War was?

:: Die Woche :: 28.08. - 04.09.2008

Münte is back – Palin kämpft – Google kontert – Özdemir kurz vor dem Ziel – Kahn winkt

Das Jubeln der Genossen zeigte überdeutlich, was die Basis denkt - Franz Müntefering ist einer der letzten „massentauglichen Spitzensozis“, der nicht mit Verbalattacken sparte, als er Huber und Beckstein in bester Brauhaus-Manier als Waschlappen bezeichnete. Mindestens so sehr wie eine Wahlkampfrede mit Verve war das Ganze auch ein „Weckruf“ an die SPD. Welche Zukunft Münte für sein politisches Comeback sieht, lässt er diskret im Dunkeln. Ebenso nebulös geben sich Beck und Steinmeier in der K-Frage. Doch der übliche Mix an Hick-Hack und Spekulationen um den künftigen Kanzlerkandidaten ist nicht nur langweilig, sondern auch gefährlich.

 

Fast als Schuß nach hinten entwickelte sich jüngst McCains zuerst hochgejubelter Schachzug, die „Hockey-Mum“ Sarah Palin zur potentiellen Vize zu krönen. Jetzt, wo ihre schwangere 17-jährige Tochter und seltsam anmutende religiöse Argumente für Schlagzeilen in allen Klatschblättern und ironische Bemerkungen der Demokraten sorgten, wünschte sich mancher Anhänger der Republikaner, man hätte vorher besser hingeschaut. Doch offensichtlich hat Palin beim Parteitag trotz Gegenwind erstmal wieder gepunktet.

Big Google startet den nächsten Coup mit seinem Internet-Browser „Chrome“ und versteht es bereits mit der Betaversion, hohe Wellen zu schlagen. Die Anfangseuphorie ist groß, doch der Teufel sitzt auch hier im Kleingedruckten. Umstrittene Nutzungsbedingungen sorgten bereits für Unruhe ebenso wie die mögliche Erfassung des Surfverhaltens. Soll heißen: Die Technik-Tester sind angetan – abgesehen von den Sicherheitslücken und Datenschutzbedenken. Nun, Microsoft & Co. sind damit vorgewarnt. Die User nicht minder.

 

Es wird keinen Kampf um den Grünen-Vorsitz geben. Denn Mit-Kandidat Volker Ratzmann, der bald Vater wird, macht den Weg frei für den „anatolischen Schwaben“. Somit gilt schon so gut wie sicher, dass Cem Özdemir die Nachfolge von Bütikofer antreten wird und mit Claudia Roth im Doppelpack die Zukunft der Grünen lenkt – die Partei, in der momentan die „Mitte der Mitte“ verankert scheint.

Time to say Goodbye“ kann auch schon kaum noch einer hören. Aber einmal ging noch: Denn „er“ feierte seinen Abschied. Und manchem kamen fast die Tränen. Oli Kahns Abgang war in mehrfacher Hinsicht ein gigantischer wie emotionaler. Und was macht er jetzt? Keine Sorge. Die Mutation vom Titan zum Wellaflex-Man ist nur eine laue Nebenbeschäftigung zur künftigen Aufgabe als TV-Bundestrainer an Kerners Seite.