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Einfach so passiert

Es war ihr erstes Drehbuch – und gleich der große Durchbruch. Diablo Cody hat für ihren Film „Juno“ einen Oscar bekommen und ist nun erst recht gefragt. Denn selbst in Hollywoods Träumen gibt es das eher selten: eine Karriere wie die der Amerikanerin, die vom Bloggen und Strippen zum erfolgreichen Filmscript-Schreiben fand.

Ob sie sich vorstellen könnte, auch zu schauspielern, fragte ein Interviewer nach. Schließlich hätte sie ja schon als Stripperin auf der Bühne gestanden? Diablo Cody hatte schon vor ihrem Überraschungserfolg bei der diesjährigen Oscar-Verleihung mit Fragen wie diesen zu rechnen. Und ihre Art, unverblümt über sich und ihr Leben zu sprechen, bestach. Nicht nur das glamouröse Herz Hollywoods, sondern auch viele andere. „Das ist doch keine Schauspielerei“, gab die Autorin zurück, um dem allzu weltfremden PR-Rummel um sich einen leichten Dämpfer zu versetzen. „Das war zum Überleben, damit habe ich Geld verdient!"

Mittlerweile verdient Diablo Cody anders ihren Lebensunterhalt, und auch in ganz anderen Dimensionen, seit „Juno“ sich zum Kinohit entwickelt hat. Allein in Amerika spielte der Film bereits über 100 Millionen Dollar ein – ohne größeren Apparat hinter sich, was Produktion und Marketing anging. Diablo Cody schrieb das Drehbuch für diese Leinwandgeschichte, in der es um ein Teenagermädchen geht, das ungewollt schwanger wird, aber nicht abtreiben möchte.

Ein heikles Thema – über das Amerikas konservative Abtreibungsgegner nun ins Jubeln geraten können? Wohl kaum. Diablo Cody wehrt sich gegen Vereinnahmungen dieser Art. „Ich bin weder für, noch gegen Abtreibung. Ich bin für das Recht der Frauen, sich frei zu entscheiden", erklärte sie in einem Interview. Ein Plädoyer, das Kritiken zufolge nicht nur schlüssig und unterhaltsam im Film umgesetzt wurde, sondern auch sehr originell.

Denn „Juno“ mag im Gewand einer Teenagerkomödie daherkommen, will aber weit mehr. Als die 16-jährige Juno (gespielt von Ellen Page) nach einem sexuellen Abenteuer, das „einfach nur so“ passierte, schwanger wird, ist sie entsetzt. Weder Orangensaft in großen Mengen noch eine Abtreibung können aus der Patsche helfen. Denn Juno ist gnadenlos spontan in allem, was sie denkt und macht - und wie sie erfährt, hat der Fötus bereits Fingernägel. Juno entscheidet sich, das Kind nun doch auszutragen, um es später abzugeben. Per Annonce wird nach Adoptiveltern gesucht und ein wohlhabendes Upper-Class-Paar schlittert so in die Geschichte hinein, was Fragen über Fragen mit sich bringt: zu Beziehungen und Elternschaftsrollen, aber auch zu Lust und Verlust von Spontanität im Leben und auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Für Diablo Cody war „Juno“ das erste Drehbuch, das sie schrieb. Ein Filmproduzent hatte sie dazu ermuntert, nachdem er die kreative Ader entdeckt hatte, mit der die Ex-Striptease-Tänzerin in einem Internet-Blog über sich und Gott und die Welt nachdachte. Und natürlich auch über das Nachtclubleben und den eigenen Job. In dem Buch „Candy Girl“ (2004) hat Diabolo Cody versucht, dieses Metier und seinen Alltag zu beschreiben.

Ob der Oscar nun ihr Leben verändern werde, wurde der Shooting-Star der diesjährigen Preisverleihung gefragt. Und vielleicht sollte man anmerken: „Juno“ konnte nicht nur einen Oscar, sondern schon am Tag vor der großen Show etliche Auszeichnungen abräumen, die beim Independent Spirits Awards für unabhängig produzierte Filme vergeben wurden. Diabolo Cody gab sich locker: „Wenn überhaupt, dann ändert das nur ein wenig die Flugkurve meiner Karriere“, so erklärte sie. Und man möchte das prompt glauben. Denn im Leben der Autorin scheinen Dinge von ganz anderen Kompässen abhängig und immer mal wieder „einfach auch so“ zu geschehen. Ob Strippen, Bloggen oder Drehbuchschreiben.


Der Film "Juno" (Regie: Jason Reitman) läuft ab dem 20. März in unseren Kinos.