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Frauen im Science Fiction-Film

„Where no woman has gone before”: In den unendlichen Weiten des Weltraums ist scheinbar kein Platz für alternative Gesellschaftsmodelle, in denen mehr Gleichberechtigung als auf der guten alten Erde herrscht.

Während Captain Kirk & Co. den ganzen Spaß haben, und sich auch im fortgeschrittenen Alter noch als Frauenhelden beweisen dürfen, bringt Lt. Uhura aus der altgedienten Serie „Star Trek“ auch nach 25 Jahren Dienst bei der Sternenflotte noch immer leise seufzend Scotty das Mittagessen. Wie kommt es also, dass ausgerechnet die Science-Fiction, die sich ja die Zukunft auf die Fahne geschrieben hat, oftmals so reaktionär daherkommt?

Science Fiction ist wie kaum ein zweiter medialer Sektor eine Männerdomäne. Inhalte und Figuren waren von Männern und für Männer konzipiert; Frauen stellten lange Zeit keinen signifikanten Anteil an SF- Konsumenten, und waren nur in geringem Maße an der SF-Produktion beteiligt.

Doch Science Fiction bezieht sich in ihrem utopischen Gehalt oft auf Veränderungen in der realen Welt, und so nimmt es nicht wunder, dass zeitgleich mit dem Aufkommen der modernen Emanzipationsbewegung Ende der 60er, Anfang der 70 Jahre in der SF-Literatur die Geschlechterfrage von Autorinnen wie Marion Zimmer Bradley und Ursula K. Le Guin erstmals thematisiert wurde.

Vor rund 25 Jahren veränderte sich dann auch die filmische Science Fiction. Nicht nur, dass neue Denkmodelle präsentiert wurden, auch die handelnden Figuren erhielten mehr Tiefe. Comic-Helden wie Flash Gordon oder Buck Rogers verließen die Leinwand zugunsten von stärker ausdifferenzierten Charakteren wie dem „Blade Runner“. Dadurch fanden auch neue Frauenbilder Einzug in die Kinos. Der Film „Alien“ präsentierte erstmals eine Heldin, die mit ihrer filmischen Vorgängerin „Barbarella“ nur noch den Beruf der Astronautin gemein hat.

Seither hat sich einiges verändert. In modernen SF-Filmen sind Frauen Wissenschaftlerinnen oder Raumfahrerinnen, Sternenprinzessinnen oder Space Marines. Doch obwohl die neunziger Jahre und das aktuelle Jahrzehnt wahrlich nicht arm an SF-Blockbustern wie etwa „Star Wars“, „Sunrise“, „I, Robot“ oder „Red Planet“ waren – sind die handelnden, aktiven Figuren nach wie vor meist Männer. Frauen, egal wie kompetent und durchsetzungsfähig, haben dagegen noch immer den passiven Part inne, sei es als „love interest“ oder helfende Hand des Helden. Zwar dürfen Frauen an Bord eines Raumschiffs mittlerweile auch mal zur futuristischen Waffe greifen, meist jedoch nur, um den Geliebten oder die Bordkatze zu verteidigen.

Angenehme Ausnahmen von dieser Regel stellen zwei SF-Serien der letzten Jahre dar: Joss Whedons „Firefly“ und die aufwändige Neuverfilmung der 70er Jahre-Serie „Kampfstern Galactica“. In Whedons Western-Sci-Fi gibt es an Bord des Frachtschiffs „Serenity“ nicht nur mit Zoe einen schlagkräftigen weiblichen Ersten Offizier, sondern auch die liebenswerte Mechanikerin Kaylee und eine nicht uncharmante, toughe Antagonistin. Und zum neuen Erfolg der bereits reichlich angestaubten „Galactica“ trug erheblich bei, dass der Charakter Starbuck nun von einer Frau verkörpert wurde: nicht nur eine kontroverse Pilotin, sondern auch einer der stärksten Charaktere an Bord. Auch Präsidentin Laura Roslyn bleibt im Seriengeschehen eine glaubwürdige Figur, trotz ihres schweren Standes innerhalb der Militärhierachie.

Beide Beispiele, und ihre positive Rezeption bei den männlichen und weiblichen Fans, lassen für die Zukunft hoffen. Science Fiction kann auf besondere Weise über den tatsächlichen Status Quo hinausgehen, kann aktuelle Entwicklungen weiterdenken und mögliche Konsequenzen formulieren. Es wäre zu schade, wenn das Genre diese Möglichkeiten nicht auch weiterhin nutzen würde, um eigenständige und interessante Frauen zu zeigen, um starre Rollenschemata aufzubrechen - und sich schließlich doch noch auf den Weg dorthin zu machen … „where no women has gone before“.

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Natalja Schmidt ist bekennender SF-Fan und führt seit 2005 gemeinsam mit Julia Abrahams die Literaturagentur „Schmidt & Abrahams“, die sich auf die Vermittlung von Fantasy, Historischen Romanen, Science Fiction und Krimis spezialisiert hat.

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Bildnachweise:

1. „Frau im Mond“. Ein Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1929. DVD-Cover (Eureka Entertainment 2008). 
2. „Battlestar Galactica“. DVD-Cover (Universal Pictures UK, 2005).