Reizthema

Ei(n)erlei? Nee, nee!

Wenn Ferrero meint, ein rosa Überraschungsei speziell für Mädchen anbieten zu müssen, erhitzt das die Gemüter.

Wer keine Kinder hat, die der Zielgruppe der Überraschungseier angehören, an dem ging die neue Gender-Variante des Ü-Ei’s und die ganze Aufregung rund herum vermutlich vorbei. Trotz des Unverständnisses, das der Marketingkampagne allerorts entgegenschlug, fand und findet Ferrero nichts dabei, sondern sieht gar Gutes im rosa “Mädchen-Ei”, das “die Mädchen mädchengerecht anspricht” (O-Ton Ferrero).

 

Rosa als "existierendes Bedürfnis"?

Warum erwachsene Frauen sich gezielt gegen Schubladendenken wehren und die Verbreitung überholter Klischees gänzlich überflüssig finden - wie das, wonach Mädchen ihr Spielzeug vor allem “süß, rund, niedlich und rosa überzuckert” wünschen - ist den Machern  tatsächlich ein Rätsel? Fremd ist das offensichtlich auch einer Psychologin, die das Aufbegehren der Feministinnen gegen das rosa Ei als kontraproduktiv und 68er-old-school-mäßig belächelt: Die “Überraschungseier nur für Mädchen”, so findet sie, “setzen lediglich auf ein bereits existierendes Bedürfnis.”

Alles harmlos, findet ebenso Marktforscher Axel Dammler, der auch im Auftrag von Ferrero arbeitet und es mit "Lego Friends" vergleicht, einem pinkfarbenen Bausatz, der Mädchen zum Bauen animieren soll: “Mädchen hätten nun mal ein "Puppen-Gen" und würden sich sonst nicht mit solchen Sachen befassen. Wenn man aber ihre Vorliebe für rosa nutze, um sie dann für etwas zu begeistern, was sie sonst ignorieren würden, sei das doch eine gute Sache”,so erfährt man von ihm in der Süddeutschen Zeitung.

 

"Pinkstinks"will alternative weibliche Rollenbilder für Kinder

Gegen die Mädchen-Überraschungseier und deren Infiltrierung unserer Kinder durch beschränkte und beschränkende Geschlechterrollen hat “Pinkstinks”-Kampagnengründerin Stevie Schmiedel inzwischen eine Petition gestartet. Im konkreten Fall ändern wird es allerdings wenig. Zumindest nicht, solange ein Bewusstsein verbreitet ist, wie das des Geschäftsführers des Deutschen Werberats, Volker Nickel, der hierzu meint, Werbung müsse schließlich in jedem Fall zielgruppenorientiert sein. "Putzmittel sind nun mal auf Frauen ausgerichtet", sagt er. Bei Kindern verhalte es sich ähnlich, so seine Überzeugung. Es ist zum Verzweifeln. Ist es?

 

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Ein Festhalten an überholten Geschlechterrollen diskriminiert uns und unsere Kinder in der Auswahl dessen, was man sein kann. Durch rosa Mädchen-Eier und pinke Legowelten werden sie unnötig befördert und fixiert. Doch aller Ignoranz zum Trotz: Zumindest wird die dadurch entfachte Diskussion ein Nachdenken befeuern, in welchem Maße wir mittlerweile einer “Pinkifizierung” und Sexualisierung unterliegen und ob wir einer solchen denn wirklich schweigend zusehen wollen.

 

Nur keine Angst

Die Bombardierung der Mädchen mit Pink ist laut Magdalena Kemper - der nun nach 40 Jahren scheidenden RBB-Redakteurin der täglichen Frauensendung “Zeitpunkte” - heutzutage ohnehin kein Grund mehr, sich Sorgen zu machen: “Ich glaube, dass die Frauenbewegung so tiefe Einschnitte in die Gesellschaft gebracht hat, dass ich die Befürchtung, alles sei umsonst gewesen, nicht habe. Es muss wieder und wieder etwas erkämpft werden, aber man kann das, was damals in Gang kam, nicht mehr stoppen. Rosa-Phasen gehen vorbei.”, erklärt sie der taz.