Anderswo

Frausein 2.0

So anders als gestern?

Zwei Jahre nach der großen Aufschrei-Debatte macht sich ein Meinungsmagazin daran, einmal Bilanz zu ziehen: In seiner aktuellen Ausgabe hinterfragt The European, wie Frauen in unserer Gesellschaft gesehen werden. Das Thema birgt wahrlich Zündstoff – seit mehr als 100 Jahren nun schon. Und doch stimmt das Erreichte bis dato eher wolkig als heiter: „Es hat sich kaum etwas geändert“, so schreibt die Redaktion. „Schlimmer noch, der Kampf um die Emanzipation der Frau wird noch immer mit Argumenten aus dem 19. Jahrhundert geführt.“

 

Eine steile These? Wer auch immer sich zum Frausein heute äußert, wird eines in der Tat feststellen müssen: Man tappt schnell in eine zwar lebhafte – aber zugleich uralte – Kontroverse hinein. Es herrscht noch immer der Verdacht, beide Geschlechter seien am Ende viel zu verschieden, um wirklich – in Beruf sowie Alltag – Gleiches zu wollen. Oder sogar zu können! Woran aber mag es nur liegen oder wodurch sich sonst erklären, dass unsere Flugzeuge so selten von einer Frau mal gelenkt werden, und daheim nicht scharenweise Männer die Waschmaschinen bedienen?

 

Fragen wie diese brennen uns weiter unter den Nägeln. Und deshalb lohnt sich bestimmt auch der Griff zum Heft, in dem die Redakteurin Julia Korbik etwa ein Streitgespräch mit einem Kollegen darüber führt, wo wir inzwischen angelangt sind: Ist die Emanzipation wirklich gar kein Thema mehr für uns, das einem schlaflose Nächte bereiten kann? Geht es hier lediglich um so ein „70er Jahre Mann-Frau-Ding“ – über dem schon eine dicke Staubschicht ausgebreitet liegt? Einige historische Texte, die anderswo im Magazin zu lesen sind, mahnen eher zur Vorsicht. Mit diesen wird nämlich zurückgeblendet und ausgeleuchtet, wie einst einmal das Anderssein von Frauen begründet und beschworen wurde. „Eine historische Debatte mit erschreckend aktuellen Argumenten“, wie es hierzu im Heft heißt.