzliche Autonomenschlägereien aus Sympathie. Die linke autonome Szene ist froh, endlich mal wieder was zu tun zu haben. Die Polizei nimmt in drei Tagen über 600 Leute fest. Jetzt ist wieder Ruhe.


Die Krankenkassen müssen nur solchen Paaren die künstliche Befruchtung (hälftig) bezahlen, die auch verheiratet sind. Eine solche Ungleichbehandlung verstößt nicht gegen unser Grundgesetz. Eindeutig grenzt damit das BVG die Bedeutung der Ehe gegenüber der unverheirateter Lebensgemeinschaften ab als eine Paarbeziehung, „in der die gegenseitige Solidarität nicht nur faktisch gelebt wird, solange es gefällt, sondern rechtlich eingefordert werden kann.“ Wer also nicht verheiratet ist, aber die Fortpflanzungsmedizin in Anspruch nimmt, um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, hat keinen Anspruch auf einen Krankenkassenzuschuß.


Der Airbus-Deal ist unter Dach und Fach, wird aber 3.700 Stellen in Deutschland kosten. Deshalb wird nun gestreikt. „Power 8“ nennen die Flugzeugbauer ihr Sanierungsprogramm, das noch für ordentlich Unruhe in Deutschland und Frankreich sorgen wird.


Die Telekom hat mächtig Probleme. Die deutschen Umsätze und Gewinne sind rückläufig. Denn die Kunden laufen davon. Schlechter Service, teure Preise – jeder Telekomkunde kann Lieder davon singen. Und dann ist noch die kostenfreie Internettelefonie immer stärker am Kommen. Das Resultat: Der Aktienkurs des Riesen geht in die Knie. Nach den neuen Spar- und Umbauplänen droht die Ausgliederung von 50.000 Arbeitsplätzen. Es gab bereits Protestkundgebungen.


Keine Woche ohne neue Klima-Hiobsbotschaften. Die letzte Meldung im aktuellsten UNO-Bericht heisst: Die Folgen des Klimawandels sind nicht aufhaltbar. Und es wird keine Region auf der Erde verschont bleiben. Die daraus abgeleiteten Forderungen der Politiker werden immer bizarrer: „Zu Hause bleiben in Deutschland“ mahnt Renate Künast und „Sylt statt Seychellen“ postuliert der Tourismusexperte Manfred Stock . Eine Ökoplakette für Autos verlangt Verkehrsminister Tiefensee - damit die Energieverschwender unter den Autos auch jedem sichtbar werden. Porsche-Chef Wiedeking bangt um das Image seiner Sportwagen und geht schon mal auf die Barrikaden: „Unsere Kunden sind keine Klimakiller“. Mit Einführung eines CO2-Grenzwertes von 130 Gramm sieht er gar einen „Sozialismus auf deutschen Strassen“ auf Deutschand zukommen.


Jetzt ist es amtlich: Jan Ullrich macht seiner Profikarriere ein Ende – bevor es andere tun. Erst gibt der Ex-Radler eine Pressekonferenz, dann folgt ein seichtes TV-Interview mit einem beleidigten Ullrich, das dann auch noch von dessen Rechtsanwälten nachträglich angefochten wird. Was haben wir mit „Ulle“gelitten und gejubelt. Doch ein starker Abgang sieht anders aus.