Starke Frauen

„Romy“ – im Imagewechsel

Sie wollte anderes verkörpern, als ihr das deutsche Kino zugestand: Romy Schneider war ein Weltstar, der auf der französischen Leinwand erst so richtig zu leuchten begann. Nun holen eine Ausstellung und Bücher prägende Filmrollen in den Blick.

Schon diese Bilder zeigen, wohin es „Romy“ eigentlich zog: zu einem schauspielerischen Neubeginn und mehr Herausforderung. Doch der Eifersuchtsthriller „L´ Enfer“, für den sie 1964 vor der Kamera stand, blieb unvollendet. Unter der Regie von Henri-Georges Clouzot scheiterte so ein Filmexperiment, das unter vielen visuellen Knalleffekten auch diese Sensation bereithielt: Romy Schneider – wie sie die Welt zuvor noch nicht sah

Die Aufnahmen, die lange Zeit als verschollen galten, wurden erst kürzlich in den Archiven Frankreichs wieder entdeckt. Ein Fund, den nun auch ein Bildband erstmalig vor Augen führt: „Romy – Die unveröffentlichten Fotos aus Inferno“ heißt das Buch, das Einblicke in die strapaziösen Dreharbeiten von damals erlaubt, über deren Turbulenzen der Regisseur schließlich einen Herzinfarkt erlitt und verstarb. Dabei präsentieren die Szenen und Bilder, durch die man sich hier blättern kann, einen noch jungen Filmstar, der gerade dabei ist, sich ganz neu zu erfinden: fernab der Klischees, mit denen das deutsche Publikum diese Begabung vereinnahmte. 

Die „süße Sissi“ und junge Kinokaiserin nämlich, der Backfisch in Weiß, vor dem der Heimat- und Kostümfilm so huldigend in die Knie sank - von alledem hatte Romy bereits als 20-jährige mehr als genug. Ihr Aufbruch nach Paris, an die Seite Alain Delons zunächst, war so auch als Befreiung von einem Image gedacht, das als einengend empfunden wurde. „Es gibt drei Menschen, die mein Leben entscheidend verwandelt haben“, verriet die Filmdiva einmal: „Alain, Visconti und Coco Chanel.“

Coole Eleganz, anspruchsvolle Rollen und darstellerische Reife: Das sind die Markenzeichen auch, mit denen Romy Schneider in dem Bildband „Wien – Berlin – Paris“ ihren Auftritt hat. Das Buch versammelt zahlreiche noch unbekannte Fotografien, insbesondere aus den fünfziger und sechziger Jahren, der Zeit also, in der sich die Wandlung Romys hin zum französischen Kinostar vollzog. Wie genau dieser Imagewechsel vonstatten ging, welche medialen Projektionen hier einflossen, welche aktiven Selbstinszenierungen der Schauspielerin aber auch, zeigen Bilder aus Film, Presse und Privatem, die übrigens auch in einer Ausstellung in Berlin noch eine Weile zu sehen sind: 

Das Museum für Film und Fernsehen leuchtet hier den „Mythos Romy“ aus – und greift dabei erfreulich über die bekannte „Chronique skandaleuse“ hinaus, die diesen Mythos gemeinhin nährt: Romy als trauende Mutter und Schicksalsgeschlagene. Als aufbegehrende Tochter und verführerischer Weltstar, der mit Sexappeal spielt, wo Unschuld im Korsett das eigentliche Rollenmuster hätte sein sollen. Romy und ihre scheiternden Ehen – das alles kennt man. Ist Allgemeingut. Und doch nur die halbe Romy, die in ihrem Leben oft den Mut aufbringen musste, dagegen in die Offensive zu gehen? 

„Also wenn ich schon allen gehöre, sollen auch alle wissen, was mir gehörte und was ich verloren habe“, sagte die Schauspielerin einmal nach dem Unfalltod ihres Sohnes etwa. Da hatte sie gerade ihren letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982) gedreht und sich vorgenommen, ihn „David und seinem Vater“, dem Regisseur Harry Meyen, der sich das Leben genommen hatte, zu widmen. Ob das nicht reichlich persönlich sei, bekam Romy als Einwand zu hören. Ihre Antwort, die in das Mark der eigenen Erfolgsgeschichte zielt: „Was ist heute noch persönlich?“ 


„Romy Schneider. Wien – Berlin - Paris“

Ausstellung in der Deutschen Kinemathek Berlin
Museum für Film und Fernsehen

Noch bis zum 30. Mai 2010

 

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Bildnachweise: 

1. © Collection Inès Clouzot / courtesy Schirmer/Mosel

2. Buchcover Schirmer/Mosel-Verlag. © Lobster Films 2008 / courtesy Schirmer/Mosel.

3. Buchcover Henschel Verlag. Romy Schneider, 1972, © Foto: Georges Pierre, Quelle: Cinemémathèque française.

4. Romy Schneider, Berlin 1976. Während der Dreharbeiten zu PORTRAIT DE GROUPE AVEC DAME/GRUPPENBILD MIT DAME, R: Aleksandar Petrovic, F/BRD 1976, © Foto: Robert Lebeck