War was?

:: Die Woche :: 28.11. - 05.12.2008

Hoh, hoh, hoh, hier kommt die schwäbische Weihnachtshausfrau - Da schau her, der Frank-Walter - Neue Erfolgszahlen aus der Wirtschaft - Goliath und Goliath und zwischendrin Frau Rice

Der Wahlkampf wirft in Deutschland mittlerweile solch lange Schatten, dass die alltägliche Politik schon mal unter die Räder kommen kann. So geschehen beim Parteitag der CDU in Stuttgart. Erhofften sich Aussenstehende noch klärende Worte und Bekenntnisse zu klarem Aktionismus, wurden sie spätestens nach der rhetorisch brillianten Rede der Kanzlerin in ihrer Enttäuschung allein gelassen. Ähnlich einem Boxkampf pendelte sie die frontalen Angriffe ihrer inner- und außerparteilichen Kontrahenten aus, um dann im Konter den ein oder anderen technisch sauberen Treffer zu landen. Dabei ist doch Weihnachts- und somit auch Geschenkezeit. Pendlerpauschale, Einkaufsgutscheine, Steuersenkungen - alles mundgerechte Päckchen, die nur darauf warteten, an die wartende Masse verschenkt zu werden. Aber nein, Angie war wieder mal Angela, rechtschaffend und sparsam. "Nationale Lösungen" wären der Weisheit letzter Schluss. Das hallte in einem merkwürdigen Echo durch den Saal, wie auch das Ergebnis der Abstimmung, die Deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, zeigte.

 

Währenddessen tourt der härteste Konkurrent von Angela Merkel durch die brandenburgischen Lande und den Rest der Welt, um sich als Wahlkämpfer zu profilieren. Und um schon mal modellhaft aufzuzeigen, wie er Deutschland aus der weltweiten Wirtschaftskrise führen will. Das geht ganz einfach. Zuerst sucht man sich einen Wahlkreis, der nah genug an Berlin liegt, aber weit genug in der Pampa. Dann versichert man sich, dass an Ort und Stelle auch noch ordentlich was zu wuppen ist, mit angemessenem Aufwand versteht sich. Wenn alles vorbereitet ist, werden ansprechende Investitionsprojekte identifiziert und für den eigenen Wahlkreis erschlossen. Und nicht zu vergessen: immer wieder Vitamin B an die Suppe geben. Sonst verliert die schnell an Geschmack. Für die einen ist es eine Provinzposse, für die anderen der Wahlkampf 2009 des Frank-Walter Steinmeier.

 

Die Finanzkrise würgt alle. Die Kurse fallen und die Unternehmen verlieren stetig an Wert. Da müssen Erfolgsmeldungen her. Früher waren es die Bilanzen mit exorbitanten Gewinnen, welche die Kurse steigen ließen. Heute scheinen es die Zahl der Entlassungen zu sein, die das Vertrauen in ein Unternehmen und seine Wirtschaftlichkeit wieder herstellen. Ist der Fakt als solcher ein Indiz für die Hemmungslosigkeit des Pragmatismus, die allgemein in den Reihen der Befürworter freien Wirtschaftens vorherrscht, ist es auch ein Ausweis für das Dilemma, in welchem die Gesellschaft zu stecken scheint: Wird den Unternehmen bzw. ganzen Wirtschaftszweigen ein ums andere Mal das Rettungspaketchen neu geschnürt, zahlen die Steuerzahler. Und so geht es denen bald um an die nackte Existenz. Egal, wie dick die Sparguthaben und Rücklagen sind. Egal, wie umfassend die Altersvorsorge. Und die Konjunkturgutscheine - lasst sie stecken. Das Volk braucht keine Spiele, das Volk braucht Brot.

 

Als der Schreiber dieser Zeilen letztens den Freund seines Sohnes fragte, was er sich denn wünschen würde, grinste er und sagte: als erstes wünsche ich mir Frieden für die ganze Welt. Leider kann der Freund meines Sohnes kein Urdu oder Hindu. Wahrscheinlich würde ohnehin keiner der Vertreter der beiden Länder von Indien und Pakistan auch nur den Anschein erwecken, er hätte zugehört. Wie zwei halbstarke Riesen stehen sich die beiden Länder gegenüber, treten den Boden vor ihren Füßen platt, um einen besseren Stand im kommenden Gemetzel zu erhalten. Dabei gab es schon ein Gemetzel. Nur wenige Tage zuvor schien die Erde still zu stehen. Wenn das Leben wehrloser Menschen nicht einmal einen Atemzug wert zu sein scheint, versagen alle Worte. Doch jetzt muss wieder geredet werden. Die Ironie der Geschichte möchte, dass die, die das waffenstrotzende Handeln jahrelang jedem Reden vorzogen, nun die Vermittler im Konflikt der beiden Goliaths sein sollen. Wünschen wir Condoleezza Rice vielleicht und gerade deshalb bestes Gelingen.