Babe der Woche

Frauengold

Sie sind hysterisch? Weil Weihnachten vor der Tür steht und ihnen einfach alles zuviel wird?

Dann sind Sie hier genau richtig. Denn hier können Sie entspannen – mit „Frauengold“ als Wundermittel gegen Stress jedweder Art.

In den 1950er Jahren wurde „Frauengold“ als ein rezeptfreies Herz-Kreislauf-Tonikum auf den Markt gebracht, um missgelaunten Frauen zu einer besseren Stimmungslage zu verhelfen: Das Produkt versprach eine beruhigende und besänftigende Wirkung – und ganz nebenbei auch der Männerwelt, aus einem weiblichen Quälgeist endlich ein allgemein verträgliches Wesen zu machen. Ob es nun die Ehefrau war, die daheim von Haushalt und traditioneller Rolle frustriert aufschrie, oder doch eher die Sekretärin, die im Vorzimmer saß und an einem Gegenimperium zum Chefsessel bastelte – mit „Frauengold“ sollten die Dinge wieder ins Lot kommen. Und die neue Zeit zu alter Ordnung zurückfinden?

So oder so. Einige Werbespots, mit denen das Mittel beworben wurde, verraten jedenfalls heute noch, wie wundersam-schauerlich das Frauenbild war, das die Reklame damals pflegte: Da gibt es zum Beispiel den Spot, der zeigen möchte, wie Frauen – auch ohne Kapern – im Leben besser klar kommen können: „Hallo?! Frauengold nehmen!“ Oder wie man nach einem Streit mit dem „Herrn Direktor“ wieder zurück auf den Teppich findet: „Hallo!? Frauengold nehmen! Ja, Frauengold nehmen – und man kann über den Dingen stehen und objektiver urteilen.“ Ganz zu schweigen von den Slogans, mit denen das Mittel um seine weibliche Kundschaft buhlte und in denen man, um möglichst viele anzusprechen, auch mal bei dem kleinsten gemeinsamen Nenner landete: bei Menstruationsbeschwerden. „Frauengold schafft Wohlbehagen – wohlgemerkt: an allen Tagen!“ Frauen, die Probleme machen, sind halt oft nur etwas indisponiert.

Dass das Wundermittel heute aus dem Handel so spurlos verschwunden ist, liegt aber nicht an den überholten Klischees, die „Frauengold“ in seiner Vermarktung bemühte. Das Bundesgesundheitsministerium nahm das Präparat im Jahr 1981 vom Markt, weil es Stoffe enthielt, die als gesundheitsschädigend eingestuft wurden. Um die 16,5 Prozent Alkoholgehalt, die das Präparat hatte, ging es dabei aber noch lange nicht. Auch wenn die –„an allen Tagen“ geschluckt – vermutlich auch nicht ganz ohne Wirkung waren. Vielleicht lag auch gerade hierin der große Erfolg des Präparats begründet.

Um Missverständnisse zu vermeiden: „Frauengold“ kann auch heute noch herrlich entkrampfen. Und wir präsentieren Ihnen das Zeug gerne – aber natürlich nicht als Tipp für den Apothekerschrank, sondern als unser „Babe der Woche“ und Lachnummer der besonderen Art. Auf dass der Weihnachtsstress nicht nach Ihren Nerven greift!