Weibchenschema

Er und Sie – und Stein auf Stein nichts Neues?

Ein Geschlechtertest mit Legosteinen zeigt: Frauen bauen das Nest – und Männer den Rest. Wurde der Griff zum Klischee uns also doch in die Spielzeugkiste gelegt?

Nein. Denn das kleine Experiment, das die LEGO-Discovery Centren in Berlin und Duisburg in den vergangen vier Wochen durchführten, verrät auch anderes. 426 Personen wurden hier auf die Probe gestellt und zeigten: Mädchen und Jungs, Mütter und Väter neigen dazu, unterschiedlich zu bauen, zumindest wenn sie zu Plastiksteinen im Kinderzimmer greifen, um dort Häuser und Autos, Raketen und Pferde in die Welt zu setzen. Aber: Dieses unterschiedliche Bauverhalten fällt nicht vom Himmel – sondern tritt überhaupt erst mit zunehmendem Alter auf. 

„Männer bauen Dinge, die Mobilität ausdrücken, wie Autos und Raketen, Frauen hingegen Häuser und Pferde, Symbole, für Sesshaftigkeit und Romantik“, so erläuterte Uta Zolldann, die den Test als Projektleiterin begleitete, so etwa. Auffallend bei dem Experiment sei aber auch gewesen, wie „klischeenah“ Frauen im Alter zwischen 31 und 41 Jahren sich entschieden: 

Bei dem Experiment standen acht Motive zur Auswahl, die teilweise sehr stark „männlich“ oder „weiblich“ konnotiert waren und nachgebaut werden sollten. Die Probanden durften selbst entscheiden, ob sie lieber Dinge zusammensetzen wollten, die mit viel Triebkraft in die Höhe oder vorwärts schnellen können, oder Dinge, die man eher mit Pflege und Fürsorge in Verbindung bringen kann. Und, siehe da: Die Frauen, die sich im vermeintlich „typischen Hausfrauenalter“ befanden, neigten … nein, nein ... nicht zum Pferd als das beliebteste Motiv, das hier das Rennen machte. Aber sie wählten häufig das Haus als: „am besten zu mir passend“. 

Schöne Pleite? Zumindest für alle, die gerne weniger in Stein gehauene Geschlechterrollen am Start sähen? Nicht unbedingt. Denn das Legoland-Experiment kann auch diese zufrieden stimmen: Es stellte sich nämlich heraus, dass insbesondere Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren sich noch kaum unterschieden, was die favorisierten Baumotive anging. Erst später und vor allem bei Jugendlichen ab 11 Jahren war dann zu beobachten, wie bereits eingeübte Geschlechterrollen immer stärker zum Faktor werden – und die einen an Hottehüs basteln, während die anderen am Raketenbau dran sind. Uta Zolldann sieht darin einmal mehr bestätigt, wie signifikant noch immer die geschlechtlichen Rollenzuweisungen sind, die auf Heranwachsende heute als alte Muster einwirken.

Schöne Überraschung allerdings selbst dabei: Jungen und Mädchen waren im Grunde gleichauf, was Fingerfertigkeiten anging (die mit einem Zeitfaktor, der hier mit im Spiel war, getestet wurden). Flinke Frauenhände (die supergut putzen können) und grobmotorisch veranlagte Jungen (die besser für den Weltenbau im Großen boxen)? Alles Pustekuchen! Jedenfalls in den Spielzimmern eines Legoland-Geschlechtertests.