War was?

:: Die Woche :: 27.12.2008 - 01.01.2009

Was ist genug? – Kampf der Kulturen – Wetter, Verwandtschaft und Staatsoberhäupter – Super-Gedenkjahr 2009 und seine tollen Aussichten

Hatte Israel keine andere Wahl, weil die radikal-islamische Hamas das Land „bis aufs Blut gereizt“ hatte? Das ist die Frage, die alle beschäftigt, seit die Gewalt im Gaza-Streifen in den letzten Tagen eskaliert ist. Israel hat gegen den ehemals besetzten Küstenstreifen die größte Militäroperation seit dem Sechstagekrieg 1967 gestartet – und hofft, mit schweren Luftangriffen und nun vielleicht auch einer Bodenoffensive dem Terror von palästinensischer Seite endgültig den Boden zu entziehen. Zu diesem gehört auch der ständige Raketenbeschuss, den einige israelische Grenzorte seit Wochen erleben und der dort nicht nur Angst und Schrecken verbreitet, sondern überhaupt auch Gegengewalt provoziert. Man kann im Grunde also  verstehen, dass Israel es nun leid war, für die Waffenruhe im Nahen Osten sich allein zuständig zu fühlen. 

Ob aber der blutige Krieg, der nun tobt, eher Frieden bringen wird, ist eine ganz andere Frage. Kommentatoren mögen recht haben, wo sie warnen, dass man nicht zu schnell sich mitreißen lassen darf: von den Bildern des Leids, das palästinensische Zivilisten gerade im Bombenhagel erfahren. Der Hamas passen sogar diese Bilder ins politische Kalkül, ist ihr doch ohnehin jedes Mittel recht, gegen Israel Stimmung zu machen und Unmut zu schüren, vor allem in der arabischen Welt, aber nicht nur dort. Muss man deshalb aber Israel gleich freisprechen – von einer Mitschuld an der jetzigen Eskalation? Bestimmt nicht, schließlich hat dieser Krieg eine lange Vorgeschichte. Und in dieser gab es auch eine Zeit, in der die radikalen Islamisten von heute den Besatzern von einst sogar mal recht willkommen waren, als Gegengewicht zu einer antiisraelischen PLO, die man politisch um jeden Preis so klein wie möglich halten wollte. „Genug ist genug“, so lauteten die Worte, mit denen Außenministerin Tzipi Livni die israelische Offensive nun begründete – aber genug ist eben nicht genug. Nicht in einem Kampf um Frieden, für den es viel mehr braucht.

Samuel Huntington ist tot. Der amerikanische Politikwissenschaftler schrieb das Buch „Kampf der Kulturen“, das international große Beachtung fand. Denn mit „Clash of Civilisations“ – so der englische Originaltitel – versuchte der Wissenschaftler den Blick auf die ganz neuen Konflikte zu lenken, von denen er glaubte, sie würden unsere Welt zukünftig prägen: eine Welt, die beim Erscheinen des Buches (erstmals im Jahr 1993) zwar gerade den Kalten Krieg hinter sich gelassen hatte, aber nach Meinung des langjährigen Harvard-Professors dennoch reich an Sprengstoff sein würde – durch den Zusammenprall von verschiedenen Kulturen und Religionen, die im Zuge der Globalisierung immer heftiger aneinander gerieten. Am 24. Dezember 2008 starb Samuel Huntington, der 81 Jahre alt wurde. Seine Thesen sind zwar nicht unumstritten, in die politische Debatte unserer Zeit schlugen sie aber dennoch unüberhörbar ein

 

„Wetter, Verwandtschaft und Staatsoberhäupter hat man nun mal. Deshalb muss man mit ihnen leben“, sagte der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg einmal. Dabei hatte er Vaclav Klaus im Blick, den Staatspräsidenten Tschechiens, an das gerade mit dem Jahreswechsel die Ratspräsidentschaft der EU übergeben wurde. Nicht nur in Brüssel blickt man nun mit einiger Besorgnis auf diese „Probe aufs Exempel“ – denn Vaclav Klaus als gilt ausgesprochener EU-Kritiker und unsicherer Kantonist, was die Bewältigung der gerade anstehenden Probleme angeht: Wirtschaft- und Finanzkrise, der Krieg im Nahen Osten, und nun auch noch der Gasstreit, der über Neujahr zwischen Russland und der Ukraine noch einmal eskalierte. Hat Tschechien das Zeug – und das nötige diplomatische Geschick –, hier überzeugend und mit europäischem Gemeinsinn aufzutreten? 

Und nun sind wir also schon mitten drin … in dem Neuen Jahr, das hier und da in den Medien schon als „Super-Gedenkjahr 2009“ mit tollen Aussichten gefeiert wird. Na dann, auf geht's!