Weibchenschema

Genug gewartet

Frau Reding geht die Geduld aus.... Die EU-Justiz-Kommissarin will Ernst machen und erwägt eine gesetzliche Frauenquote für Europa.

Dabei war EU-Kommissarin Reding mehr als gewillt, es auf freiwilliger Basis zu versuchen. Sie ist, so sagt sie von sich selbst, kein Fan gesetzlicher Quoten. Doch dort, wo zu lange Zeit zu wenig passiert, sieht sie diese als probates Mittel an. Das heißt: Wenn die Unternehmen nicht bald mehr Willen zur Veränderung der “männlichen Monokultur” beweisen, schafft die EU Tatsachen.

 

Magere Zwischenbilanz

Gerade die deutsche Wirtschaft hat sich in einer Hinsicht nicht gerade beispielhaft hervorgetan. Redings Aufruf zur freiwilligen Selbstverpflichtung der Firmen, mehr Frauen in die Topetagen zu bringen, stieß auf magere Resonanz. Konkret hatte Viviane Reding 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 in die Aufsichtsräte und Vorstände gefordert. Es hatten gerade mal 24 Unternehmen unterzeichnet -  “darunter kein einziges deutsches”, rügt sie. Der Erfolg ist entsprechend dünn. In dem seit der Selbstverpflichtung verstrichenen Jahr ist der Frauenanteil in den Spitzengremien der börsennotierten Unternehmen Europas nur von zwölf auf vierzehn Prozent gestiegen.

 

Verdrossenheit

“Bei dem Tempo brauchen wir noch 40 Jahre, um ein ausgewogenes Verhältnis von 40 Prozent Frauen zu erreichen”, erklärt Reding nüchtern in einem Interview mit der “Welt”.

Dass es “kaum Veränderung in der massiven Unterrepräsentanz von Frauen in den Spitzengremien großer Unternehmen in Deutschland” gibt, hatte auch das “Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung” (DIW) vergangenes Jahr festgestellt. Am akademischen Nachwuchs liegt es nicht. Von den Studienabsolventen sind immer mehr weiblich. Auch in Naturwissenschaften und Mathematik steigt der Frauenanteil kontinuierlich. Für Elke Holst vom DIW ist der Fall klar: “Der anhaltend extrem geringe Anteil von Frauen in Top‐Gremien großer Unternehmen deutet auf verfestigte Strukturen und eine erhebliche Resistenz gegen Veränderungen hin.” Sogar die große Chance, das Geschlechtermissverhältnis im Zuge der Finanzkrise - in der es vielfach Neubesetzungen von Entscheidungsgremien gab - neu zu mischen, sei vertan worden.

Mit Ruhm bekleckert hat sich niemand. Dass trotzdem wenigstens ein bisschen in Bewegung gekommen ist, dazu haben in Viviane Redings Augen - bei aller Kritik - immerhin dennoch Deutschland und Großbritannien etwas beitragen können. Beide Länder haben bei den Spitzenfrauen von 13 auf 16 Prozent erhöht. Warum das überhaupt nennenswert ist? Weil sie zu denen gehören, wo überhaupt etwas passiert. “In zwei Dritteln der Mitgliedsländer sehen wir nur Stillstand, das ist völlig ungenügend, ja, lächerlich.”