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Gewissensbisse, aber nichts zu bereuen

Catherine Deneuve gestattet zum ersten Mal einen kleinen Einblick in ihr wohl gehütetes Privatleben. Offen, ehrlich und humorvoll erzählt die Künstlerin über ihre Arbeit, die sie leidenschaftlich liebt, bei der sie aber auch oft einsam war und an ihre Grenzen stieß.

Von: Beatrix Altmann, Fotos: Random House/ Diana-Verlag

vom 18.01.07

„Kleine Hefte, intime Drehtagebücher, stille Mitwisser meiner Zweifel. Skizzen. Ein paar Gewissensbisse, aber nichts zu bereuen.“ So beginnen die Tagebücher einer der außerge­wöhn­lichsten Schauspielerinnen unserer Zeit: Catherine Deneuve, die Grande Dame des französischen Films, hat ihre Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Notizen, über vierzig Jahre zusammen getragen, die ursprünglich verschlossen bleiben sollten.

 

Angereichert werden die Erinnerungen durch unveröffentlichte Fotos aus der Kindheit, Jugend, sowie Bildern, die sie selbst während der Dreharbeiten aufgenommen hat. 

 

Wer oder was die Aktrice letztendlich bewogen hat, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit einem Lesepublikum zu teilen, bleibt ihr Geheimnis. Große Skandale oder Klatsch hinter den Filmkulissen gehören jedenfalls nicht zu den (sicherlich dennoch wohl dosierten) Eintragungen der Schauspielerin, die durch den Francois-Truffaut-Film „Die letzte Metro“ (1980) Weltruhm erlangte.

 

Vielmehr erzählt sie von den Dreharbeiten mit den großen Filmemachern: Alfred Hitchcock, Luis Bunuel, Francoise Truffaut und Lars von Trier. Es liest sich ein wenig wie das „Who’s who“ des internationalen Films, lässig, mit viel Selbstverständlichkeit und auch einem Gefühl der Langeweile notiert: „Fotos mit Jerry Shatzberg. Überraschend treffe ich Roman Polanski, der mich zu einem Glas im ‚Stardies“ überredet, wo wir auf Warren Beatty stoßen, ein Schmeich­ler. Ich bekomme schlechte Laune und bin froh, mit Roger Vadim zu Abend zu essen. Seine Lang­mut, oft aus Schwäche, hat manchmal etwas sehr Tröstendes.“

 

Die 62-Jährige, die oft als kühl und geheimnisvoll beschrieben wurde, gibt sich in ihren Aufzeichnungen allerdings auch selbstkritisch und mutlos, die immer mit der Zerrissenheit einer berufstätigen und ständig reisenden Mutter zu kämpfen hatte (sie hat einen Sohn aus der Beziehung mit dem Regisseur Roger Vadim und eine Tochter mit Marcello Mastroianni).

 

Beide Liebschaften beschäftigten die internationale Presse, die gern mehr Details aus dem Privatleben der blonden (und ehemals dunkelhaarigen) Diva erfahren hätte. Zu erwarten wäre, dass sie über ihre Gefühle zu den Vätern ihrer Kinder ebenfalls Tagebuch geführt hat.

 

Doch weit gefehlt: Die Jüngste von drei Schwestern, die 1956 in dem Film „Junge Rosen im Wind“ debütierte, schweigt nämlich auch darüber. In einem Interview mit Pascal Bonitzer im Anhang erläutert sie warum: „Ich habe eher den Eindruck, die Tagebücher haben immer dazu gedient, etwas auszugleichen, sei es diese Form von Traurigkeit, sei es das Fehlen von irgendwas, auch von Gefühlen …“

 

Dagegen berichtet die Mimin sehr detailliert über ihre Arbeit, die selten etwas mit dem Leben eines Stars gemein hat. Denn auch für eine preisgekrönte Schauspielerin besteht der Tag hauptsächlich aus Arbeitsgesprächen, langen Reisen in Flugzeug oder Bahn, Reibereien mit Regisseuren und Kollegen und unendlichen Wartezeiten.