War was?

:: Die Woche :: 29.12.2007 - 03.01.2008

Chaos in Kenia – US-Kandidaten-Kür in Iowa – Bhuttos Sohn in Rawalpindi – Teures Öl, was nun? – Bootcamp-Streit in Deutschland – Harmonie im Fernsehland

Kenia hat gewählt und versinkt seither in Gewalt. Weil Mwai Kibaki – der mal als Hoffnungsträger Kenias galt - offensichtlich die Wahlergebnisse zu seinen Gunsten manipuliert hat, steht das Land vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Belastungsprobe wäre die von Oppositionsführer Raila Odinga initiierte Demonstration geworden, die jetzt abgesagt wurde. Der internationale Druck wächst, verlangt wird eine Überprüfung des Wahlergebnisses. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu versucht zu vermitteln. Was kann man noch tun...? Zuvorderst das Wahlergebnis nicht anerkennen, Kibaki drohen, Odinga an die Leine nehmen, solange die beiden es mit der Demokratisierung des Landes nicht ernst meinen.


Alle starrten nach Iowa. Dort fiel schon so etwas wie die Vorentscheidung, wer bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl in den Ring steigt. Hillary Clinton gegen John McCain? Sah mal fast so aus. Doch das Blatt hat sich gewendet zu Gunsten von Barack Obama und Mike Huckabee.  Und das heisst: die Amerikaner votierten für einen einen politischen Neuanfang. Zwar wird erst in zehn Monaten ein neuer US-Präsident gewählt, doch schon ab sofort geht's mächtig um die Wurst, wenn die Demokraten und die Republikaner sich in den Vorwahlen aller Bundesstaaten entscheiden müssen, welchen Kandidaten sie ins Rennen schicken.

 

Erst 19 Jahre jung und schon soweit für die große Politik in Pakistan? Eine Riesenbürde wurde Bhuttos Sohn Bilawal Zardari da aufgelastet. Der Oxfordstudent scheint auch wenig scharf auf seine neue Rolle als neuer Vorsitzender der Oppostionspartei PPP sein. Nicht weniger Wirbel verursachte ein gefälschtes Facebook-Profil von Zardari. Derweil rätselt die ganze Nation: Wer tötete Benazir Bhutto? Die Al Kaida? Die Armee? Oder gar einer von Musharrafs Leuten? Es gibt wilde Verschwörungstheorien. Sicher ist nur, dass nun erst am 16. Februar gewählt wird. - wodurch sich die aktuelle Regierung einen Vorsprung vor Bhuttos Partei verschaffen könnte. Schwer, hier wieder ein Klima des Vertrauens zu schaffen.


Kaum bekommen wir ein Rekordhoch beim Ölpreis, kommen hektische Unruhe und Rezessionsängste auf. Was die Wirtschaft davon zu erwarten hat, wissen wir. Nun, so unschön ein Barrel-Preis von 100 Dollar ist (vor zehn Jahren kostete das Fass noch 10 Dollar), die Überraschung dürfte so riesig nicht sein. Der Traum vom billigen Öl ist längst ausgeträumt. Wie lange der Ölbedarf noch gedeckt werden kann, darüber wurde schon häufig spekuliert und ebenso häufig falsch gerechnet. Sicher ist eigentlich nur, dass unser Erdölverbrauch nicht nur politische Dimensionen hat, sondern auch klimatische. Das hat weniger mit Unkenrufen zu tun als vielmehr mit einer überholten Weisheit. Also bleiben wir mal auf dem Teppich und kümmern uns mal wirklich um erneuerbare Energien.


Wenn wir nur drastischere Strafen androhen, bekommen wir automatisch unbescholtene Bürger? Weil in der Vorweihnachtszeit zwei Jugendliche einen Rentner brutal zusammenschlugen, ruft CDU-Vize Koch nach strengerem Jugendstrafrecht: Die Lösung seien Gefängnisstrafen als „Warnschüsse“. Auch Jugendliche sollen spüren, „wie sich Gefängnis anfühlt“. Doch so einfach wie Koch und Co. es darstellen, ist es nicht. Auch Experten warnen vor falschen Zusammenhängen und Rückschlüssen: Strafjustiz helfe „nicht als Prävention gegen Jugendkriminalität“. Alternativen werden ebenso hitzig debattiert: Das Bootcamp, in dem junge Straffällige mit Drill und Training wieder auf die Spur gebracht werden sollen. Dass sich Justizministerin Zypries gegen die amerikanische Variante des Erziehungslagers aussprach, wurde ihr auch bereits um die Ohren gehauen – anstatt hinzuhören, worin der Unterschied zu (sehr wohl bewährten) deutschen Modellen liegt. Aber es ist eben Wahlkampf. Da wird erfahrungsgemäß laut gepoltert. Trotzdem kein Grund, Stammtisch-Law-and-Order-Parolen zu verbreiten.


Und dann war da Eva Herman, die offiziell verlauten lässt, sie haben Johannes B. Kerner verziehen, denn Vergeben sei eine christliche Pflicht.