War was?

:: Die Woche :: 30.10. - 05.11.2009

Von der USA lernen, heißt ... - Veropelt - Erinnerungskultur light - Ins Aus befördert

Die Bundeskanzlerin hat am 4.11.2009 eine bemerkenswerte Rede vor dem US-amerikanischen Kongress gehalten. Dass sie dabei, zumindest für den Autor dieser Zeilen, in Teilen ihrer Rede einige Fragen aufgeworfen hat, war im ersten Moment irritierend und ist im Nachgang enttäuschend. Damit ist nicht der Beginn ihrer Rede gemeint. Dass Frau Merkel den 9.11.1938 zum Beginn ihrer Rede in Erinnerung rief, ist der Verinnerlichung des gleichzeitigen Ge- und Bedenkens zu verdanken, was die Deutschen durch den Holocaust erlernen mussten. Auch der letzte Teil ihrer Rede, welcher, dem feierlichen Anlass geschuldet, bekannten Tatsachen Respekt und Anerkennung entgegenbrachte, verursachten weder Irritation noch Enttäuschung. Es sind die Passagen, in denen sie die USA voll dankbarer Erinnerung als Leuchtfeuer der Freiheit und der Demokratie beschreibt und in denen sie sich selbst als jemanden beschreibt, der voll Bewunderung und geheimer Sehnsucht auf die große und ferne USA blickte, auf den American Way of Life. Ungeachtet der Unzulänglichkeiten der USA, die sich im Korea-Krieg, in der Bürgerrechtsbewegung, im Vietnamkrieg, im Wettrüsten mit der Sowjetunion, in den verschiedenen Weiterentwicklungen der Monroe-Doktrin äußerten, und die Frau Merkel, verständlicher Weise, unerwähnt ließ. Wenn sie so voller Bewunderung für die USA war, wieso verließ sie die DDR nicht, 1986, bei ihrem Kurzbesuch in der BRD? Wieso inspirierte sie das Leuchtfeuer der Freiheit nicht schon vor 1989, sich gegen die SED-Diktatur zu verwahren oder zu wehren, sich der Friedensbewegung innerhalb der evangelischen Kirche oder gar der Kirche von unten anzuschließen? Und wenn diese USA ein Partner ist, dessen agitatorischen Methoden zugunsten von Freiheit und Demokratie mehr Zweifel und Gegenwehr, mehr Verlierer denn Gewinner hinterlassen - wie kritiklos sollte mit einem solchen Partner umgegangen werden? Das Fazit ist: Angela Merkel nutzte die Gelegenheit für Liebesbezeugungen. Auch wenn es an mancher Stelle schmerzt:  Sie trat auf wie man es von einem Gast erwartet: "höflich und rücksichtsvoll, einschmeichelnd und ermutigend, nicht fordernd, belehrend oder undankbar."

 

Hören Sie es noch? Das Reiben der Handflächen der GM-Manager im großen Amerika? Und spüren Sie sie, die leichten Orkan-Böen, verursacht durch das enttäuschte Kopfschütteln der deutschen und belgischen Lohnarbeiter bei Opel? Wenn man die Ereignisse von Beginn an rekapituliert, lässt sich nun mehr zusammenfassen: Die Staatshilfen sind ein Instrument des Wahlkampfes der Politiker und der Sanierungsanstrengungen der Vorstände in den riesigen Industrie- und Finanzkonzernen. Arbeitsplätze? Strukturpolitik? Verantwortungsvolles Unternehmertum? Weiterhin ist festzustellen: Nicht die Politik, in Gestalt der alten Bundesregierung, vornehmlich Frau Merkel und Herr Steinmeier, sind die Igel, sondern die neuen Vorstände bei General Motors. Und jagten die Hasen mit breiter Brust und tönenden Worten noch im Sommer auf den Straßen und Plätzen der Republik, stehen sie jetzt nach Luft ringend auf den Mahnwachen, Demonstrationen und anderlei gewerkschaftlichen Kaffeekränzchen, um mit dem wund gelaufenen Finger auf die da zu zeigen, die Bosse. Ach, übrigens, an den Standorten in Spanien, Polen und Großbritannien ist man verhalten optimistisch, dass die europäischen Standorte paritätisch an den verheerenden Folgen der Sanierung beteiligt werden.

 

Am Montag der folgenden Woche jährt sich zum 20sten Mal der Fall der Mauer, oder besser, der Moment, als die damalige Regierung der DDR die Möglichkeit des ungehinderten und bedingungslosen Transitverkehrs von der DDR in das nicht-sozialistische Ausland und zurück bekannt gab. Quasi letzter Versuch der SED-Diktatur, den Lauf der Geschichte in die eigenen Hände zu nehmen. Der Entscheidung der Altmänner-Runde waren Monate stetig anwachsender Auseinandersetzungen zwischen einem totalitären Staatsapparat und einer aus jahrelanger Apathie erwachten Bevölkerung, die im Höhepunkt gemeinsam und aus voller Überzeugung durch die Straßen skandierte: "Wir sind das Volk!". Dass es nur wenige Monate brauchte, den Slogan in "Wir sind, was folgt!" anzupassen, ist ein Moment, der im Kontext der Erinnerung an den 9.11.1989 vollkommen verschwunden zu sein scheint. Quasi Erinnerungskultur light. Hören und/oder sehen Sie die Erinnere-dich-Sendungen in den Programmen der Rundfunk- und Fernsehanstalten, spricht jeder vom Koitus der Geschichte, der sich mit dem Fall der Mauer entlud. Vergessen ist das Vorspiel, die Unentschlossenheit und Wankelmütigkeit auf der einen und der anderen Seite. Vergessen auch der schale Nachgeschmack, zumindest bei einigen "Ostlern" (und heute mehr und mehr bei einigen "Wessis"), nach all den aberwitzig süßen Hoffnungen. Und wenn das Jubiläum gefeiert ist, die Mikrofone und die heißen, grellen Spots abgeschaltet, werden wir auseinander gehen, in dem Gefühl etwas Wesentliches nicht begonnen zu haben. Uns wirklich in allen Einzelheiten zu erinnern.

 

Der Aufschrei des Entsetzens war riesig - nach dem Foul des Gunnar Prokop überschlugen sich die Agenturen im Vermelden des Ereignisses. Der Missetat folgte die Strafe überrascht schnell und gremienfremd auf dem Fuße: eine für Handball-Verhältnisse hohe Geldstrafe, der lebenslange Ausschluss von allen Ämtern im Österreichischen Handballverband und von allen Ämtern im EHF. Das war sogar für Außenstehende eine klare Ansage. Doch irgendetwas scheint noch ungesagt. Schauen Sie sich den Clip ruhig in voller Gänze an - und achten Sie auf die Reaktion der Zuschauer und Klubverantwortlichen unmittelbar nach dem Foul: Das einvernehmliche Nicken, das kameradschaftliche Schulterklopfen kommen nicht von ungefähr. Es ist das stille Einverständnis, mit der Gunnar Prokops Foul begleitet wurde. Denn der Sport und sein wie eine Standarte vor sich hergetragenes Stigma des Fairplay sind eine Chimäre. Ist doch nichts Neues, höre ich Sie sagen, denken Sie nur an das Doping, die Schiedsrichteraffären, die bewußt herbeigeführten Unfälle. Sie haben recht. Ja. Sie haben ja recht.