Women only

Gestresst, in Zeitnot und reif für die Insel.

Rezepte für Multitasker? Her damit!

Gehören Sie vielleicht auch zu denen, für die ein Tag mit 24 Stunden eindeutig zu kurz ist? Die manchmal wie unter Strom stehen, obwohl vielleicht gerade endlich mal Seelebaumeln angezeigt wäre? Lange galt es als schick, sich als Multitasker zu outen, in der einen Hand den Telefonhörer, mit der anderen einen Kaffee aufschütten, nebenbei den Spross Vokabeln abfragen.

 

Stress ist Gift für Körper und Seele, das wissen wir alle. Nur, wie kann man sich dem entziehen, sieht man von gelegentlichen Auszeiten in Klöstern oder auf einsamen Inseln ab? Wenn selbst Entspannungstechniken, die bloß fünfzehn Minuten Zeit in Anspruch nehmen, sich nicht mehr in den Tagesablauf integrieren lassen? An Angeboten wie „Wohlfühltage“ oder „Ein Wochenende für mich allein“ mangelt es nicht. Wenn erst das Herz rast und die Ohrgeräusche sich nicht mehr wegdenken lassen, möchte man seinem Arzt am liebsten an die Gurgel gehen (und fühlt sich wie ein Simulant), wenn er gefällig mutmaßt: „Haben Sie vielleicht Stress? Dann sollten Sie etwas kürzer treten.“ Das Rezept dazu wird leider nicht mitgeliefert.

 

Mir tun alle Kinder leid, die nach der Schule den Musik-, Englisch- und Sportunterricht besuchen und an den restlichen Tagen Logopädie, Ergotherapie und Kieferorthopädie ihren Alltag nennen. Nichts gegen Aktivitäten in jungen Jahren - kurativ und von mir aus auch präventiv -, es boome die Frühförderung, aber bitte in Maßen! Tragisch auch die vielen Beispiele der Menschen, die sich nach jahrelanger Schufterei auf die Zeit als Rentner freuten und plötzlich- wie ausgeknipste Lampen- verstarben, so als sei ihnen die ungewohnte Ruhe nicht bekommen!

 

Sicherlich ist ein Teil von Stress hausgemacht, auf diesen Trichter kam ich vor einigen Jahren und besuchte höchst motiviert ein Seminar „Zeitmanagement für Frauen“ (auf dem Weg dahin baute ich übrigens meinen ersten Autounfall; glimpflich, aber verursacht durch Hetzerei). Dort lernte ich, To-Do-Listen zu erstellen und anstehende Aufgaben in Prioritäten von A bis C einzuteilen. Zwei Wochen lang führte ich akribisch ein Tagebuch, das bei der späteren Auswertung Zeiträuber entlarven sollte. Diese sind mir nun hinreichend bekannt, doch sie lassen sich nicht aus meinem Alltag verbannen. Bleibt nur die Hoffnung auf den nächsten Klosteraufenthalt - Luxus: Stille. Und das alarmierende Gefühl, zeitweilig wie ein Roboter zu funktionieren. Als einer von vielen.