War was?

:: Die Woche :: 31.10. - 06.11.2008

Gewinner und Verlierer: Obama - SPlanti – Flachwasser – Bond, James Bond

Amerika, du hast gewählt. Und natürlich hatten hinterher mal wieder alle längst gewusst, dass es Obama werden würde. Die Tragweite des Wahlergebnisses ist ganz schön mächtig – weshalb das Wort „historisch“ in dem Zusammenhang inflationär gebraucht wird. Wir wollen es nicht überstrapazieren, drückt doch das hier alles aus: „Wahlsieger Afrika“. Nun, auch wenn den diesmaligen Unterlegenen das gleiche Schicksal ereilen wird wie seine Vorgänger (who the f** was Kerry oder Dole?), McCains letzte Rede nach dem Wahlsieg Obamas hatte durchaus Stärke. Nachgetreten wird nun trotzdem – Zielscheibe ist Sarah Palin.

 

Glückwünsche sehen anders aus: Die Gratulation an Obama aus Russland kam in besonderer Form – in der Drohung Medwedews, in Kaliningrad Raketen stationieren zu wollen, als russische Antwort auf das von den USA in Polen und Tschechien geplante Raketenabwehrschild. Die markigen Worte und scharfe Rhetorik aus dem Kreml zeigen nicht gerade, dass man ein gutes Verhältnis zum neuen US-Präsidenten sucht. Washington tanzt, Moskau poltert - willkommen im kalten Krieg. Oder ist es nicht viel mehr der Versuch, sich die Aura eines „martialischen Hardliners“ zu geben?

 

Sie wollte ihn um jeden Preis – und dann war es wieder nichts mit dem Posten der Ministerpräsidentin. Nun also Neuwahlen. Statt selbstkritisch zu beleuchten, was man hier selbst verkehrt gemacht hat, wird erstmal heftig auf die vier Abweichler eingeschlagen. Und während die einen Parteigenossen noch lauthals ihren Zorn versprühen, ist auch eine stumme Erleichterung in der SPD vernehmbar - weil der Kelch der Linkspartei an ihr vorbeigegangen ist. Die Tendenz, „die phantastischen Vier“ nun zu beschimpfen, ist durchaus menschlich. Doch bei Lichte betrachtet hätte wohl jeder frühere Zeitpunkt für denselben Aufruhr gesorgt. Also geht es mehr um die grundsätzliche Frage, was es war, das die vier Rebellen zum Ziehen der Notbremse bewegte: Verrat oder Mut? Schwer zu sagen – nachdem jetzt zu allem Überfluss schmutzige Wäsche gewaschen wird, traut jeder jedem Übles zu.

Jedenfalls sitzt der Schock in Hessen so tief, dass die Leute in Wiesbaden sogar eine Satire-Aktion als bare Münze nahmen: Gefälschte SPD-Plakate und Aufkleber mit Slogans wie „ Es geht auch ohne uns“. Und „Dann doch – Roland Koch“. Die meisten Passanten trauten der SPD eine derart große Portion Resignation und Selbstironie zu. Vielleicht wäre das gar nicht die schlechteste Art, verprellte Wähler zurückzugewinnen...?

 

Über ihn sollte hier eigentlich nichts stehen. Weil sich auch so schon überall Hohn und Spott über ihn ergießen. Oder nein, erwähnen wir ihn noch kurz, bevor er von der politischen Bildfläche in weniger bewegte Gewässer abtaucht: Herrn Minister – äh, Tiefensee.

 

Auch an diesem Mann kommt man dieser Tage nicht vorbei – Daniel Craig alias „James Bond in der Identitätskrise“. Was im letzten Bond begonnen wurde, wird in „Ein Quantum Trost“ fortgesetzt: Die Demontage des legendären Filmagenten. Nix mehr mit gerüttelt oder geschürt. Als Ex-Playboy und Gerademal-Noch-Macho bekam „007“ mit Daniel Craig bereits einen neuen Anstrich, der in „Casino Royale“ durchaus vielversprechend begann. Doch jetzt verkommt er leider endgültig zu einem „Actionheld wie jeder andere“. So mag es zwar sympathisch sein, dass hier endgültig Schluß ist mit dem distanzierten Gentleman, der alles um sich herum nur mit einem Mindestmaß an Ironie ertragen kann. Doch damit geht eben auch ein Stück Filmgeschichte. Bye bye Bond, James Bond.