War was?

:: Die Woche :: 27.02. - 05.03.2009

Die Sache Steinbach - Wohin mit der Kohle - Frauen sind billiger - Deutsche Adlerinnen

Es hatte sich in den letzten Wochen schon angekündigt: Frau Steinbach wird so gar nicht gemocht. Zuallererst nicht von unserem polnischen Nachbarn. Und so nach und nach mag sie auch keiner mehr in der deutschen Politik (jedenfalls links von der konservativen, bürgerlichen Mitte). Was die Sache Steinbach so bemerkens- und erwähnenswert macht, sind zwei Dinge. Zuerst fällt die unnachgiebige Dickhäutigkeit der Kanzlerin auf. Wer hätte noch vor 8 oder 9 Jahren geglaubt, dass Angela Merkel beim deutschen Wähler ein Déjà-vu-Erlebnis erzeugen würde, welches aufs engste mit Helmut Kohl zusammenhängt. Die Macht des Aussitzens erlebt unter der jetzigen deutschen Kanzlerin eine Renaissance, wie sie nach den unglaublich langen 16 Jahren nicht mehr für möglich gehalten wurde. Erstaunlich ist, dass Angela Merkel in Bezug auf die kommende Bundestagswahl wohl keinen Schaden davontragen wird. Denn eigentlich haben  alle sie gelobt. Herr Tusk, die polnische Regierung und die polnische Presse. Na ja, fast alle. Aber, das wird sie schon aussitzen können.

Und zum Zweiten fragt sich der aufgeklärte Bürger: Wieso erhalten die Äußerungen Frau Steinbachs in der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr Beachtung? Wie im 21. Jahrhundert die Mär von der Diktatur und dem Kriege Hitlers mit feiner Feder wieder und wieder niedergeschrieben wird, ist bedrückend. Es war mitnichten der Krieg eines einzelnen, bösen Mannes. Es war der Krieg eines erheblichen Teils der deutschen Bevölkerung, die nicht alle bekennende Nationalsozialisten waren. Mit vollem Wissen und aller Konsequenz. Und somit hatten alle Deutschen doppelt zu leiden, zuerst im 2.Weltkrieg und dann in der Zeit der Vertreibung aus den von Deutschland besetzten Gebieten. Aber Deutschland hat massenhaft Hass und Rachegelüste gestreut, und Vertreibung, Enteignung und Mord im Nachhinein geerntet. Es ist diese Kausalität, die den Nachgeborenen das Bedenken der Zeit der nationalsozialistischen und der stalinistischen Diktatur so erschwert und ambivalent macht.

 

Opel, Hypo Real Estate, Conti. Das Geld scheint schneller zu fließen, als es die Bundesdruckerei ausliefern kann. Was nun aber, wenn sich Politik und Wirtschaftsweise, Gewerkschaften und auch Frau Kuschmelka geirrt haben? Wenn das Bermuda-Dreieck unserer Wirtschaftskraft mitten unter uns weilt und vergnügt-schmatzend alles doppelt so schnell verschlingt, wie es produziert und auf den Markt geworfen wird? Vielleicht gibt es doch einen ganz anderen Weg, fernab der ideologischen Zahnstocherei von Verstaatlichung und Selbstheilung des Marktes. "Global Green New Deal" oder kürzer "Green New Deal" ist ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma vorauseilender Zahlungsunfähigkeit. Eigentlich ist es ganz einfach: Die Politik besinnt sich wieder auf ihre eigentliche Kernkompetenz und gestaltet Strukturen, welche die Wirtschaft (vor allem die Finanzwirtschaft) in ihrem Bemühen um Prosperität der gesamten Gesellschaft mit ökologisch korrekten Inhalten füllt. Alles wird mit einem Schuss Nachhaltigkeit auf den Geschmack gebracht - und fertig ist eine Zukunft ohne Sorgen für alle. Schwierig ist, diesen Weg vernunftgesteuerter Askese den Leuten als verheißungsvollen aufzuoktroyieren. 

 

Sie wissen es. MissTilly weiß es. Alle Welt redet mindestens einmal im Jahr darüber: Frauen sind billiger. Vor allem deutsche Frauen. Aber Moment mal? Wieso führt diese Erkenntnis nicht auch in den Managementetagen zu Umstrukturierungen? Das leidige Thema der Kürzung von Managementgehältern wäre passé. Also - Frauen in die Vorstände und Aufsichtsräte. Die sind billiger und können's mit Sicherheit besser als die Testosteron-geleiteten männlichen Kollegen.

 

Haben Sie schon mal von Gian-Franco Kasper gehört? Der ist FIS-Präsident und war vor nicht allzu langer Zeit der festen Überzeugung, dass Skispringen für Frauen gesundheitsgefährdend ist. Frauen würden bei der Landung durch zu großen Druck einen Riss in der Gebärmutter riskieren. (Der Spruch bewegt sich auf dem gleichen Niveau wie der von Jenson Button über Autos und große Brüste.) Wie dem auch sei: Die Weltmeisterschaft im Skispringen der Frauen hat die Befürchtung Gian-Francos gründlich widerlegt. Die deutschen Skispringerinnen haben zudem bewiesen, dass die Schmidts und Uhrmanns zwar prima Werbeträger sind. Aber das reicht halt nicht beim sportlichen Wettkampf. Drücken wir den Frauen und uns die Daumen, dass der Schlankheitswahn der Männer an den Frauen dieses Mal vorübergeht.