War was?

:: Die Woche :: 29.05. - 04.06.2009

Ich bin dann mal Opel - Ich bin Schotte - Ich weiss auch nicht - Ich bin Sport

Im 20.Jubiläumsjahr des Mauerfalls scheint sich die Geschichte als läppische Farce zu wiederholen. "Wir sind Opel," schrieben sich die Betriebsräte der Opelianer auf ihr T-Shirt. Das erinnert stark an "Wir sind das Volk.". Nicht wenige erinnern sich an den Lauf der Geschichte und an die Metamorphosen dieser plebiszitären Sentenz - "Wir sind, was folgt," hieß es da irgendwann einmal. Und jetzt eben: Wir sind Opel. Nun könnte man verschämt die Seite wechseln. Aber offenbar lohnt es sich, Opel zu sein. Frank und Angie und Peer, die zücken mit ruhiger Hand unser Portemonnaie und legen unsere schlanken 1,5 Mrd. Euro auf den Glastisch der Verhandlungen. Für uns, für Opel. Stimmt so, Rest könn'se behalten. Arcandor hat's gesehen und sammelt Unterschriften (wahrscheinlich steht da im Kleingedruckten: WIR SIND OPEL). Und der einfache, dem königlichen "wir" durchaus nicht abgeneigte Bürger? Der möchte sich auch gerne Geld vom Vater Staat zu Gute kommen lassen. Apropos zu Gut(t)e und die Geschichte wiederholt sich - Friedrich Merz genoss im Beginn seiner bundespolitischen Karriere auch den Nimbus des unbestechlichen und geradlinigen Das-ist-die-Wahrheit-Verkünders. Dass zu Guttenberg sich gegen die ordnungspolitisch, wirtschaftlich, ökologisch und sozial grandios falsche Lösung im Fall Opel aussprach und auch dagegen stemmte, war wohltuend und ein klein wenig spektakulär. Aber all jene, die Opel sind oder sein wollen, werden ihm das noch in der übernächsten Legislaturperiode übel nehmen. Ähnlich wie dem Wirtschaftsliberalen Friedrich Merz die Bierdeckelsteuer übel genommen wurde und wird.

 

Kennen Sie die Schotten? Den Typ bärbeißiger, zotteliger Hochlandbauer? Wenn nicht -  Mister Gordon Brown scheint diesem Klischee, mit einigen, geringfügigen, rein äußerlichen Änderungen, ausnehmend gut zu entsprechen. Stoisch, vor allem aber nicht sehr gesprächig, wickelt der ehemalige Finanzminister und jetzige Premier Großbritanniens seine Regierungsgeschäfte ab. In Zeiten finanzieller Unwägbarkeiten und Turbulenzen sollte ihm diese Charaktereigenschaft einen gewissen Vorteil verschaffen. Wären da nicht einige erklärungsbedürftige Geschäfte, die so wenig mit dem Regieren und so offensichtlich viel mit persönlicher Vorteilnahme zu tun haben. Und wären da nicht die lieben Kabinettskollegen, die entweder mit sanftem bis erheblichem Druck oder aber Hals-über-Kopf wegen ebendieser Geschäfte den britischen Kabinettstisch verlassen haben. Die Skandale um phantasievoll deklarierten Ausgaben der britischen Parlamentarier, die nunmehr durch den Staat (des Bürgers Geldbörse) zurückerstattet werden müssen, erschüttern nicht nur die Glaubwürdigkeit der gewählten Repräsentanten. Sie lassen die Bemühungen der britischen Regierung, der Finanzwirtschaft und der Industrie Hilfen, gleich welcher Art, angedeihen zu lassen, als lästiges, aber akzeptiertes Nebengeschäft der derzeitigen politischen Elite erscheinen. Quasi ein Termin zwischen Lunch und Dinner. Aber ohne Tee, bitteschön.

 

Die SDU oder war es die CPD - können Sie sich noch daran erinnern, als die eine Seite der demokratischen Medaille jenen hemdsärmeligen, schweißnassen Charme von ehrlichen Arbeit und ehrlichem Lohn verströmte und die andere Seite der Medaille kultivierte Wertbeständigkeit mit einem Schuss kleinbürgerlichem Selbstverständnis verkörperte? Und am geriffelten und mit Sternen geprägten Rand sich die restlichen 10 Prozent gesellschaftlicher Meinungen und Bedürfnisse wiederzufinden schienen? Die Zeiten ändern sich. Verschwindet die SPD im Bermudadreieck eigener Bedeutungslosigkeit, so wandelt die CDU in einem Jammertal. Sicherlich: Mit der Kanzlerin hat die CDU eine Führungspersönlichkeit, die mit ihrer wissenschaftlich nüchternen Ansprache auch noch den letzten emotionalen Funken aus der aufgeheizten Atmosphäre der Konfrontationen zum Erlöschen bringt. Nur helfen über die Zeit geduldigen Ausharrens (auf bessere Zeiten) eher der Glaube als die rationale Gewissheit hinweg. Und die neuen Seiten der Medaille? Die einen packt der gelbe Größenwahn, die anderen die rote Wut. Und die dritten? Es heißt zwar, Grün ist die Farbe der Hoffnung - aber auch die Hoffnung sollte in ihren Vorhaben und ihrem Vorgehen unbestechlich sein.

 

Da gibt es die einen, die machen Sport. Durch Transfersummen, durch Dopingsünden, durch gesellschaftlich tolerierte Selbstüberschätzung, durch ein Treffen im Park oder ein Treffen an intimeren Plätzen. Und dann gibt es die, die sind der Sport. Lassen wir mal die Sportmacher für die intimeren Plätze aussen vor - die Inkarnationen des Sports als Institution als quasi Behälter wirtschaftlicher Interessen und gesellschaftlicher Befindlichkeiten sind die wirklich interessanten Objekte informativer Wißbegierde. Über den Pharao des Handballsports zum Beispiel lassen sich seit dem Skandal um das grob manipulierte Qualifikationsspiel zwischen Südkorea und Kuwait so viele absonderliche Unstimmigkeiten erzählen, dass sich ernsthaft die Frage stellt, ob Herr Moustafa aus rein therapeutischen Gründen noch sein Unwesen in der IHF treiben darf. Besonders ärgerlich ist es, dass der deutsche Präsident Herr Strombach quasi brav den Steigbügelhalter für den sehr locker sitzenden Präsidenten mimt. Gleiches gilt für den Verband des gepflegten Rasenballspiels mit Spitzenmodellen wie dem Total90 oder dem TRX FG. Dass Herr Blatter inspiriert und phantasievoll Regeln des Straßenverkehrs und des Umgangs miteinander interpretiert, mag in den Geschichtsbüchern der Sekundarstufe 2 im Jahre 2067 vielleicht ein mitleidiges Schmunzeln provozieren. Dass es aber weder der DFB noch seine Galionsfiguren (Herr Beckenbauer; Herr Zwanziger) vermögen, diesem Unfug Einhalt zu gebieten, lässt das Selbstbild der Deutschen auf die lustigen Werbefiguren des nicht-blöden Elektronikmarktes zusammenschrumpfen. Empfehlung der Redaktion für die sportbegeisterte Mitbürger: schaffen Sie alle Voraussetzungen dafür, dass Sie Ihrem Nachwuchs im noch doping-, werbe-, transfersummen- und machtlosen Kitasport zujubeln können.