Weibchenschema

Einer geht noch... dem Schuhtick frönen

Nicht erst seit einschlägiger Werbung ist es raus: Frauen haben ein ganz besonderes Verhältnis zu Schuhen.

Stiefel, Pumps, Ballerinas und Sneaker in allen erdenklichen Farben und Formen - hier ist nicht die Rede von einem gut sortierten Fachgeschäft, sondern von einer wohl typisch weiblichen Vorliebe: Sobald sich mehr als 20 Paar Schuhe im heimischen Schrank tummeln, handelt es sich „vermutlich um einen Schuhtick“, den sich angeblich 40 Prozent der Frauen auf die Fahne schreiben können. Ob der Wunsch nach Veränderung dahinter steckt oder ein Signal von Unzufriedenheit in Verbindung mit dem Streben nach neuen Wegen, dürfte die klassische Sammlerin und Jägerin wenig belangen, wenn sie mit glänzenden Augen ihrem Kick frönt.

 

In Schuhen geboren


Was ist dran am Schuhtick? Alles ein Gerücht? Zwei bekennende Schuhfans, Wilma und deren Tochter Hilla vom Niederrhein, plaudern aus dem Nähkästchen. Schuhhandwerk hat in ihrer Familie Tradition, seit den 1920ern dreht sich nicht nur beruflich alles um „schicke Treter“. „Ich bin in Schuhen geboren“, verrät Wilma verschmitzt. Schon als Kind habe sie ihrem Großvater, einem Schuhmacher, über die Schulter geschaut und bald selbst in der Werkstatt Hand angelegt. Diese Leidenschaft wurde prompt an Tochter Hilla weitervererbt, die ihr Chemiestudium abbrach, um sich in der Schuhbranche selbstständig zu machen. Dabei schätzt sie den Kundenkontakt und das gepflegte Schwätzchen nebenbei.

 

Kein weibliches Phänomen


Hilla erklärt, was einen guten Schuh ausmacht: „Neben der Passform spielt die Lederqualität eine Rolle... und der modische Chic natürlich.“ Und, wie sie sagt , scheint der Schuhtick kein typisch weibliches Phänomen mehr zu sein: Männer holen laut Hilla in den letzten zehn Jahren mächtig auf: „Ein klassischer Herrenschnürer in Braun oder Schwarz ist nicht mehr sonderlich gefragt. Es werden vor allem bunte, auch mehrfarbige, Turnschuhe gekauft. Die Zeiten, wo Frauen für ihre Männer mal eben zwei Paar Schuhe gekauft haben, die für ein Jahr reichen mussten, sind längst vorbei.“ Wirtschaftlichkeit spiele beim Kauf inzwischen eine bedeutende Rolle, es werde nicht mehr zu jedem Kleid der farblich passende Schuh erstanden.


In ihrem Schrank hortet Hilla übrigens etwa 50 Paar und muss sich häufig bremsen, nicht im eigenen Angebot zu stöbern: „Ich sage mir oft, wenn dieses Modell nächste Woche noch nicht verkauft ist, schlage ich selbst zu.“