Abgefragt

"Frauen sollten nicht bemitleidet werden", Teil 2

Hier nun der lang ersehnte zweite Teil meiner Männerinterviewrunde, in dem Carlos und Anton über Humor und ihre Ansichten über Freundschaften erzählen. Carlos und Anton sind 26 und 25 Jahre und wohnen beide im Wedding. Auf ihren Wunsch hin habe ich ihre Namen geändert. Viel Spaß beim Lesen.

Von: Claudius Holzwarth, Foto: twelvetwentynine|nancy schwade via ipernity.com

vom 05.12.07

Habt ihr Humor, wenn ihr alleine seid?

Carlos: Klar, na ja, also bei mir ist das mehr so ein innerliches Grinsen.
Anton: Ja, ich lache schon über mich selbst, zum Beispiel bei eigenen kleinen Missgeschicken, zum Beispiel wenn ich stolpere. Oder wenn ich im gelben Regencape auf dem Fahrrad durch die Stadt fahre. Dann sehe ich mich selbst und muss lachen. Aber auch, wenn ich endlich ein schwieriges Telefongespräch mit Erfolg hinter mich gebracht habe, eines, das ich so ewig vor mir hergeschoben habe, dann geht’s mir richtig gut, und ich freu mich über mich selbst. Sehr überschwänglich. 

Kennt ihr Tiere mit Humor?

Anton: Nö, also ich amüsiere mich manchmal über Tiere, aber ich hab eh nicht so den Bezug zu Tieren.
Carlos: Nein. Also ich lach auch über Tiere, aber selbst haben die doch keinen Humor. Wenn, dann wäre der aber bestimmt ein sehr schwarzer...
Anton: Schwarzer Humor ist ja eh der beste ...
Carlos: Ach so, wenn dann Katzen, die haben bestimmt Humor, die grinsen immer so komisch. 

Gesetzt den Fall, ihr glaubt an einen Gott: Kennt ihr Anzeichen dafür, dass er Humor hat?

Anton: Wieso denn „gesetzt den Fall“? Natürlich glaube ich an Gott. Und natürlich hat er auch Humor. Gott ist doch in uns allen. Dann hat er auch Humor. Er hat ihn ja schließlich auch erfunden.
Carlos: Also ich weiß nicht. Bei all den absurden Dingen auf der Welt. Da kann ja nur Gott drauf kommen. Ich glaub aber irgendwie nicht, dass das was mit Humor zu tun hat, ich glaub eher, dass Gott sadistisch veranlagt ist. Hat Dante nicht was über Humor geschrieben? Moment, ich schau mal. (Er schaut, findet aber nichts.)

Haltet ihr die Dauer einer Freundschaft für einen Wertmaßstab dieser?

Carlos: Eigentlich schon. Es kommt aber nicht wirklich auf die Dauer an, sondern auf die Intensität.
Anton: Bei einer Freundschaft ist Zeit kein Faktor. Ich glaube auch, dass es wirklich auf die Intensität ankommt. Freundschaften können sich aber auch abflachen, weil man sich einfach auch verändert. Jeder verändert sich ja, das ist doch normal.
Carlos: Ich hab 'nen Kumpel, den kenn ich schon 15 Jahre. Wir sehen uns vielleicht zweimal im Jahr, aber wenn, dann ist das nicht nur Small Talk. Das ist immer wieder spannend, find ich. Dass wir uns nach so langer Zeit immer noch so viel zu sagen haben, obwohl wir uns so wenig sehen.
Anton: Ich kenn das auch mit Freundschaften, die man selten sieht, aber das Level verändert sich nicht. Und wenn man dann immer über das Gleiche spricht, suche ich mir dann lieber neue Freunde.
Carlos: Also muss sich für dich eine Freundschaft weiterentwickeln?
Anton: Nun ja, wie gesagt, man ändert sich ja auch.
Carlos: Ist aber auch 'ne schwierige Frage. Ich hab da auch so Leute an der Uni, da will ich gar nicht, dass sich das entwickelt ... 

Was fürchtet ihr mehr: das Urteil eines Freundes oder eines Feindes?

Beide: Das eines Freundes.
Anton: Bei 'nem Feind ist mir das egal. Da kann ich den Modus einschalten: hey den kenn ich nicht, ist mir doch egal, was der sagt. Von einem Freund trifft mich das mehr. Freundschaft kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden.
Carlos: Also bei mir hört die Freundschaft bei Ungerechtigkeit auf oder wenn der andere sehr beleidigend wird. 

Wieviel Aufrichtigkeit ertragt ihr von einem Freund?

Carlos: 90%. Lacht. Na ja, kommt halt auch wieder auf die Intensität an.
Anton: Ich finde, das kommt auf den Kontext an.

Wie steht ihr zu Säuglingen?

Anton: Ach herrje!
Carlos: Es gibt ja Mütter, die bis drei säugen. Das sind ja dann immer noch Säuglinge. Lacht. Ansonsten eher neutral. 

Aber du hast ja ein eigenes Kind? Wie war das da bei dir?

Carlos: Du kannst als Mann ja nicht viel machen am Anfang. Die Mutter säugt halt ... Und es gibt ja am Anfang kaum richtiges Feedback. Aber trotzdem hast du ja diese Hormone (ausgeschüttet), die dich dieses Kind lieben lassen.
Anton: Ich glaube, ich könnte da erst etwas zu sagen, wenn ich selbst Vater wäre. Sonst hatte ich bisher nicht so den Bezug dazu. 

Möchtet ihr mit vollem Bewusstsein sterben oder lieber plötzlich, z.B. durch einen herabfallenden Ziegel?

Carlos: Also dann schon lieber Ziegel.
Anton: Das ist keine Frage von wollen, sondern das entscheidet der liebe Gott ...
Carlos: ... mit Humor.


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Die Fragen stammen aus dem Buch „Fragebogen“ von Max Frisch