Starke Frauen

Ellen Swallow Richards

Die Mutter der Ökologie

„Wenn du deine Federn gut geölt hältst, wird das Wasser der Kritik von ihnen abperlen wie von dem Rücken einer Ente.“, sagte sie einst. Die amerikanische Chemikerin und Ökologin Ellen Swallow war die erste Frau am berühmten MIT (Massachusetts Institute of Technology) und an einer naturwissenschaftlichen Hochschule überhaupt. Sie widmete sich der Förderung des naturwissenschaftlichen Studiums von Frauen. Vorbereitend für die Ökologie späterer Jahre untersuchte sie Wasser, Abwasser und Luft. Sie bildete Generationen von Studierenden aus, die auf dem neuen Gebiet der „Umwelthygiene“ in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern führend wurden.

 

Wild entschlossen

 

Ellen Swallow wird am 3. Dezember 1842 in Dunstable, Massachusetts, geboren. Ihr Vater ist Lehrer, die Mutter Lehrerin. Als Kind muss sie auf der elterlichen Farm helfen und später in Dorfläden mitarbeiten. Ab 1859 belegt sie College-Kurse in Mathematik, Französisch und Latein. Sie muss selbst Unterricht geben, um eine Ausbildung am College finanzieren zu können, und sie pflegt ihre schwerkranke Mutter. Oft ist sie total erschöpft. Aber mit 25 hat sie das Geld beisammen, um am angesehenen Vassar College zu studieren - einer der wenigen Bildungseinrichtungen, die zu jener Zeit Frauen aufnehmen. Unter anderem beschäftigt sie sich mit Astronomie.

 

1870, nach dem Abschluss, setzt Swallow ihr Chemiestudium am neu gegründeten Massachusetts Institute of Technology (MIT) fort. Sie ist hier die erste Frau. Nach ihrem MIT-Abschluss 1875 heiratet sie den jüngeren Metallurgie-Professor R. H. Richards. Beide unterstützten einander in ihrer Arbeit und ihren Interessen.

 

Genannt: "Ellencyclopedia"

 

Die nächsten zehn Jahre ihres Lebens widmet sich Ellen Richards der Förderung des naturwissenschaftlichen Studiums von Frauen. Sie setzt die Gründung eines Laboratoriums für Frauen am MIT durch und leitet es bis 1883 – in dem Jahr werden Frauen regulär zum Studium am MIT zugelassen. Sie wird wegen ihrer weit gespannten Interessen und ihres Wissens bewundert und trägt den Spitznamen »Ellencyclopedia«.

 

1887 beschließt die US-Gesundheitsbehörde eine zweijährige Untersuchung der gesamten Wasserversorgung des Landes; Ellen Richards ist für die Laborarbeiten zuständig. Ihre Pionierinnenarbeit wird für dieses Gebiet grundlegend und klassisch. 1890 etabliert das MIT ein Unterrichtsprogramm für »sanitary engineering«, das erste seiner Art. Im Rahmen dieses Programms bringt Ellen Richards etlichen Generationen von Studierenden die Analyse des Wassers, der Abwässer und der Luft bei.

 

Neben der Arbeit unterstützen Ellen Swallow Richards und ihr Ehemann fast ein Vierteljahrhundert lang junge Frauen, die sich für das Studium der Naturwissenschaften interessieren. Die große Pionierin der Ökologie und des naturwissenschaftlichen Frauenstudiums stirbt vor hundert Jahren am 30. März 1911 in Boston.

 

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Die Original-FemBiografie zu Ellen Swallow von Luise F. Pusch ist auf www.fembio.org zu finden.