War was?

Frauen auf die Chefsessel

Unbeirrt vom Trend, machen sich jetzt zwei weitere Frauen auf nach oben. Doch Frau Ederer und Frau Panella sind immer noch Ausnahmen.

Heike Panella und Brigitte Ederer strafen - auf den ersten Blick - neueste Berichte Lügen, die sagen, dass sich seit vier Jahren nichts geändert hat: Dass nämlich gerade mal jede vierte Führungskraft in Deutschland eine Frau ist. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) errechnete, dass es in grossen Betrieben (mit mehr als 500 Mitarbeitern) sogar heutzutage immer noch nur neun Prozent Frauen in den Top-Etagen gibt. Die meisten Frauen sind nun mal nur in kleineren Betrieben oben angesiedelt. „Besonders dort, wo es um wirtschaftliche Macht geht, sind Frauen wenig vertreten“, so die ernüchternde Analyse der Arbeitsmarktforscherinnen.

Die beiden neuen Top-Frauen sind also in doppelter Hinsicht Ausnahmen. Sie sind weiblich, und sie haben es in Großunternehmen nach oben geschafft. Was machen die neuesten Aufsteigerinnen? Heike Panella wird bei der L'Oréal-Gruppe Geschäftsleiterin der Apothekenmarken (Vichy u.a.) - und mit ihr erstmals eine Frau Mitglied der Geschäftsführung der deutschen Tochtergesellschaft des weltweit größten Kosmetikkonzerns. Da möchte man fast schon rufen: Wird auch Zeit, dass Frauen das Ruder von Unternehmen übernehmen, die eigentlich Produkte und Dienstleistungen für eine vorrangig weibliche Kundschaft anbieten. Bei Siemens wird Brigitte Ederer die Personalchefin und Arbeitsdirektorin des Konzerns. So freudig die Nachricht, so schade, dass es auch hier wieder "nur" ein weiches und frauentypisches Ressort wie "Personal" ist.

Doch wollen wir mal nichts schmälern: Heike Panella sieht sich bei L'Oréal insbesondere als Vorreiterin in Sachen Vereinbarkeit und will zeigen, dass Karriere auch mit Kindern möglich ist. Inwiefern ihr das gelingt, hängt sicher weniger von ihren zwei Sprösslingen als vielmehr von der ihr tatsächlich zugestandenen Flexibilität am Arbeitsplatz und der Haltung ihrer Kollegen ab. Und dass Brigitte Eder in den Konzernvorstand gewählt wurde, zeigt, dass sich tatsächlich einiges verändert in der Unternehmenskultur von Siemens - einem Konzern, der sich gerne und immer mehr als einer mit besonderer Geschlechter- und Nationalitäten-Vielfalt im Management präsentieren möchte. (Jetzt hat Siemens mehr Frauen im Vorstand als jeder andere Dax-Konzern - nämlich zwei.) Zu hoffen ist, dass es nicht nur Fassade bleibt. Aber dafür wird wohl Brigitte Eder schon selbst sorgen. In ihrem vielseitigen Berufsleben hat die Sozialdemokratin schon mehrfach bewiesen, wie gerne sie Herausforderungen annimmt.