Women only

Frau in der Nacht

Morgens noch in der Heimatzeitung diesen Satz gelesen: »In den Unterarm eines Bundespolizisten hat eine Frau in Frankfurt-Sachsenhausen gebissen.« Noch einen Moment gegrübelt, ob man das nicht umstellen könnte - also etwa: In Frankfurt-Sachsenhausen biss eine Frau in den Unterarm eines Bundespolizisten - was aber die aufkeimende Frage auch nicht beantworten würde, was die Bundespolizei (aka Bundesgrenzschutz) eigentlich in Ffm-Sachsenhausen macht und warum sie sich beißen lassen muss.

 

Nachts dann, ganz sicher, war diese Frau oder eine nahe Verwandte mit einer Eisenstange in der Nähe von Frankfurt-Sachsenhausen unterwegs. Es ging wirklich sehr schnell, plötzlich stand sie auf der Straße, schwang diese Eisenstange und erklärte viele Kriege, was den Taxifahrer zu einer Vollbremsung nötigte.Sie rief immer wieder Abschaum durch die Nacht, Abschaum ziehe marodierend durch die Straßen.

 

Was ist?, schrie der Taxifahrer.
Gauner, Halunken, rief die Frau. Überall. Jede Nacht. Unentwegt.
Ja, ja!, brüllte der Taxifahrer, weg da!
Spitzbuben, Ganoven, sagte gebieterisch die Frau. Der Taxifahrer hupte, er hupte sozusagen Sturm, und die Frau, nach einer letzten Drohung mit der Eisenstange, schlich davon.

 

Unglaublich, sagte der Taxifahrer und fing dann an, von seiner eigenen Frau zu erzählen, die nicht eigentlich seine Frau sei, sondern nur so.
Nur so? Wieso?
Er sagt: »Mir lebbe zamm«, auf Deutsch sind sie also Lebensabschnittsgefährten, aber was er eigentlich erzählen wollte: Seine Frau hätte in dieser spezifischen Situation ihre Reizgassprühdose gezückt, da kenne die nämlich nix.

 

Reizgassprühdose, merken Sie sich das Wort, es kam so flüssig wie behende von den Lippen des Taxifahrers, eine Reizgassprühdose führe seine Frau, die also nicht eigentlich seine Frau ... also führe sie mit sich jederzeit.

 

Trotzdem, sagt er, ist das natürlich Geldmacherei, wenn auf dieser ihrer Reizgassprühdose nun hinten drauf steht, sie sei haltbar bis Juli 07.
Da muss sie sich sputen, sage ich, er aber macht eine verächtliche Handbewegung und meint, man müsste es testen. Also beispielsweise im August 07, müsste gucken, ob das Reizgas dann seine Wirkung verliere, was er persönlich sich ja nicht vorstellen könne.

 

Reizgas ist ein hübsches Thema, ich habe so eine kleine Szene im neuen Buch (PR on: merken Sie sich das), und weil mir das gerade wieder einfällt, sage ich, man müsse mit dem Reizgas aber aufpassen, wenn es so windig ist wie derzeit, dann hat man sich nämlich, steht man falsch und sprüht auch noch, selber ausgeknockt.
Dann muss man halt die Windrichtung prüfen, sagt der Taxifahrer.
Im Notfall?
So eine Reizgassprühdose müssen Sie natürlich beherrschen, sagt er, die ist nicht für jeden.
Das ist wahr.
Sie müssen mitten in die Augen, sagt er zum Abschied. Mitten rein.
Wie prüft man die Windrichtung?

 

 

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Astrid Paprotta ist Autorin, schreibt Kriminalromane und regelmäßig in ihrem Weblog. Aus letzterem stammt auch dieser Text, den sie uns freundlicherweise zur Verfügung stellt.