Babe der Woche

Grazia

Und NOCH eine Frauenzeitschrift. Willkommen im Club der Flachheiten

Auf den Laufsteg der Kioske tritt eine „neue“ Frauenzeitschrift. Nur wirklich neu ist daran nix. Wer meint denn, wir brauchen das? Eventuell die gleiche Sorte Männer, die auch meinen, „High Heels dienen der Emanzipation“? Also bei mir bringen die nur Blasen. Ich nenne sie (die High Heels) deshalb auch Taxischuhe – Schuhe, in denen man nicht gehen kann, sondern nur im Taxi von A nach B kommt. Ich habe fünf wunderschöne Paare davon, und alle stehen nahezu ungetragen im Schrank.


Verleger und Chefredakteur - beide männlich - sind der Ansicht, mit einem wöchentlichen Modemagazin in eine Marktlücke zu stoßen. Welche Marktlücke?, mag frau da rufen. „Die erste Ausgabe von Grazia ist da - und die Welt dreht sich erstaunlicherweise weiter. Es gibt auf 134 Seiten: Mode, Beauty, Stil, Sex, Schicksale,“ bringt es die Süddeutsche auf den Nenner.


Dass behauptet wird, „hier entsteht etwas Neues, was es so noch nicht gab,“ ist gewagt. Vielmehr wird da wohl von den Grazia-Herausgebern darauf gesetzt, auf den Weiden anderer zu grasen. Trotz oder gerade deshalb – jedenfalls war der Start ein erfolgreicher. Warten wir es ab. Noch wird es sich zeigen müssen, wie lange das hält, vor allem wenn der billige Einführungspreis angehoben wird und die erste Neugier befriedigt ist.


Der Untertitel ist Programm: „Jede Woche – Fashion & News“ (wobei sich die „News“ hier selbstverständlich auf die um Angelina Jolie, Kate Moss und Madonna beziehen und nicht auf Afghanistan, Klimawandel und Hartz IV). Ja, wir wissen, die Welt darf auch bunt und schön sein und auch wir wollen uns gut kleiden und mit hübschen Dingen umgeben. Doch ein weiteres Magazin, das Frauen auf Äußerlichkeiten und flachen Tratsch einengt, brauchen wir wirklich nicht. Weil es davon schon genug gibt. Finden wir. Und deshalb ist „Grazia“ für uns das „Babe der Woche“.