War was?

:: Die Woche :: 30.04. - 06.05.2007

Endlich wissen wir, mit wem wir es tun haben werden - Frankreichs neuer Präsident heisst Nicolas Sarkozy. Gezerre, Großdemos und Rücktrittsforderungen in Israel. Wähl noch einmal, Türkei. Tumulte bei der Deutschen Telekom. Schäubles reizendes Anti-Terror-Gesetz. Dokumentarfilm-Ikone Michael Moore wird demontiert.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 07.05.07

Es hätte eine Frau sein können. Doch das Duell „Sarko“ gegen „Ségo“ ging mit 53 Prozent an den konservativen Nicolas Sarkozy. Das bedeutet für seine europäischen Partner wohl schwierige Zeiten und für die Franzosen eine Politik, die "in etwa dem Schröderschen Reformismus der Agenda 2010" entspricht. Sarkozy will seinem Land „zu neuer Größe verhelfen“ und könnte für die EU eine harte Nuss werden. Die Vorstädte von Paris stellen sich auf Gewalt und Unruhen ein, denn „Kärcher-Mann“ Sarkozy ist bei den Jugendlichen zur Hassfigur geworden, seit dieser das Problemviertel Clichy-sous-Bois vom „Gesindel hochdruckreinigen“ lassen wollte. Er gilt als skrupelos mit Null Toleranz, was den einen als Chance für das gelähmte Land gilt - und den anderen Angst macht.


Die Israelis wollen Ministerpräsident Olmert und Verteidigungsminister Perez zum Rücktritt zwingen, weil diese letzten Sommer im Libanonkrieg nicht korrekt gehandelt haben. Ein Untersuchungsbericht zeigte schwere Fehler auf. Die Leute sagen "Olmert ist übereilt und arrogant in diesen Krieg gezogen“. Deshalb demonstriert das Volk laut. Olmert zeigt sich noch unbeeindruckt. Perez dagegen nimmt wohl seinen Hut.


Um weiteres Chaos abzuwenden, sollen die Türken am 22. Juli  vorzeitig das Parlament neu wählen dürfen. Das türkische Verfassungsgericht hat die Abstimmung über Aussenminister Gül als Präsidentenkandidat für ungültig erklärt, nachdem das Militär unverhohlen mit einem Putsch gedroht hatte und das Volk auf die Strasse ging. Der drohende Sieger Gül war ihnen zu islamistisch geprägt. Zwar grummelt Ministerpräsident Erdogan, trotzdem setzt er Neuwahlen an. Ruhig ist es deshalb aber noch lange nicht. Und weil sogar die zweite Abstimmung über seine Kandidatur in die Hose ging, gibt Gül nun auf. "Gül, güle güle."


Die Hauptversammlung der Deutschen Telekom versprach nichts Gutes: Der neue Chef René Obermann will sparen, investieren, umstrukturieren und expandieren. Jetzt haben alle Angst: Die Aktionäre um ihr Geld und die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Obermann erntete Pfiffe und Buhrufe für die Telekom-Pläne, 50.000 Mitarbeiter auszulagern. Momentan stehen alle Zeichen auf Streik.


Das neueste Reizwort aus dem Innenministerium heisst „Anti-Terror“. Wolfgang Schäuble lässt nicht locker und schnürt ein Paket, das weiter Big-Brother-Ängste schürt. Aber wer sich unvoreingenommen informieren will, was wirklich geplant ist, hat es dieser Tage schwer. Denn sobald einer „innere Sicherheit“ oder „Gefahrenabwehr“ ruft, hauen alle reflexhaft drauf. Und es fällt schwer die Panikmache von begründeter Angst zu trennen. Also versuchen wir es mal mit Fakten. Und denken darüber nach, was wir vom Staat wünschen und was nicht. Etwa wirklich den Umbau vom Rechts- zum Sicherheitsstaat?


Er warf mit Steinen und saß die ganze Zeit im Glashaus. Dokumentarfilmer Michael Moore – selbsterkorener Chefankläger gegen alles Bush-Konservative ("Bowling for Columbine", "Fahrenheit 911") – kriegt nun selbst sein Fett weg: Zwei kanadische Kollegen wollten in einem Filmporträt zeigen, wie gut er ist und stießen auf einen tiefen Sumpf: Moore arbeitet mit einstudierten Filmsszenen, gefälschten Moderationen und Lügen. Das harte Urteil der beiden: Moore „verführt Menschen und manipuliert Fakten“ und das, obwohl seine Filme das eigentlich nicht nötig hätten. Zu sehen ist das entlarvende Material im Film "Manufacturing Dissent".