Anderswo

„Gesunde Ernährung kann ganz schön krank machen“

Wenn es um Essen geht, ist er ein vielgefragter Fachmann. Mit seinen ungewöhnlichen Thesen schafft er sich gleichermaßen viel Freunde wie Feinde. Udo Pollmers ist bekannt für seinen Plädoyers gegen den Bewegungsterror, den Muskel- und Schlankheitswahn und die Wellness-Hysterie.

Von: Bärbel Kerber, Fotos: photocase.com und kiwi-Verlag

vom 06.11.06

Er weiß ziemlich genau, was er isst und was dem Verdauungstrakt des Menschen gut tut. Udo Pollmer ist Ernährungswissenschaftler (Wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften - EU.L.E.) und hat schon so manchem die Augen geöffnet. Zum Beispiel warnt er vor übermäßigem Verzehr von Vollkornprodukten und rohem Obst und Gemüse. Vielen Leuten tue das einfach nicht gut. Sie überstrapazierten ihren Magen und Darm damit. Die ganze Vollwertfraktion steht selbstverständlich Kopf. Nicht zuletzt, weil er mit Worten nicht wählerisch umgeht.

 

Genüßlich rechnet er in seinen Büchern mit Ernährungsirrtümern und Fitnessirrtümern und allerlei Heilslehren der  "Zu-salzig-zu-süß-zu-fettig"-Schulen ab. Letztendlich sind es nicht nur die Halbwahrheiten wie "Kaffee entzieht dem Körper Wasser", die er unter die Lupe nimmt. Es geht ihm auch besonders darum, eine andere Einstellung zum Körper und dessen Bedürfnissen zu entwickeln.

 

Und deshalb sorgt er sich um die Essgewohnheiten vor allem der Kinder und jungen Leute. Eindrücklich warnt er vor der Macht der öffentlichen Bilder. Seit auf den Fidschi-Inseln „Baywatch“ im Fernsehen laufe, so Pollmer zu EMMA, fingen „..die Fidschi-Mädchen kollektiv an zu hungern und kotzen jetzt auch.“ Überraschte es irgendjemanden, dass er Ernährungsberaterinnen auf dem Kieker hat?  Nicht weniger hat er es auf die europäische Diätindustrie abgesehen.

 

Hierzu und vielem anderem gab er der Zeitschrift „EMMA“ ein Interview:

 

EMMA: In Ihrem Buch ‚Esst endlich normal!‘ beklagen Sie, das Thema Essen sei in unserer Gesellschaft zu einer Art Ersatzreligion geworden.

 

Pollmer: „Früher glaubten die Menschen, sie kämen ins Paradies, wenn sie nur hart genug arbeiteten und sich vor fleischlichen Versuchungen in Acht nähmen. Jetzt winkt ihnen das Paradies bereits auf Erden, wenn sie sich beim Essen kasteien…..

Inzwischen liegt in deutschen Großstädten die Rate der pubertierenden Mädchen, die erbrechen, notorisch Abführmittel nehmen und ständig auf Diät sind, bei bis zu 30 Prozent. Seit in den Kindergärten diese Fünfmal-am-Tag-Obst-Kampagnen laufen, sind die jüngsten Essgestörten, die in der Klinik landen, vier Jahre alt. In einen Kindergarten gehört keine dürre Ernährungstussi, sondern eine gestandene Köchin!

 

Zum ganzen Interview geht es hier lang!