War was?

:: Die Woche :: 29.02. - 06.03.2008

Putins Nachfolger – Clintons Schachzug – Steinmeiers Zukunft – Porsches Deal – Kolumbiens Affront – ver.di's Streik

Russland wählt Putins Kronprinz: Dmitri Medwedew hat haushoch und wie erwartet die Präsidentschaftswahlen in Russland gewonnen. Das Ganze ist weder überraschend, noch frei oder fair vor sich gegangen. Das sagen nicht zuletzt die Wahlbeobachter des Europarates. Demokratische Wahlen gehen anders. Die Opposition spricht von einer Farce. Dennoch wird quer durch Europa munter Putins Nachfolger gratuliert - auch Merkel reiht sich ein.


Es war quasi ein „kleiner“ Super-Dienstag in den USA als es im Duell Clinton gegen Obama in den wichtigen Staaten Ohio und Texas um ganz entscheidende Stimmen ging. Gewonnen hatte beide Male Hillary Clinton und sich dadurch wieder in Position gebracht. Und nun? Bietet sie sich mit Barack Obama im Doppelpack an. Er solle doch einfach Vizepräsident unter ihr werden, so ihr Vorschlag. Ein durchdachter Schachzug. Hillary's Botschaft „Wer mich wählt, bekommt ihn gleich mit“, wird es evt. vielen Zögerern leichter machen, sie zu wählen.


Fast ähnlich wie bei den Demokraten in den USA hat die SPD bei uns nun auch bald das Problem zweier Kandidaten. Steinmeier wird bei der SPD unterm Tresen als Geheimkandidat gehandelt für die Kanzlerwahl 2009. Viele fragen sich: „Kann der das?“. Er selbst dementiert energisch – was sollte er auch anderes tun. Zumindest könnte er die Glaubwürdigkeitslücke in der SPD schließen, die Beck aufgemacht hat. Allerdings gibt es viele (SPD-) Antworten auf die Frage „wer will nächster Kanzler werden?“. Beck scheint zumindest in Augen der Wahlforscher schon außen vor zu sein.


Porsche kauft VW, oder um korrekter zu sein, übernimmt dort die Mehrheit. Natürlich steckt Piech dahinter. Der Österreicher ist erstens „der wandelnde Interessenkonflikt“ und zweitens am Ziel. Wächst hier zusammen, was zusammen gehört? Oder ist es eher die alte Mär von den (sich selten erfüllenden) Synergieeffekten? Nun, gegen die bereits aufkeimende Angst, einem solchen Zusammenschluß fielen Arbeitsplätze zum Opfer, werden schon fleissig Anzeigen geschaltet, die beteuern, dass alles irgendwie beim Alten bliebe. Und wie ernst es Ferdinand Piech mit seinem Handschlag darauf ist, auf Sparpotenziale verzichten zu wollen, bleibt abzuwarten.


Kolumbien isoliert sich in Südamerika, denn deren Militäroperation auf ecuadorianischem Gebiet hat ganz Lateinamerika in Aufruhr gebracht. Die kolumbianische Armee griff ein Lager der Guerillaorganisation Farc an und tötete dabei Rebellenvize Raúl Reyes. Nun haben Venezuela und Ecuador nicht nur die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen, sondern mobilisierien bereits ihre Truppen.


Streik hier, Streik dort. Flughäfen, Kindergärten, Schulen, Busse, Müllabfuhr, etc. etc. Wenn der öffentliche Dienst streikt, spüren das alle. Ver.di macht nun ordentlich Druck, weil der Staat in Augen der Gewerkschafter seinen Leuten schon lange Zeit zu wenig bezahlt. Und ver.di weiß, dass es richtig weh tut, wenn ihre Mitglieder die Arbeit niederlegen. Leider nur, trifft es hier oft die Falschen. Denn die Bürger müssen es ausbaden. Doch die haben trotz der Nervenproben (noch) Verständnis für die Streikenden, die endlich fordern: „Mehr zahlen, bitte!“. Bald haben wir italienische Verhältnisse, nur ohne das schöne Wetter, so hörte ich dieser Tage jemand sagen.