War was?

:: Die Woche :: 29.08. - 06.09.2007

Schäubles Triumph - Becks Aufbäumen – Ackermanns Doppelrolle - Schmidts Pflegezeit - Bushs Irakpläne - Pavarottis Vermächtnis

Wolfgang Schäuble genießt still seinen Erfolg. Durch die Festnahme dreier Verdächtiger konnten mehrere in Deutschland geplante massive Bombenanschläge vereitelt werden. Und das „garantiert ohne Online-Untersuchungen“. Vor ein paar Tagen erst gab es noch Schimpf und Häme für den Innenminister und seine deplazierte Lockerung des Waffenrechts, die er rasch wieder zurückpfiff. Nun kann sich Schäuble in einem großen Erfolg sonnen. Dass nun die Diskussion um Sinn, Unsinn und Wirkung von Online-Untersuchungen neu aufgeheizt wird, nimmt man im Innenministerium freudig als Effekt mit. Das Dramatisieren übernehmen die Warner und Rechthaber, die sich nach vereitelten Katastrophen stets zu Wort melden. Die Ereignisse arbeiten für Schäuble, der nun ein Bild der Gelassenheit abgeben kann.


Kurt Beck hingegen platzt der Kragen und verschafft sich mit deutlichen Worten erstmal wieder Respekt. Als die Genossen innerhalb der SPD das Streiten nicht sein lassen konnten, war dann „Schluss mit Bussi-Bär“. Der SPD-Frontmann schimpft lautstark gegen die Stänkereien von der Hinterbank , „So'n Scheiß“ lasse er sich nicht bieten und wehrt sich damit auch gegen die verdeckten Machtansprüche von Außenminister Steinmeier und Vizekanzler Franz Müntefering. Trotzdem: Weil ihm alle nur breit grinsend beipflichten, ist fraglich, ob Beck so tatsächlich seinen Führungsanspruch zurückerobern kann.


Retter oder Brandstifter? Mal wieder steht Josef Ackermann im Zentrum der Kritik: Er war es, der die Bankenaufsicht auf die durch riskante Hypohekenkredite entstandenen Probleme der IKB Deutsche Industriebank aufmerksam machte – was dann zu einer milliardenschweren Rettungsaktion führte. Doch kam jetzt heraus, dass die Deutsche Bank kräftig daran mitverdient hatte, als sie der IKB genau diese riskanten Kredite vermittelte. Nun muss sich Ackermann dem Vorwurf stellen, er trage Mitschuld am Beinahezusammenbruch der IKB. Sauer ist der darüber und weist dreist auf die Zufriedenheit seiner Kunden, die sich nie über die eingefahrenen Gewinne beschwert hätten. Ohnehin kann Ackermann die Sache reichlich egal sein. Als Überbringer guter Nachrichten wird er gerade an der Börse gefeiert.


Weil es um die Pflege alter Menschen schlecht bestellt ist, hat sich Ulla Schmidt nun die „Pflegezeit“ ausgedacht - und hofft, dass dadurch die Pflege Angehöriger zu Hause attraktiver wird: Dabei soll Arbeitnehmern sechsmonatige Pausen zur Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger sowie ein Sonderurlaub gewährt werden. Die Idee gefällt allen. Doch es bleibt die ungelöste Frage „wer soll das bezahlen“. Der CDU klingt es zu sehr nach „Freibier für alle“. Gleichzeitig wird wegen der Misstände in der Pflege über einen künftigen Pflege-TÜV diskutiert.


Was ist das nun, was Bush mit den US-Truppen im Irak vorhat? Ein "Teilabzug" oder nur eine "turnusmäßige Truppenreduzierung"? Und das nicht etwa, weil es zu unsicher und gefährlich für die eigenen Soldaten dort ist, sondern weil diese so erfolgreich gearbeitet haben, dass sie nun überflüssig sind?? Bush und Co. vermeiden alles, was auch nur einen Deut nach Kapitulation und Versagen aussehen könnte: Gefangen in der Terminologie der Aussenpolitik.


Jetzt schläft er: Luciano Pavarotti ist gestorben. Wer hat nicht auch schon „Nessun Dorma“ (Keiner schlafe) oder „La donna è mobile“ in Badewanne oder Auto vor sich hingeschmettert? Pavarotti sei Dank ist italienisches Liedgut in unser Herz und Hirn übergegangen. Der XXL-Tenor hat zusammen mit Placido Domingo und José Carreras als „Drei Tenöre“ die Stadion-Klassik salonfähig gemacht. "Big P." schaffte es sogar mit seinen Liedern in die britischen Pop-Charts. Und nun ist sein letzter Vorhang gefallen.