War was?

:: Die Woche :: 27.03. - 02.04.2009

Berloduce - Klarer Schnitt an offener Wunde - Spatz in der Hand - Was heißt Multitasking bei Frauen?

Il Popolo della Liberta - wenn doch die italienische Politik ebenso lyrisch wäre wie die Namen der Parteien, die sich mangels genügender Mehrheiten für die bestehenden Parteien gründen. Leider kann die Lyrik in der Namensgebung nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass demokratische Kultur in Italien eher einer ganzjährigen Marktveranstaltung gleicht, bei der  die Politiker nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten, konkret werden. Die Müllberge in Neapel inklusive des alltäglichen, gänzlich entmenschlichten Mafiatums, die anschwellenden Immigrationwellen an den Küsten italienischer Urlaubsstrände, der ungebremste Staatsbankrott - das sind alles Fakten, wie sie zur steten Außenwahrnehmung Italiens zählen - all diese Tatsachen verleiten die italienische Politik eher zum rhetorischen Gemetzel denn zum konkreten Handeln. Und Silvio Berlusconi, der begnadete Entertainer sonniger Kreuzfahrten, Silvio B. bereitet den Schmelztiegel für seine Forza Italia und die Alleanza Nationale, eine Partei, die der NPD näher steht als der dem rechten Flügel der CSU. Und fordert auf den Bretter des Parteitages der neugegründeten Partei die längst fällige Stärkung des machtlosen Ministerpräsidentenamtes. Ein Ruck geht durch Europa - und wem es entgangen sein sollte: Europa wird zunehmend blind auf dem rechten Auge.

 

Avigdor Lieberman vorzuwerfen, er wäre auf dem rechten Auge blind, würde allen Gegebenheiten, die Lieberman auszeichnen, entgegenstehen. Politisch und physisch ist Lieberman in allerbester Verfassung. Seine Rede zur Amtseinführung wurde eher zum beredten Beweis, wie konsequent er seine rechtspopulistische, rassistische und mithin menschenverachtende Gesinnung umzusetzen gedenkt. Wer Frieden ernten will, muß den Boden mit Krieg pflügen. Punktum. Zugegebenermaßen war nichts anderes vom neuen Außenminister Israels zu erwarten. Wie auch nichts anderes zu erwarten war von Benjamin Netanjahu, dem neuen Ministerpräsidenten Israels. Denn Netanjahu hat noch nie ein Hehl daraus gemacht, dass eine Einigung mit den Palästinensern in seinen Augen keiner Kompromisslösung bedarf. Mit Lieberman hat er nun eine Art politischer Bulldogge, die im ersten öffentlichen Auftritt eben jene Bissigkeit an den Tag gelegt hatte, die Netanjahu wohl selbst so nie praktizieren würde. Die Frage, die sich der neue Ministerpräsident stellen sollte, ist: Kann er Lieberman schnell und rechtzeitig genug einen Maulkorb anlegen? Erste Umfragen beim israelischen Wählervolk sprechen da eine andere Sprache.

 

Wenn früher die eine oder andere sagte: Ich krieg' die Krise, dann war der Moment der Krise zumeist schon überwunden. Heute, da sich alle paar Tage ein großer Konzern, eine ganze Branche oder gar ein Staat mit diesem Ausspruch zu Worte meldet, zieht die Öffentlichkeit kaum noch die Augenbrauen hoch. Vielmehr versucht der Bürger, gekonnt auszuweichen, um nicht auch von dieser Art Krankheit betroffen zu werden. Vom vielen Wegducken und Ausweichen haben wir schon weiche Knie und Schmerzen in der Hüfte. Allerhöchste Zeit also, vom Londoner Gipfel aus der krisenschmerzgeschüttelten Menschheit etwas Erleichterung zu verschaffen. Doch ach: Es wurde wieder nur ein Spatz in der Hand. Wer vermutet hatte, dass eine Pressekonferenz eine klare Wende in der Handhabung der Finanzmärkte brächte, der durfte sich vom Ausgang arg enttäuscht fühlen. Die nationalen Interessen der 20 großen Volkswirtschaften sind einfach nicht so harmonisierbar, wie sie eigentlich global agieren. Liest man die Absichtserklärungen und Konjunkturprogramme der letzten Monate quer, zerbröseln Schlagworte wie Regulierung, Selbstheilung des Marktes, unabhängige Aufsicht unter dem Druck der Fakten zusehends. Und so ist die Devise der Stunde - talking loud, saying nothing. Weswegen jede Rede des Zupackens und der Zuversicht nur immer mehr misstrauische Blicke und missgünstige Zurufe erfahren wird.

 

Was heißt Multitasking bei Frauen? Oder anders gefragt: Welches Bild assoziieren Sie mit einer multitaskingfähigen Frau? Vielleicht bewaffnet mit einem hölzernen Kochlöffel, das Kind auf dem einen Arm, die aufzuhängende Wäsche unter dem anderen, an der Schulter den von der Arbeit heimgekehrten Ehemann, weinend zumeist ... ? Stellen Sie sich mal eine 29jährige Frau vor, die eben noch erfolgreich im Titelkampf für den schwedischen Einhockeyclub stürmte, nun als Torhüterin des FCR Duisburg im UEFA-Cup-Halbfinale den Kasten sauber hält und nebenher im Fernstudium an ihr bereits abgeschlossenes Germanistikstudium ein BWL-Studium anhängt. (Angela Merkel wirkt dagegen geradezu eindimensional in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin und Vorsitzende der CDU. Ganz zu schweigen von den ach so umtriebigen Managern und Weltpolitikern.) Kathrin Lehmann heißt diejenige welche. Hyperaktiv? Überintelligent? Alles Quatsch. So ist einfach Multitasking bei Frauen.