Starke Frauen

Erika von Brockdorff

Unbeugsamer Lebensmut wider das Regime

Die Widerstandskämpferin Erika von Brockdorff zeigte einen unbeugsamen Lebensmut gegenüber dem nazistischen Terror. Sie steht wie ihre MitstreiterInnen gegen die Diktatur und für „das andere Deutschland“. Ihr Widerspruchsgeist blieb unzerstörbar auch angesichts ihrer bevorstehenden Hinrichtung. Aus der Liebe schöpfte sie Kraft bis zur letzten Stunde ihres Lebens.

 

Ihre FreundInnen schildern Erika als fröhliche, lebenslustige, sorglos-optimistische junge Frau mit hellem Verstand. Geboren und aufgewachsen in Kolberg an der pommerschen Ostseeküste, besucht sie nach der mittleren Reife eine Haushaltsschule in Magdeburg. Ab 1929 lebt sie in Berlin. Sie ist zunächst Hausangestellte, später Vorführdame und nach einer Zusatzausbildung zur Stenotypistin Büroangestellte. Sie arbeitet als Angestellte in der Reichsstelle für Arbeitsschutz und im Arbeitsschutzmuseum in Berlin-Charlottenburg.

1937, kurz nach ihrer Heirat mit dem Bildhauer Cay von Brockdorff, wird ihre Tochter Saskia geboren. Dem Nationalsozialismus gegenüber kritisch eingestellt, trifft sich das Ehepaar mit gleich gesinnten FreundInnen. Dabei sind auch Wilhelm Schürmann-Horster und Hans Coppi.

Widerstandsbewegung "Rote Kapelle"

Während des Krieges, Brockdorffs Ehemann ist eingezogen, verstärkt sich ihr Kontakt zu dem Widerstandskreis um Coppi. Ab Ende 1941 stellt sie für Funkversuche nach Moskau ihre Atelierwohnung zur Verfügung. Zeitweise beherbergt sie eines der drei Funkgeräte. Der Kreis gehört zur größten Widerstandsbewegung im Dritten Reich, der »Roten Kapelle«, die unter der Führung von Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack und mit einem ungewöhnlich hoher Anteil an Mitstreiterinnen unterschiedliche Kreise des Widerstands vereint. Am 16. September 1942 wird Brockdorff verhaftet. Im ersten großen Prozess nach der Verhaftungswelle vom Herbst 1942 sitzt sie zusammen mit den Ehepaaren Schulze-Boysen, Harnack, Schumacher und anderen, vertreten durch konforme Pflichtverteidiger, auf der Anklagebank.

Sie wird wegen »widerspenstiger Antworten« bei den Verhören geschlagen. Nach monatelanger Einzelhaft verbringt sie ihre letzten Wochen im Frauengefängnis Charlottenburg in einer Zelle mit Elfriede Paul. Paul erinnert sich, dass das Warten auf den Tod zuletzt auch die »tapfere, lustige« Brockdorff zermürbt.

Lebensmut und Respektlosigkeit vor dem Regime

Und dennoch: »Lachend will ich mein Leben beschließen, so wie ich das Leben lachend am meisten liebte und noch liebe« schreibt Erika Gräfin von Brockdorff am 13. Mai 1943 in ihrem Abschiedsbrief. Und geht zur Empörung der Vollstrecker tatsächlich lachend zum Schafott. An jenem Maiabend werden in Berlin-Plötzensee innerhalb von 36 Minuten 13 Menschen hingerichtet. Schon bei den Verhandlungen vor dem Reichskriegsgericht hatte sie die Justiz durch Zwischenrufe und Gelächter provoziert. Ihren Lebensmut und ihre Respektlosigkeit vor dem Regime stellt sie einem drohenden Todesurteil entgegen.

Adolf Hitler hatte persönlich auf eine rasche, unbarmherzige Abstrafung der WiderständlerInnen gedrängt. Dabei erstaunt das zunächst »milde« Urteil von zehn Jahren Zuchthaus für Brockdorff und sechs Jahren für Mildred Harnack. Dieses Urteil verwirft Hitler noch am selben Tag. In einem zweiten Verfahren im Januar 1943 wird es wunschgemäß in die Todesstrafe umgewandelt. Von ihrem Mann, der an der Ostfront verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wird, kann sich Erika von Brockdorff wohl noch verabschieden. Am 13. Mai 1943 wird sie im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet.

Erika von Brockdorff an ihren Ehemann in ihrem Abschiedsbrief:

»… Eben habe ich mir von Dir das Versprechen geben lassen, dass Du nicht lange traurig sein wirst, denn Du würdest mir die Ruhe rauben, die ich doch brauche, wenn ich durch das dunkle Tor gehe. … Mein Leben … hat durch Dich erst Sinn und Inhalt bekommen. Das bewährt sich jetzt. Ich bin gefasst und sehr ruhig. Es tröstet mich die Einsicht in die Notwendigkeit. Deine Erika«

 

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Die Original-FemBiografie zu Erika von Brockdorff von Adriane von Hoop sowie umfassende Informationsquellen auf www.fembio.org - dem Frauenbiographie-Portal von Professorin Luise F. Pusch.

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