Fürs Auge

Grellbunte Freakshow

Ironische Inszenierung der üblichen Verdächtigen.

Von: Verena Manhart, Fotos: www.davidlachapelle.com

vom 30.03.07

Hollywood mal anders. Der amerikanische Mode- und Lifestyle -Photograph David LaChapelle überzeichnet und entzaubert die Traummaschine USA. Dazu lichtet er die Stars und Sternchen in provokanten, teilweise pornographischen Posen ab, die schockieren und überraschen, belustigen und erschrecken - und das immer vor dem Hintergrund einer phantastisch-märchenhaft anmutenden, teilweise sakralen Umgebung.

 

Marilyn Manson wird zum gruselig-lustigen ABC-Schützen, der den Schülern, die wie seine kleinwüchsigen Doppelgänger wirken, aus dem Schulbus hilft. Eminems bestes Stück verwandelt sich in fackelndes Feuerwerk, und Ewan McGregor wird beim schüchternen Blick durch das Fenster eines Puppenhauses von der Bewohnerin ins Gesicht geschossen.

 

Kurt Cobain stirbt in den Armen seiner Courtney wie Jesus in denen seiner Mutter Maria, und Angelina Jolie ist reduziert auf ihren weitgeöffneten Mund, dessen Deutung jedem selbst überlassen bleibt.

 

 

Alle, deren Skandale und Skandälchen wir täglich von den Massenmedien aufs Brot geschmiert bekommen, sind versammelt. Und es ist herrlich amüsant zu sehen, dass sich keiner von ihnen selbst so richtig ernst zu nehmen scheint. Den Paparazzi und Sensationsreportern wird die Zunge rausgestreckt und zugezwinkert: „Seht her, es geht noch viel doller!“

 

David LaChapelle (Jahrgang 1963) beschäftigt sich schon länger mit der Darstellung von Prominenten. Neben der Photographie hat er zahlreiche Musikvideos produziert und 2005 mit seinem Dokumentarfilm „Rize“ über eine neue Tanzform in den Gettos von Los Angeles für Aufsehen gesorgt.

 

 

 

Seine Bilder sind im Rahmen der Ausstellung „Men, War & Peace“ zusammen mit Männerportraits von Helmut Newton und den aufrüttelnden Photographien des amerikanischen Kriegsphotographen James Nachtwey zu sehen.

Warum gerade diese drei Werkgruppen gegenübergestellt wurden, ist unverständlich, behandeln sie doch auf unterschiedliche Weise ganz verschiedene Themen. Beginnend mit LaChapelles Promipornos, bekommt man jedenfalls einen gehörigen Schreck, wenn man plötzlich inmitten Nachtweys dramatisch und surreal inszenierten Kriegsbildern steht.

Die Tatsache, dass diese Bilder reale Aufnahmen sind, macht es unmöglich, sich danach noch an Newtons stilvollen schwarz-weißen Männerportraits zu erfreuen.

 

Aber vielleicht ist es gerade diese Schockwirkung, dieser Kontrast von Traumwelt und Realität, den die Museumsmacher beabsichtigen. Der Besucher bleibt sich leider völlig selbst überlassen, das Museum hält sich mit Informationen zu den einzelnen Künstlern und ihren Arbeiten unnötig zurück, und so beschränkt sich die Ausstellung auf die schlichte Hängung der Photographien.

Welch ein Glück, dass diese aus sich heraus wirken!

 

 

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NEWTON - NACHTWEY - LA CHAPELLE

MEN, WAR & PEACE

3. Dezember 2006 - 20. Mai 2007
Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie

Jebensstraße 2

10623 Berlin