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Es kam kein Wort der Entschuldigung. Nie.

Sie waren 43 Jahre lang offiziell ein Paar. Der Star aus Hollywood und die exotische Insel-Schönheit. Jetzt hat Tarita Teriipaia ein Buch geschrieben. Und es ist alles andere als ein nostalgischer Rückblick auf eine gemeinsame Vergangenheit.

Von: Beatrix Altmann, Foto: Heyne Verlag

vom 16.03.07

So beginnen filmreife Liebesgeschichten: Die unbekannte Tänzerin wird als Hauptdarstellerin für einen berühmten Hollywood-Streifen engagiert und erhält als Sahnehäubchen den Helden noch dazu. Doch leider sieht die Realität oft anders aus.

 

Tarita Teriipaia ist 19 Jahre alt als sie dem 36-jährigen Marlon Brando 1960 während der Dreh­ar­bei­ten für den Film „Meuterei auf der Bounty“ begegnet. Die Avancen des Amerikaners stoßen bei der Insulanerin anfangs auf we­nig Gegenliebe, es dauert ein Jahr bis sie seinem Werben nachgibt. Und das sei der Anfang vom Ende gewesen, schreibt die Witwe in ihrem Buch, das im Original unter dem franzö­sischen Titel „Marlon – mon amour, ma déchirure“ („Marlon – Meine Liebe, die mich zer­riss“) erschien und die Beziehung des ungleichen Paares auf den Punkt bringt.

 

Die Tahi­tia­nerin verkörperte für ihn das Paradies. Eine Welt, in der es in seinen Augen nicht um Ruhm und Geld geht, sondern um Nächsten­liebe, resümiert die 65-Jährige in ihren chro­no­­logisch aufge­bauten Erinnerungen, die durch private Fotos ergänzt werden. Mit zwanzig wird sie schwanger, denkt an Abtreibung. Doch Marlon macht ihr unmiss­ver­ständlich klar: „Ich will dieses Baby!“ Tarita gehorcht, so wie sie es von nun an über vierzig Jahre lang tun wird, als sei es eine Ge­setzmäßigkeit: „Ich habe ihn eben bis zum Schluss geliebt“, lautet die Erklärung.

 

Bei der Geburt seines Sohnes Teihotu ist er nicht dabei und auch sonst begnügt sich der Schau­spieler, der mit dem „Paten“ Weltruhm erlangt, mit kurzen Stippvi­si­ten bei seiner Familie, die weiterhin auf Tahiti lebt. Doch wenn Brando kommt, hat er meist keine Liebe im Gepäck, daran ändert auch die Geburt seiner Tochter Cheyenne 1970 nichts. Mit Intensität erzählt die Auto­rin von seinen Wut­aus­brüchen, bei denen er sie oft geschlagen hat. Eine Trennung kam für ihn jedoch nicht in Frage, er hat sich allerdings auch nie entschuldigt.

 

Der Autorin ist ein eindringliches Portrait des widersprüchlichen Schauspielers gelungen. Wer sich jedoch endgültig Aufklärung über die zahl­reichen Ehen und Affären des Weltstars erhofft, wird enttäuscht. Denn auch Tarita Teriipaia macht ungenaue Angaben über ihr Verhältnis zu Marlon Brando. Doch selbst wenn sie nie offiziell einen Trauschein hatten, war sie bis zu seinem Tod 2004 mit ihm verbunden.