Anderswo

Ein Tag mit Louise und Alice, EMMA und Ina

Mit einem Thementag holt der TV-Sender 3sat zwar nicht „Frauen an die Macht“ – so das Motto. Aber immerhin doch interessante Porträts, Filme und Reportagen von Frauen auf den Bildschirm.

Das Programm ist bunt, ein Blick in die Vorschau kann also nicht schaden. Am kommenden Sonntag lädt der Fernsehsender 3sat zu einem Themenabend ein, der sich mit Interviews, Features und Filmen auf einen Streifzug begibt – durch ein Jahrhundert, in dem Frauen sich ganz entscheidend emanzipiert haben. Rechtlich, beruflich, sexuell. Kein Wunder, dass der Blick da auf so mancher „Grand Dame“ mit Pioniersinn ruht – aber nicht nur. 

Eine Sendung, die eher mit überraschenden Thema daherkommt, ist etwa der Dokumentarfilm „1000 Frauen und ein Traum“: Wem ist schon bekannt, dass im Jahr 2005 nicht nur Einzelgänger(innen) für den Friedensnobel-Preis vorgeschlagen waren – sondern gleich 1000 Frauen gemeinsam? Gabriela Neuhaus erzählt hier die Geschichte einer ungewöhnlichen Kandidatur. Und sie erinnert so an die Friedensarbeit von Frauen, die sich weltweit und täglich in wichtigen Projekten engagieren, auf die aber nur selten das Licht der Medienöffentlichkeit fällt.

Unverzichtbar im Programm, wenn es um Emanzipation geht: Alice Schwarzer. Die Mutter der „EMMA“ erprobte zu Beginn des Jahres einen Rücktritt von ihrem Chefposten, der zu heftigen Kontroversen führte, etwa auch in der Frage, ob die Ära von EMMA & Alice sich eigentlich ihrem Ende neigt. Nun wird sich Schwarzer erneut äußern, nicht direkt zu den Eklats und Aufregungen der letzten Zeit, aber doch in einem Interview zu den Themen, die den Streit befeuerten: Es soll um Pornographie, das Kopftuch und die Bedeutung von Vorbildern gehen – also auch Simone de Beauvoirs, die dann in einem Porträt im Anschluss auch selbst zu erleben sein wird. 

Wer mag, kann sich stattdessen aber auch für die Kabarettistin und Sängerin Ina Müller vor den Bildschirm begeben, auch wenn die eher auf leichtere Unterhaltung spezialisiert ist – und auf Themen wie „Ledig, weiblich, 40“. Wobei die TV-Anarchistin kein Problem hat, mitten im Spaß auch Farbe zu bekennen: „Lieber Orangenhaut als gar kein Profil“, meint sie.

Dass das Alter ein Leben bereichern kann, fand übrigens auch Louise Bourgeois: Die französische Bildhauerin, die 1911 in Paris zur Welt kam, wurde erst spät vom Kunstbetrieb entdeckt, münzte  das aber geschwind zum Glücksfall um: „Mein Glück war es, dass ich so spät berühmt wurde, dass Ruhm mir nichts mehr anhaben konnte“, sagte sie einmal. Und tatsächlich: Auch wenn Louise Bourgeois zunächst übersehen wurde, weil sie als dreifache Mutter ihr höchst suggestives Œuvre eher aus der häuslichen Hinterstube heraus schuf – in ihren späten Jahren war sie kaum zu bremsen und so unerschöpflich kreativ, wie nur wenige andere in ähnlich hohem Alter.  

 

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Bildnachweise: 

1. Codswollop (via photocase.com)

2. Spiderskulptur, Louise Bourgeois. Fotograf: Taís Melillo (via flickr.com)