War was?

Frauen für das Bruttosozialprodukt

Die Nachricht ist in den Unternehmen angekommen: Honeymoon is over. Frau Schröder packt ihr Damoklesschwert aus.

Es waren zwei Meldungen, die Hand in Hand gehen: Experten sagen, Deutschlands Wirtschaft könne wachsen, wenn mehr Frauen (Vollzeit) arbeiten. Und die Familienministerin gibt Zuckerbrot und Peitsche für die deutsche Frauenquote, um damit "Firmen mit einer Quotendrohung zu verführen". Beides ist Wasser auf unsere Mühlen.

 

Aber hatten wir die Frauenquote nicht schon zigfach durch (die theoretische Diskussion zumindest)? Ja und Nein. Neu ist der Trick, den Kristina Schröder anwendet. Sie hat  "Unternehmen mit einer gesetzlichen Frauenquote gedroht, sofern diese nicht freiwillig dafür sorgen", dass der Anteil von Frauen in den Chefsesseln steigt. Konkret heißt das, eigentlich ist alles freiwillig, doch künftig wird den Unternehmen streng auf die Finger geschaut. Die sollen bald öffentlich dokumentieren müssen, wie es um den Frauenanteil bei ihnen steht. Die Selbstverpflichtung wird so zum Zwang. Und wenn bis 2015 das Ziel der 20-prozentigen Frauenquote in den Vorstandsetagen nicht erreicht ist, wird es noch mal strenger - dann kommt eine gesetzliche Quote. Es ist ein cleverer Schachzug. Wen wundert's, dass es da erstmal ordentlich Ablehnung hagelt. Die überwiegend männlichen Führungskräfte sind gegen eine Quote. Doch stichhaltige Argumente lassen sie vermissen.

 

"Das alles ist nicht nur ungerecht, es ist auch ökonomisch schlecht",  sagt ein Wirtschaftsexperte - und gibt damit dem Vorhaben Schröders ungewollt Schützenhilfe. Auch wenn die Beschäftigungsquote der Frauen in Deutschland im europäischen Vergleich recht hoch liege, so die Erklärung, haben sich die beruflichen Aufstiegschancen der Frauen nur gering verbessert. Weil sie meist nur Teilzeit arbeiten. So schaffen sie es nie in die Mittel- und Topetagen. Wenn aber mehr Frauen voll erwerbstätig wären, könnten sie dadurch zur Antriebsfeder der deutschen Volkswirtschaft werden.

 

Kristina Schröder hat Recht - es liegt vor allem an der Arbeitskultur, dass Frauen so dürftig in den Topetagen vertreten sind. Nämlich nicht etwa, weil sie nicht ambitioniert genug wären oder sie es sich nicht zutrauten. Nein, das Problem ist: Solange für den, der Karriere machen möchte, das unweigerlich ein Mörderjob mit "Arbeiten ohne Ende" bedeutet, bleiben Frauen mit Familie unweigerlich außen vor. Weil es nicht machbar ist. Und so kann man - wie Kristina Schröder - nur massiv für eine Abkehr von den 60- bis 80-Stunden-Wochen plädieren. Das käme allen zu Gute und wäre indes gewiss auch vielen Männern willkommen. Und Deutschland könnte dann auch "weiblicher wachsen".