Abgefragt

"Frauen sollten nicht bemitleidet werden" Teil 1

Auch bei mir war es ein Mittwoch, an dem ich zur Männerrunde einlud. Aber nicht in den szenigen Prenzlauer Berg, sondern in den echten urigen, alten Wedding. Da, wo noch richtige Arbeiter und solche, die es gerne wären, wohnen. Das Gespräch habe ich allerdings mit zwei Studenten geführt. Anton ist 26 und wohnt alleine. Carlos ist 25, ebenfalls Student, wohnt auch alleine, hat aber schon eine Tochter im Alter von 6 Jahren.

Auf Wunsch der beiden habe ich die Namen geändert. Der Rest stimmt.

Von: Claudius Holzwarth, Fotos: Therrien (sxc.hu), Ortrun (Flickr.com) u. Holzwarth

vom 20.11.07

Tun euch Frauen leid?

Anton: Nein. Wieso sollten sie uns denn leid tun? Frauen sehen toll aus, werden von den Männern angesprochen, warum sollten sie uns leid tun?
Carlos: Ich finde auch, Frauen sollten nicht bemitleidet werden.
Anton: Also diese Menstruationssache ist schon Scheiße.
Carlos: Ja, und Kinder kriegen ist auch hart ... Da gibt’s so einen Spruch, den ich irgendwie cool fand: Ich bin eine Lesbe, gefangen in einem Männerkörper.

 

Habt ihr eure Lebensgefährtin gewählt?

Anton: Das kann man nicht wählen. Das ist halt so ein Gefühlsding. Von dreien passt es bei einer, und wenn man dann zusammenkommt, ist es schön. Es ist ja nicht so, dass man nimmt, was kommt.
Carlos: Ja, schon. Sicher basiert vieles auf Zufall, aber je länger eine Beziehung dauert, desto gewollter ist es doch. Je länger die Beziehung, desto weniger Zufall. Also ja, schon persönlich ausgesucht.
 

Was bezeichnet ihr als weiblich?

Carlos: Brüste!
Anton: Kurven!
Carlos: Katzen! Und rumzicken, wobei ich auch Männer kenn', die verdammt gut zicken können...
Anton: Zartheit ist weiblich oder das Wort gefühlvoll. Das ist auch sehr weiblich.
Carlos: Du brauchst noch irgendwelche Charaktereigenschaften, oder was willst du eigentlich hören? Also fürsorglich sein ist zum Beispiel total weiblich, find ich. Oder so gut zuhören wie Frauen, können Männer auch nicht. Weißt du, was ich meine? Also Frauen haben halt dieses Helfersyndrom.
Anton: Nee!
Carlos: Na gut, gibt auch Männer, die ein Helfersyndrom haben.

 
Warum müssen wir Frauen nicht verstehen?

Anton: Weil wir Männer sind.
Carlos: Weil das ein Vorurteil ist. Weil man(n) das entweder nicht will oder weil einfach nicht alles relevant oder wichtig ist, was die Frauen sagen. Also, ich will das jetzt nicht so absolut sagen, aber ich hab zum Beispiel keine Lust, über Kalorien und Kochen oder so was zu sprechen. Ach, ich finde diese Frage kategorisierend! Sexistisch! Vorurteilsbeladen!
 

Beneidet ihr Tiere, die ohne Hoffnung auszukommen scheinen, z.B. Fische im  Aquarium?
Anton: Nein.
Carlos: Nö. Gehört doch dazu, also Trauer und so.
Anton: Wenn man das beneiden würde, heißt das doch, dass man mit dem menschlichen Leben nicht zurechtkommt und lieber ein Tier sein will.

 
Welche Hoffnung habt ihr aufgegeben?

Carlos: Irgendwann Geld zu haben. Ich hab nämlich gemerkt, dass Geld Quatsch ist. Also, die Hoffnung war mal, Geld zu haben, aber wenn man nicht 1000% dahinter steht, wird das nichts.
Anton: Hoffnungen sind Erkenntnissen gewichen. Ich hab die nicht aufgegeben. Sie sind halt den Erkenntnissen gewichen. Ich hab die Hoffnung verloren oder aufgegeben, und die Erkenntnisse gewonnen.

 

Sind denn Träume und Hoffnungen nicht eigentlich das Gleiche?

Carlos: Ich glaube nicht, dass Hoffnung Träume sind. Träume sind weiter gefasst. Oft unerreichbar.
Anton: Aber Hoffnungen können auch unerreichbar sein.

 

Wenn ihr jemanden mit einer unheilbaren Krankheit kennt, macht ihr ihm dann Hoffnung, die ihr selbst als Trug erkennt?

Anton: Kommt auf die Situation an. Wenn er es braucht, dann ja.
Carlos. Man könnte ja mit Alternativen kommen. Ich würde es so drehen, dass er die Zeit, die er noch hat, sinnvoll nutzen soll. Ich will ihm keine falschen Hoffnungen machen, sondern ihn ablenken. Ihm Alternativen zeigen.


Wenn Sie die auch Fortsetzung dieses Interviews lesen möchten, dann schauen Sie doch demnächst in dieser Rubrik wieder vorbei!

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Die Fragen stammen aus dem Buch „Fragebogen“ von Max Frisch