War was?

:: Die Woche :: 29.05. - 03.06.2007

Schäuble hat die große Koalition satt. Gipfelkrawalle und Eskalation in Rostock. Brown holt die britischen Truppen aus dem Irak. Venezuelas unbequemes Fernsehen wird einfach ausgeschaltet. Castro lebt. Hilbig ist tot. Und Seehofer rutscht im Dreck aus.

Die letzte Wahl ist noch nicht sehr lange her und 2009 noch weit. Doch schon jetzt sieht Wolfgang Schäuble die große Koalition als Auslaufmodell. Der Bundesinnenminister hat keine Lust auf eine mögliche Fortsetzung der rot-schwarzen Zusammenarbeit. Er setzt vielmehr auf die FDP. Tatsache ist: Es gibt kaum Themen, in denen SPD und CDU/CSU noch einen gemeinsamen Nenner finden. Deshalb sieht auch keiner die Notwendigkeit für eine „Paartherapie“. Und so bereitet man jetzt schon die Trennung vor. Schäuble ist der Erste, der es auszusprechen wagt.


Der G8-Gipfel hat noch nicht begonnen, doch die Ausschreitungen und Krawalle sind schon schlimmer als befürchtet. Es zeigten sich die zwei Gesichter des Protestes: 1.000 Verletzte gab es in Rostock, wo anfangs noch friedliche Anti-Globalisierungs-Demos begannen. Dann traf der „schwarze Block“ der Autonomen auf naive Demonstranten und überraschte Polizei. Auch singen half da nicht viel auf einem zum „Polit-Kunstevent“ zweckentfremdeten Aufruf an die G8, Armutsbekämpfung und Klimaschutz endlich ernsthaft anzugehen. Hilflose (Wir sind) Helden versuchten mit ihren Promi-Kollegen vergebens aus Rostock eine Art Woodstock zu machen. Am Ende war nur noch Kontrollverlust. Und hungrige Globalisierungsgegner, die zu McDonalds essen gingen. Die Lehren, die nun jeder daraus zieht, sind ganz unterschiedlich: Manche sähen nun am liebsten das Demonstrationsrecht eingestampft. Daneben bleiben Zweifel an dem Nutzen eines teuren und gleichzeitig eskalierenden Supergipfels. Ob die alte G8 in ihrer Zusammensetzung bleiben soll oder nicht eine neue Struktur braucht, um ernsthaft etwas bewegen zu können – diese Frage muss gestellt werden.


Let's get the hell out of here, scheint Gordon Brown zu denken angesichts der Verluste, Entführungen und Kritik an der britischen Beteiligung im Irakkrieg. Der künftige Premierminister hat schon konkrete Pläne für einen vollständigen Abzug der britischen Armee aus dem Irak. In einem Jahr sind alle weg. Gleichzeitig werden mehr denn je Zivilisten im Irak getötet.


Er wollte die Pressefreiheit einschränken. Venezuelas Präsident Hugo Chávez lässt den oppositionellen TV-Sender „Radio Caracas Television“ (RCTV) abschalten. Und hat die Rechnung ohne das Internet gemacht. Auf YouTube werden nun die Nachrichtensendungen von RCTV munter gezeigt. Chávez fuchtelt und droht jetzt der Oberschicht.


Totgesagte leben länger? Viele hatten ihn schon abgeschrieben. Nun taucht er wieder auf – gesund und munter lacht er in die Fernsehkameras: Fidel Castro. Ob er die Staatsgeschäfte Kubas wieder von seinem Bruder Raul übernehmen will, darüber schweigt er sich noch aus.


Wolfgang Hilbig ist gestorben. Der mehrfach Preisgekrönte wurde von manchen als großer Dichter „im Schiller'schen Sinne“ gesehen - „besessen, zerrissen und abgeschottet vom Literaturbetrieb“. Etiketten gibt es genügend für ihn: „Arbeiterdichter“, „DDR-Autor“, „sprachmächtigster“ deutscher Schriftsteller. Nur, greifbarer wurde er dadurch nicht. Da hilft wohl nur Lesen.


Horst Seehofer hat sich selbst ein Bein gestellt. In der Schlammschlacht um seine Frauen und sein Privatleben heizt er nun selbst noch ein, indem er droht, sein „Wissen über andere“ auszuplaudern. Nun reden sie schon über seinen möglichen Nachfolger. CSU-Vorsitzender dürfte er auch wohl kaum noch werden. Rache war noch nie ein guter Ratgeber.