War was?

:: Die Woche :: 31.07. - 06.08.2009

Steinmeier prescht vor - Schreiber kontra Schlämmer, alles im Wahlkampf – Iran provoziert – Schwimmer und ihre Badehose

Es war ein gewagtes Versprechen in Wahlkampfzeiten. Und die ersten Reaktionen überraschten wenig. Hohn und Spott gossen fast alle über Steinmeiers „Deutschlandplan“ aus. Als dann die ersten Lacher und Schenkelklopfer verhallt waren, hielten manche inne und fanden die Vorschläge des SPD-Kanzlerkandidaten „Arbeit für morgen“ zu schaffen, plötzlich nachdenkenswürdig. Weil hier zumindest Phantasie gegen Lethargie kämpft. Weil ein engagierter Wahlkampf mit kreativen, pfiffigen Vorschlägen allemal besser ist als ein Abwarten mit schwäbischer Hausfrauensicherheit. Weil Vollbeschäftigung ein erstrebenswertes und eben nicht zu belächelndes Ziel ist. (Nicht umsonst hatte sich auch die CDU  „Arbeit für alle“ in ihr Regierungsprogramm 2009-2013 geschrieben - auch wenn das mancher nun vergessen haben mag). Fraglos ist Steinmeiers Plan ein schillernder und manches darin unausgegoren. Und weder konnte er den Absturz in den Umfragewerten verhindern, noch wird er ihm zur Kanzlerschaft verhelfen. Aber der Plan hat wieder mal in Erinnerung gebracht, dass Massenarbeitslosigkeit weder ein Umstand ist, an den man sich gewöhnen sollte, noch einer, den man hinnehmen darf.

 

Und vielleicht ja gerade weil der Wahlkampf so lau und ohne Schwung und neue Taten verläuft, stiehlt Kerkeling derzeit als Klamauk-Kanzler in spe in seinem Juxwahlkampf allen die Schau - und geht den schmalen Grad zwischen gelungener Politsatire und PR-Gag in eigener Sache, ähm.. Film. Möglicherweise ist es aber auch nur eines: "kostenloses Unterhaltungsprogramm für Journalisten" im Sommerloch. Nicht mehr und nicht weniger. A propos Wahlkampf: Eine Frage, die manchen beschäftigt, ist ob die Rückkehr des Waffenlobbyisten Schreiber dem Wahlkampf der CDU schaden kann, ist . Nun, vermutlich eher nicht. Eine interessante Randnotiz bei der Auslieferung Schreibers und des Wieder-Aufrollens der damaligen Parteispendenaffäre ist ein kleines, Detail, das manche längst vergessen hatten: Ohne Schreiber wäre Angela Merkel heute nicht Kanzlerin.

Schauprozesse gegen Demonstranten und Oppositionelle werden im Iran nun als weiteres Mittel eingesetzt, die Bevölkerung in Schach zu halten, die ungebrochen auf die Straße geht. Mit Aufklärung und gerechten Verfahren haben diese wenig zu tun, sondern mit blanker Drohung, Einschüchtern und Widerstandbrechen. Den Angeklagten drohen Gefängnis oder gar die Todesstrafe. Ahmadinedschad leistet derweil in einer Zeremonie seinen Amtseid. Und er versprüht Gift und Galle, weil so wenig Gratulanten kamen. Viele Regierungen blieben der Feier fern oder verzichteten auf Glückwunschbotschaften. Man nennt das milden diplomatischen Protest. Wenigstens das hätte man auch von der EU erwarten können.


Das Schwimmen mit der High-Tech-Ware hat sich für das deutsche Team ausgezahlt. Seit Rom sind die Deutschen mit ihrem aktuellen Medaillensegen wieder Weltspitze. Zu unken, der Erfolg wäre aber nur auf die richtige Materialwahl zurückzuführen, ist verfrüht. Neu ist die Materialdiskussion im Spiel um das Höher-Schneller-Weiter des Sports ohnehin nicht. Und so wird erstmal getanzt. Ab 1.Januar heisst es „Zurück zur Badehose“, spätestens dann wird sich zeigen, wer wirklich am besten im Wasser liegt. Was dann allerdings mit den 43 neuen Weltrekorden geschieht, weiß selbst der Weltschwimmverband Fina noch nicht. Zu unklar das Bild, was in Rom wie wen begünstigt hat. Was auf den ersten Blick wasserweich und unentschlossen wirkt, ist auf den zweiten Blick schon wieder fast ermutigend. Denn die menschliche Komponente scheint nicht nur ein Randaspekt der Erfolge zu sein. Derweil gibt sich Britta Steffens erfrischend bodenständig und unprätentiös.